Das kam unerwartet: AMS Osram liefert zwar ein gedämpftes erstes Quartal ab - entfacht aber unverhofft neue Kursphantasie, die die Aktie abheben lässt. Grund ist ein neues Gedankenspiel rund um KI-Rechenzentren.
Anleger nahmen die Idee dankend auf und schossen die Aktie von AMS-Osram zeitweise um über 40 Prozent in die Höhe. Am Ende des Tages standen schließlich immer noch 29 Prozent Kursplus zu Buche.
Zahlen besser als befürchtet
Im ersten Quartal sank der Umsatz von AMS Osram zwar um drei Prozent auf 796 Millionen Euro. Er lag damit jedoch im oberen Bereich der eigenen Prognosespanne. Das bereinigte EBITDA ging ebenfalls um drei Prozent auf 131 Millionen Euro zurück, die Marge blieb mit 16,5 Prozent stabil. Außerdem liegt sie über dem Zielkorridor von rund 15 Prozent. Analysten überraschte zudem das starke Lampengeschäft. das viele schon abgeschrieben hatten.
Unterm Strich bleiben jedoch rote Zahlen: Der bereinigte Nettoverlust weitete sich auf 72 Millionen Euro aus. Im Vorjahr betrug dieser noch 23 Millionen Euro. Dennoch konnte vor allem ein Punkt im Quartalsbericht Hoffnung spenden.
Cashflow dreht ins Positive
Denn einen echten Lichtblick bietet die Cash-Generierung. Im ersten Quartal erzielte AMS Osram einen Free Cashflow von 37 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es hier noch minus 28 Millionen Euro. Für 2026 stellt der Konzern jetzt sogar mehr als 300 Millionen Euro Free Cashflow inklusive Desinvestitionen in Aussicht. Ohne Verkäufe bleibe der Wert zwar „deutlich negativ“, dennoch dürfte ein positiver Free Cashflow nicht mehr allzulange auf sich warten lassen.
KI-Kooperation als Kurstreiber
Zu guter letzt hatte Konzernchef Aldo Kamper allerdings noch einen weiteren Pfeil im Köcher. Er kündigte eine Entwicklungspartnerschaft für Technologien in KI-Rechenzentren an. Kamper nennt den Partner zwar noch nicht, spricht aber von einer engen Zusammenarbeit an Digital-Photonics-Lösungen zur Datenübertragung. Datenübertragung mithilfe von Photonen ist derzeit eines der heißesten Themen im Silicon Valley.
Ein nennenswerter Beitrag war ursprünglich eher Richtung 2030 erwartet worden – nun könnte das deutlich früher passieren. Zusätzlich spricht er von einem Markt, der sich "sehr schnell entwickelt und dringend nach Lösungen sucht".
Ausblick bleibt dennoch gedämpft - Aktie mit dickem Plus
Für das zweite Quartal erwartet AMS Osram nun einen Umsatz von 725 bis 825 Millionen Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge soll erneut bei rund 15 Prozent liegen. Der Jahresausblick bleibt vorsichtig und man erwartet einen moderat sinkenden Umsatz sowie Belastungen etwa durch höhere Edelmetallpreise.
Außerdem bleibt eine Unsicherheit: AMS Osram möchte nach wie vor die leerstehende Fabrik in Malaysia verkaufen, allerdings gab es hier noch keine passenden Interessenten. Den Investoren war's egal: Sie reißen sich plötzlich wieder um die Aktie - und das könnte noch in paar Tage anhalten.
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Häufig gestellte Fragen
Aus welchen Gründen ist die Aktie heute gestiegen?
Für Anleger zählte heute vor allem die Kombination aus „nicht so schlimm wie befürchtet“, stabiler Profitabilität, besserem Cashflow und einer spannenden KI-Möglichkeit für AMS Osram.
Ist der Kurssprung nachhaltig – oder nur ein Strohfeuer?
Nachhaltig ist die Bewegung vor allem dann, wenn sich die Cashflow-Verbesserung und die KI-Fantasie in den nächsten Quartalen mit weiteren belastbaren Zahlen bestätigen.
Welche Risiken bleiben trotz besserer Zahlen bestehen?
Risiken sind der weiter gedämpfte Ausblick, anhaltende Verluste unterm Strich, die Abhängigkeit von Desinvestitionen beim Cashflow sowie offene Punkte wie der Malaysia-Verkauf und noch vage Details zur KI-Kooperation.
Enthält Material von dpa-AFX