Nachdem Siemens gerade erst ein neues Rekordhoch erreicht hatte, gerät der bei Anlegern beliebte DAX-Wert plötzlich unter Druck. Ausgerechnet KI-Sorgen schüren Verunsicherung – trotz robuster Fundamentaldaten. Eine Einordnung inklusive Chartanalyse.
Die Siemens-Aktie galt bisher als ein großer Profiteur des industriellen KI-Booms. Doch nach einem starken Lauf ist die Stimmung in den vergangenen Tagen plötzlich gekippt: Investoren fürchten , dass neue KI-Tools auch klassische Industriesoftware teilweise verdrängen könnten. Die Folge: kräftige Gewinnmitnahmen und ein deutlicher Kursrückgang innerhalb weniger Handelstage.
KI-Angst erreicht Industriekonzerne wie Siemens
Zum Wochenstart verlor die Siemens-Aktie zeitweise mehr als sechs Prozent und fiel damit auf den tiefsten Stand seit Dezember 2025, nachdem sie erst wenige Tage zuvor noch ein Rekordhoch erreicht hatte. Auslöser sind wachsende Zweifel am bisherigen Geschäftsmodell der Münchener mit Industriesoftware. Marktbeobachter warnen, dass fortschrittliche KI-Anwendungen auch Siemens-Lösungen – etwa im Bereich der Fabrikplanung mit digitalen Zwillingen – unter Druck setzen könnten. Zudem ermögliche die KI zunehmend offene Systemarchitekturen, wodurch Komplettlösungen einzelner Anbieter an Attraktivität verlieren könnten.
Vor allem in der Softwarebranche vollzieht sich derzeit eine Neubewertung an der Börse. Zuletzt waren mit dem Auftauchen neuer Konkurrenten aus dem Bereich der KI-Modelle reihenweise europäische Software- und Industriewerte unter Druck geraten.
Fundamentale Lage bleibt robust
Bemerkenswert ist der Timing-Kontrast: Erst vergangeen Woche hatte Siemens starke Geschäftszahlen für das erste Geschäftsquartal vorgelegt: Der Gewinn lag knapp 21 Prozent über den Erwartungen der Analysten, außerdem hob Siemens den Ausblick an, getragen von hoher Nachfrage nach Automatisierung, Software und Infrastruktur rund um Rechenzentren und industrielle KI.
Operativ profitieren die Münchener außerdem weiterhin vom globalen Investitionszyklus in Digitalisierung und AI-getriebene Anwendungen.
Kritischer Punkt im Chart der Siemens-Aktie
Aktuell kämpft der DAX-Wert wieder mit der 200-Tage-Linie, die als wichtige Unterstützung gilt und derzeit bei 232,40 Euro verläuft. Zuvor hatten bereits die 50-Tage-Linie sowie die 100-Tage-Linie nicht gehalten (siehe nachfolgende Darstellung). Knapp unter dieser 200-Tage-Linie verläuft bei 282,60 Euro auch noch die von vielen Tradern beachtete 50-Wochen-Linie.
Der Bereich um die 230 Euro ist also von hoher Bedeutung, zumal der Siemens-Aktie danach im Bereich zwischen 230 und 215 Euro charttechnisch nichts mehr Halt bietet (vgl. blaue Linien). Anschliessend könnte sie vorerst sogar den Rückzug auf das Niveau der 200-Wochen-Linie antreten, die derzeit bei 184 Euro verläuft.
Erschwerend hinzu kommt, dass auch die technischen Indikatoren, wie etwa der MACD, sowohl auf Tages- wie auch Wochenbasis derzeit auf eine Fortsetzung des Abverkaufs ohne baldige Erholung hindeuten.
Die nächsten Zahlen zum 2. Quartal des Siemens-Geschäftsjahres werden erst für den 13. Mai 2026 erwartet. Von dieser Seite her können Anleger in den nächsten Wochen also ebenfalls keinen Support für den Kurs der Siemens-Aktie (ISIN: DE0007236101) erwarten.
Fazit:
Trotz zuletzt wirklich erfreulichen Zahlen und zahlreicher "Kaufen"-Empfehlungen durch die Analysten zeigt die aktuelle Kursreaktion, dass Anleger zwischen kurzfristiger Technologiekonkurrenz und langfristigem Wachstumspotenzial unterscheiden müssen. Die Aktie bewegt sich aktuell im Spannungsfeld zwischen fundamentaler Stärke und einem Markt, der die disruptive Seite der KI einpreist. Charttechnisch präsentiert sich die Aktie angespannt. Anleger machen daher wahrscheinlich nichts falsch, wenn sie an (Teil-)Gewinnmitnahmen denken.
Anleger, die nicht auf Einzelaktien setzen wollen, werden vermutlich mit dem «Globale Dividenden-Stars Index» glücklicher.
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