Nach den überraschend guten Zahlen von SAP im ersten Quartal haben sich zahlreiche Analysten zur Aktie geäußert und neue Kursziele genannt oder die alten bestätigt. So viel Potenzial steckt laut den Experten jetzt in der Aktie drin.

Am Morgen nach den Quartalszahlen von SAP am Donnerstagabend hat die Schweizer Großbank UBS ihre Einstufung auf „Buy“ belassen und ihr Kursziel von 205 Euro bestätigt. Der starke Jahresstart dürfte am Markt gut ankommen, schrieb Michael Briest. Er rechnet insbesondere mit Erleichterung über den aus Cloudverträgen in den nächsten zwölf Monaten zu erwartenden Umsatz (current cloud backlog , CCB) sowie die Tatsache, dass der Vorstand seine Jahresziele bestätigte. 

Damit zählt die UBS, wie auch die Deutsche Bank (Kursziel 200 Euro), noch zu den eher vorsichtigen Beobachtern der SAP-Aktie.

Bis zu 73 Prozent Kurspotenzial

Weit optimistischer zeigt sich Charles Brennan von Jefferies. Er hält an seiner Einstufung „Buy“ fest und wiederholte außerdem sein Kursziel von 230 Euro. Verglichen mit dem aktuellen Kurs von 150 Euro entspricht das einem Kurspotenzial von 53 Prozent. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hält auf Sicht von zwölf Monaten sogar 260 Euro für möglich, ein Potenzial von 73 Prozent, Bernstein hob sein Kursziel sogar auf 276 Euro an (von 273 Euro), was einem Aufschlag von 84 Prozent entspricht.

Der aus Cloudverträgen in den nächsten zwölf Monaten zu erwartende Umsatz (current cloud backlog - CCB) sei besser als erwartet ausgefallen, schrieb Goldman-Analyst Mohammed Moawalla am Freitag. Mit größeren Änderungen an den Markterwartungen rechnet er allerdings nicht. Das erste Quartal sei viel besser gelaufen als gedacht, schrieb auch Jefferies-Analyst Brennan. Ein Hinweis auf die Belastungen durch den Nahost-Krieg in der Analystenkonferenz könnte die positive Reaktion der Aktie allerdings im Zaum halten. 

Bislang haben nur zwei Banken ihre Kursziele für SAP gesenkt: Wells Fargo liegt mit einer Zielmarke von jetzt 250 Euro (nach zuvor 275 Euro) trotzdem immer noch auf Kaufkurs. Gleiches gilt für Keybanc Capital, das jetzt 235 Euro als fairen Wert nennt (nach bisher 280 Euro).

SAP-Chef irritierte vor zwei Wochen mit warnenden Aussagen

Brennen scheib, das sich viele Anleger angesichts nahezu unveränderter Jahresziele im Nachhinein noch einmal über die jüngsten Aussagen des SAP-Chefs Christian Klein in der Presse wundern, schrieb Brennan. Klein hatte kurz nach Ostern in einem Gastbeitrag für die Financial Times davor gewarnt, dass der Übergang zur künstlichen Intelligenz ähnlich schmerzhaft verlaufen könnte wie der frühere Wechsel in die Cloud. Kunden benötigten Zeit, um sich an KI zu gewöhnen – ähnlich wie bei der Einführung von Cloud-Lösungen, schrieb Klein. Der technologische Wandel erfordere „die Bereitschaft, kurzfristige Schmerzen für strukturelle Gewinne in Kauf zu nehmen“. Die Börse interpretierte die Aussage so, dass Klein damit kurzfristige Belastungen avisiere, und schickte die Aktie daraufhin noch am selben Tag um 6,8 Prozent in den Keller. Womöglich zu Unrecht, wie sich jetzt zeigte. Warum Klein erst mahnende Worte fand, um dann zwei Wochen später selbst blitzsaubere Zahlen vorzustellen, bleibt ein Rätsel.

SAP (WKN: 716460)

Auch andere Aktien im Sektor steigen

Am Mittwoch hatte der SAP-Rivale ServiceNow für seine Quartalszahlen eine schallende Ohrfeige von der Börse erhalten. Auch ServiceNow hatte von Verzögerungen im Geschäft mit Kunden aus Nahost berichtet, war dafür aber mit einem Abschlag von 14 Prozent belegt worden. Die SAP-Aktie stieg dagegen am Tag nach den Zahlen am Freitagvormittag um 6,5 Prozent auf knapp 150 Euro. Von der guten Stimmung kann auch ServiceNow ein bisschen profitieren: Die Aktie gewinnt aktuell 1,5 Prozent auf 73,80 Euro, in ähnlicher Größenordnung legt die Oracle-Aktie zu (Stand 9:45 Uhr). Oracle ist seit Jahrzehnten der wichtigste Konkurrent von SAP im Geschäft mit Unternehmenssoftware (ERP), hat sich jedoch zuletzt auch zu einem Hyperscaler im KI-Bereich entwickelt, wo Oracle – größtenteils schuldenfinanziert – in den kommenden Jahren hunderte Milliarden Dollar investieren will. Wegen seines stark abweichenden Geschäftsjahrs wird Oracle erst am 10. Juni wieder Zahlen melden - dann für das Gesamtjahr 2025/2026 

Mehr zu SAP kommende Woche in BÖRSE ONLINE

SAP ist derzeit keine laufende Empfehlung der BÖRSE-ONLINE-Redaktion. Ob sich diese Einschätzung nach den Zahken ändert, erfahren E-Paper-Abonneten schon am kommenden Mittwoch um 10 Uhr, wenn das neue Heft elektronisch erscheint. Wenn Sie das nicht verpassen wollen, empfehlen wir unser Probe-Abo: Sie erhalten vier E-Paper Ausgaben zum Preis von nur 7,80 Euro.

Hier bestellen 

Weiterführende Links

Häufige Fragen zu SAP

Warum steigt die SAP-Aktie am Freitag so stark?

Über Wochen hinweg hat der sogenannte "KI-Trade" Softwareaktien unter Druck gesetzt udn dei Kurse einbrechen lassen. Neue KI-Agenten, vor allem auf Basis von "Claude", dem LLM-Modell von Anthropic, scheinen mit ihren Fähigkeiten etablierte Softwareplattformen im Nu ersetzen zu können. Seitdem tobt eine Debatte, ob und wie lange die Softwareriesen ihre Kunden noch halten können. Die Quartalszahlen von SAP am 23.4.2026 zeigten nun aber, dass die Umsätze weiterhin hoch zweistellig steigen. Damit konnte der Konzern viele Ängste dämpfen. Zumal SAP offenbar selbst mit eigenen KI-Anwendungen bei den Kunden erfolgreich ist.

Ist die SAP-Aktie jetzt ein Kauf?

BÖRSE ONLINE empfahl die Aktie bisher nicht zum Kauf. Einige Analysten sehen das anders und setzen zum Teil sehr hohe Kursziele. So hat etwa Bernstein sein Kursziel auf 276 Euro angehoben, mehr als 80 Prozent über dem Kurs vom Freitagmittag (24.4.2026).

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: SAP.