Der E-Commerce-Pionier wurde lange Zeit missverstanden und performt an der Börse nicht wie früher. Doch die Wall Street wettet jetzt auf das Wachstums-Comeback – Anlegern winkt Nachholpotenzial.
Unter den Mag 7 ist Amazon ein Nachzügler. Während Microsoft, Alphabet und Meta binnen fünf Jahren 135 bis 180 Prozent Gewinn brachten, Nvidia gar mit einem prozentual vierstelligen Plus glänzte, hinkt der Internet-Pionier deutlich hinterher. Nur etwa 35 Prozent Plus stellen im Wall-Street-Jargon „Dead Money“ dar.
Mit den jüngsten Quartalszahlen übertraf Amazon die Erwartungen zwar deutlich, patzte aber mit einer zu verhaltenen Guidance. 200 Milliarden Dollar Börsenwert wurden am Folgetag ausradiert — für Wedbush-Staranalyst Dan Ives eine Überreaktion „hypersensitiver Marktteilnehmer“. Vor allem sei der konservative Ausblick „kein Bruch der Story. Wir sehen den Beginn einer AI-getriebenen Infrastrukturwelle, in der Amazon besser positioniert ist, als es die Marktreaktion suggeriert“.
Dan Ives: "Renaissance des Wachstums"
Die Underperformance könnte Anlegern Chancen bieten — nämlich den vielleicht spannendsten Comeback-Bullcase unter den Mag 7. Dan Ives spricht von einer „Renaissance des Wachstums“, die unausweichlich sei. Vieles deutet darauf hin, dass Amazon der Übergang in eine neue Wachstumsphase gelingen könnte.
Im Cloud-Geschäft treibt der US-Konzern massiv Investitionen in spezialisierte KI-Infrastruktur wie Bedrock und Trainium voran, die zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden könnten. Auch Alexa soll mit ausgebauten Agentenfunktionen zur Plattform reifen — ein Ansatz, der weit über den bisherigen Smart-Speaker-Markt hinausweist.
Same-Day-Delivery-Dienste sorgen für neue Fantasie
Parallel dazu zeigt sich der Retail-Sektor robuster als erwartet. Prime-Day-Effekte, Effizienzgewinne und eine schlankere Kostenstruktur führen zu steigenden Margen. Ein zusätzlicher Wachstumsmotor könnte aus der Logistik kommen: Mit der Expansion der Same-Day-Delivery-Dienste auf bis zu 3300 US-Städte bis Jahresende schärft Amazon sein Alleinstellungsmerkmal im E-Commerce. Lebensmittel, Fleisch oder frisches Obst binnen Stunden: ein Versprechen, das die Wettbewerbsbarrieren weiter erhöht.
Und noch ein Signal liefert die Wall Street selbst: Starinvestor Bill Ackman kaufte im zweiten Quartal 5,8 Millionen Amazon-Aktien – er setzt also darauf, dass die Jahre der Underperformance endlich enden. Für Anleger ergibt sich die vielleicht beste Einstiegschance seit Jahren, zumal die Aktie mit einem 2026er-KGV von 30 ausnahmsweise einmal nicht mehr allzu teuer ist.
Hinweis: Der Artikel stammt aus der aktuellen Heftausgabe von BÖRSE ONLINE (35/25), die Sie hier finden.
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Und: Wer vor 10 Jahren 10.000 Dollar investierte, hätte so viel mit Nvidia, Bitcoin & Co. verdient
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