So startet der DAX in die neue Woche und das bewegt den deutschen Leitindex. Im Fokus stehen folgende Themen: Nagarro, Allianz, SK Hynix, Samsung, Bitcoin, Baidu, Mag7 und Mercedes.
Die neuerlichen Kursverluste in der deutschen Autobranche haben den deutschen Aktienmarkt zum Wochenauftakt im Zaum gehalten. Der Leitindex Dax lag am Nachmittag mit 24.702 Punkten moderat im Plus. Die jüngste Hängepartie des Dax an der 25.000er Marke setzt sich damit fort. Der MDax der mittelgroßen Börsenwerte legte um 0,2 Prozent auf 31.664 Punkten leicht zu.
Ein Unsicherheitsfaktor bleibt der Nahost-Krieg. Die USA und der Iran wollen ihre gegenseitigen Angriffe im Streit um die Straße von Hormus US-Angaben zufolge vorerst einstellen und weiter verhandeln. "Beide Seiten werden vorerst von weiteren Maßnahmen absehen", erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus informierten Kreisen in Washington. Schiffe könnten frei verkehren, während die Gespräche zur Umsetzung des Rahmenabkommens fortgesetzt würden.
Die Aktien deutscher Automobilhersteller fielen am Montag auf mehr- und teils sogar vieljährige Tiefstände. Investoren ziehen sich weiterhin aus der Branche zurück. Volkswagen-Anteile büßten zwei Prozent ein und loteten das niedrigste Niveau seit dem Jahr 2010 aus. BMW, Continental und Porsche AG fielen ebenfalls zurück.
Aktien USA
Der jüngste Rückschlag an der New Yorker Tech-Börse Nasdaq und gute Stimmung in der Telekombranche haben am Montag für einen freundlichen Börsenstart in den USA gesorgt. In Portugal gibt der neue Fed-Präsident Kevin Warsh während eines Notenbanker-Treffens seinen Einstand auf der internationalen Bühne. Geopolitisch steht der wieder etwas hochgekochte Nahost-Konflikt im Blick und ließ zuletzt die Ölpreise erneut steigen.
Der Dow Jones Industrial kletterte mit plus 0,4 Prozent auf 52.086 Zähler wieder in Richtung seines jüngsten Rekordhochs. Das hatte der bekannteste Wall-Street-Index am vergangenen Donnerstag bei etwas über 52.655 Punkten erreicht. Der marktbreite S&P 500 gewann ebenfalls 0,4 Prozent und stieg damit auf 7.380 Punkte. Die Erholungsgewinne im technologielastigen Auswahlindex Nasdaq 100 bröckelten zugleich deutlich ab. Nach plus einem Prozent zum Handelsstart ging es nun nur noch um 0,2 Prozent auf 29.171 Punkte hoch.
Nach der erneuten militärischen Eskalation am Persischen Golf hat der Iran einen weiteren Verhandlungstermin mit den USA im Unklaren gelassen. Eine Gesprächsrunde werde stattfinden, "sobald die Voraussetzungen geschaffen sind und Einigkeit über Termin und Veranstaltungsort erzielt wurde", sagte Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi laut der iranischen Nachrichtenagentur Isna. Am Sonntag hatten Washington und Teheran US-Angaben zufolge beschlossen, ihre gegenseitigen Angriffe im Streit um die Straße von Hormus vorerst einzustellen und weiterzuverhandeln.
In Portugal dürften neben Hinweisen auf die US-Zinspolitik und Fragen zur Finanzstabilität auch solche im Zusammenhang mit dem Boom der Künstlichen Intelligenz (KI) zu den Diskussionsthemen gehören. Nach Warshs Signalen für eine möglicherweise restriktivere Geldpolitik zu Monatsbeginn "hätte man erwarten können, dass die Euphorie am Markt nachlässt, aber das scheint nicht der Fall zu sein", sagte Andrea Gabellone, Leiterin des Bereichs Global Equities bei KBC Securities. Der Markt gehe offenbar davon aus, dass die Sonderstellung der USA in diesem Bereich von Dauer sei und dass sich die Kursrally wohl auf andere Bereiche des Marktes ausweiten werde.
Nachrichten aus Deutschland
Heidelberg Materials schwach - Analysten senken Umsatzprognosen
Die Aktien von Heidelberg Materials sind am Montag auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Wochen abgerutscht. Marktbeobachter verwiesen zur Begründung auf reduzierte Umsatzprognosen mehrerer Analystenhäuser für den Baustoffkonzern im zweiten Quartal.
Am Nachmittag notierten die Papiere 7,6 Prozent im Minus bei 170,25 Euro. Damit waren sie mit Abstand schwächster Wert im Dax, der nahezu unverändert notierte. Gleichzeitig fielen sie unter die 21- und 50-Tage-Linien, die als Indikatoren für den kurz- bis mittelfristigen Trend angesehen werden. Seit Jahresanfang haben die Aktien 23 Prozent verloren.
Bernstein-Analystin Pujarini Ghosh geht davon aus, dass das zweite Quartal von Heidelberg Materials von den Auswirkungen des Iran-Kriegs geschwächt wurde, da die hohen Energiekosten zu einer Kosteninflation entlang der gesamten Wertschöpfungskette geführt hätten. Sie reduzierte ihre Umsatzprognose für das zweite Jahresviertel um 2,5 Prozent.
Auch der Experte Anthony Codling von der kanadischen Bank RBC schraubte seine Erlösschätzung nach unten. Die Analystin Elodie Rall von der US-Bank JPMorgan geht davon aus, dass sich die Markterwartungen in Richtung des unteren Endes der Zielspanne des Unternehmens bewegen werden.
Gerresheimer unter Druck nach verhaltenen Prognosen
Negativ ist am Montag letztlich die Reaktion von Anlegern auf vorsichtigere Geschäftsprognosen von Gerresheimer ausgefallen. Unmittelbar nach Veröffentlichung einer Mitteilung stieg der Kurs zwar um fast fünf Prozent auf das bisherige Tageshoch über 27 Euro. Anschließend drehten die Papiere aber wieder ins Minus, das zuletzt acht Prozent bei weniger als 24 Euro betrug.
Der Hersteller von Spezialverpackungen aus Glas und Kunststoff hat sich vorsichtiger zu Umsatz, Profitabilität und freien Barmitteln aus dem operativen Geschäft in diesem Jahr geäußert als bislang. Die Düsseldorfer begründeten dies mit einem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld, kundenseitigen Projektverschiebungen und "operativen Herausforderungen".
Die freien Barmittel (Free Cashflow) dürften demzufolge in diesem Jahr mit 50 bis 100 Millionen Euro negativ sein. Ursprünglich hatte Gerresheimer mit einem moderat positiven Free Cashflow gerechnet. Kursbelastend dürfte sich auch die gesenkte Margenprognose auswirken. Den Zielkorridor für die bereinigte operative Marge (Ebitda) senkte das Unternehmen von 18 bis 19 Prozent auf 17 bis 18 Prozent. Laut dem Analysten Christopher Richardson von Jefferies liegt die Konsensschätzung bei 19 Prozent.
Ministerium genehmigt Übernahme von MediaMarktSaturn-Mutter Ceconomy
Das Bundeswirtschaftsministerium hat grünes Licht gegeben für die Übernahme von Europas größtem Elektronik-Fachhändler MediaMarktSaturn durch den chinesischen Konzern JD.com - allerdings nur unter Auflagen. Das teilte die Behörde der Deutschen Presse-Agentur mit.
Die Auflagen sollen demnach gewährleisten, dass die personenbezogenen Daten der Kunden in Deutschland geschützt bleiben. Zudem räumten sie der Bundesregierung starke Überwachungs- und Kontrollrechte ein und ermöglichten ihr, die Genehmigung im Fall von Verstößen zu widerrufen, hieß es in einer Mitteilung. Im Investitionsprüfverfahren wurde untersucht, ob die Übernahme die öffentliche Ordnung oder Sicherheit der Bundesrepublik beeinträchtigt.
JD.com teilte mit: "Wir begrüßen die außenwirtschaftsrechtliche Freigabe durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie." Das Unternehmen rechnet mit einer Gesamt-Freigabe in der zweiten Jahreshälfte.
Jefferies hebt Mercedes-Benz auf 'Buy' - Ziel runter auf 52 Euro
Das Analysehaus Jefferies hat das Kursziel für Mercedes-Benz von 60 auf 52 Euro gesenkt, aber die Aktien von "Hold" auf "Buy" hochgestuft. Die Aktien der Stuttgarter seien der jüngsten Gewinnwarnung von BMW gefolgt, dabei erschienen ihre Jahresziele "safe", schrieb Philippe Houchois am Sonntag. Die Signale auf einer Investorenkonferenz am Dienstag seien recht zuversichtlich gewesen. Der träge Marktkonsens müsse allerdings noch korrigieren.
Berenberg belässt Allianz auf 'Buy' - Ziel 684 Euro
Die Privatbank Berenberg hat die Einstufung für Allianz nach einer Investorenveranstaltung mit einem Kursziel von 684 Euro auf "Buy" belassen. Die Präsentationen hätten sich vorwiegend auf den deutschen Markt konzentriert, schrieb Michael Huttner am Samstag. Der Experte geht aber davon aus, dass sich die Erkenntnisse über ein beschleunigtes Wachstum auch stark auf die übrigen Geschäftsbereiche des Versicherers übertragen lassen. Die Bewertung der Aktien sei vielversprechend.
Nagarro bei Tradegate knapp unter Gebot von Persistent
Nach einem Übernahmeangebot haben sich die Aktien von Nagarro am Montag vorbörslich fast verdoppelt. Auf der Handelsplattform Tradegate stiegen die Papiere des IT-Dienstleisters bis auf 79,30 Euro, blieben damit aber leicht unter der Persistent-Offerte aus Indien in Höhe von 81 Euro je Aktie.
Der Konkurrent Persistent ist damit bereit, etwas mehr als eine Milliarde Euro zu zahlen. Persistent selbst geriet im indischen Handel unter Druck und kommt noch auf eine Marktkapitalisierung von umgerechnet gut sechs Milliarden Euro.
Persistent will mindestens die Hälfte der Anteile erwerben. Rund 20 Prozent der Anteile hat sich das indische Unternehmen von der Gründerfamilie gesichert und damit bereits einen großen Schritt in Richtung der 50 Prozent geschafft.
Internationale Nachrichten
BIS warnt vor Stablecoin-Risiken – Binance verliert EU-Lizenz
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich warnte in ihrem Jahresbericht, dass der auf rund 316 Milliarden Dollar angewachsene Stablecoin-Markt das globale Währungssystem fragmentieren und die geldpolitische Kontrolle der Zentralbanken untergraben könnte. Gleichzeitig verzeichnete Binance in der Woche vor Ablauf der EU-MiCA-Übergangsfrist am 1. Juli Nettoabflüsse von über 400 Millionen Dollar, nachdem die Börse ihre Lizenzantragsrücknahme in Griechenland bekanntgegeben hatte. Ab Juli wird Binance das Onboarding neuer EU-Nutzer und bestimmte Dienste einschränken.
Südkorea kündigt 651-Milliarden-Dollar-Investitionspaket für KI und Chips an
Südkoreas Präsident Lee Jae Myung will ein nationales KI-Großprojekt mit Investitionen von über 1.000 Billionen Won ankündigen, das einen neuen Halbleiter-Hub im Südwesten des Landes umfasst. Samsung und SK Hynix sollen dabei kombinierte Investitionen von bis zu 1,3 Billionen Dollar über ein Jahrzehnt ankündigen – trotzdem fielen die Aktien beider Unternehmen um 4 bis 6 Prozent, was Analysten auf Gewinnmitnahmen nach dem starken Jahresanstieg zurückführen. Das Paket umfasst auch massive staatliche Unterstützung für Infrastruktur, Ausbildung und Wohnungsbau rund um die geplanten Industriestandorte.
Apollo: Magnificent 7 verliert Free-Cashflow-Vorteil gegenüber dem breiten Markt
Apollo-Chefvolkswirt Torsten Slok warnt, dass der Bewertungsvorsprung der sieben größten Tech-Aktien schwindet, da explodierende KI-Investitionsausgaben den freien Cashflow der Hyperscaler stark belasten – der Anteil der Investitionsausgaben am operativen Cashflow ist bei Amazon, Alphabet, Microsoft, Meta und Oracle stark gestiegen. Gleichzeitig konvergiert das Gewinnwachstum der Mag-7 mit dem Rest des S&P 500: Für 2026 werden 20 Prozent Wachstum erwartet, für 2027 nur noch 15 Prozent – nahezu identisch mit den übrigen 493 S&P-Mitgliedern. BCA Research erhöhte dennoch sein S&P-500-Jahresendziel auf 8.100 Punkte.
Google rationiert KI-Kapazitäten für Meta – Infrastrukturengpass verschärft sich
Google hat laut Financial Times die Nutzung seiner Gemini-KI-Modelle für Meta eingeschränkt, da die globale KI-Rechenkapazität mit der explodierenden Nachfrage nicht Schritt halten kann. Meta hatte Gemini unter anderem für Inhaltsmoderation und Betrugserkennung eingesetzt, entwickelt nun verstärkt eigene Modelle und ruft Mitarbeiter zur effizienteren KI-Nutzung auf. Der Vorfall verdeutlicht, dass selbst direkte Konkurrenten im KI-Markt gleichzeitig Kunden voneinander sind – und dass Kontrolle über Rechenzentren und Infrastruktur zunehmend zum strategischen Wettbewerbsvorteil wird.
Baidus KI-Chipsparte Kunlunxin plant Hongkonger Börsengang mit 50-Milliarden-Dollar-Bewertung
Baidus KI-Chip-Tochter Kunlunxin strebt einen Börsengang in Hongkong mit einer Zielwertung von rund 50 Milliarden Dollar an und fordert von potenziellen Investoren, Chips im Wert des Drei- bis Siebenfachen ihrer geplanten IPO-Zeichnungssumme zu kaufen. Neben Baidu selbst zählen Tencent und ByteDance zu den Abnehmern der Kunlunxin-Chips, was auf eine wachsende externe Kundenbasis hindeutet. Baidus Aktie legte nach den Berichten rund 7 Prozent zu.
Enthält Material von dpa-AFX
Häufig gestellte Fragen
Warum kommt der DAX an der 25.000-Punkte-Marke nicht voran?
Immer wieder aufkommende Sorgen über hohe Bewertungen im Technologiesektor verhindern einen nachhaltigen Ausbruch nach oben, wie die Helaba in ihrem Marktkommentar schreibt. Hinzu kommt die anhaltende Unsicherheit rund um den Nahost-Konflikt, auch wenn die USA und der Iran ihre gegenseitigen Angriffe vorerst eingestellt haben und die Verhandlungen zur Umsetzung des Rahmenabkommens weiterlaufen. In welche Richtung der nächste entscheidende Impuls die Kurse bewegt, bleibt offen.
Was bedeutet Apollos Warnung über die Magnificent 7 für Anleger?
Apollo-Chefvolkswirt Torsten Slok warnt, dass der Bewertungsvorsprung der sieben größten Tech-Aktien schwindet, da explodierende KI-Investitionsausgaben den freien Cashflow der Hyperscaler wie Amazon, Alphabet, Microsoft und Meta stark belasten. Gleichzeitig konvergiert das Gewinnwachstum der Gruppe mit dem Rest des S&P 500: Für 2027 werden nur noch 15 Prozent Wachstum erwartet – nahezu identisch mit den übrigen 493 S&P-Mitgliedern. Anleger sollten diese Entwicklung im Blick behalten, da sie die Rechtfertigung für Bewertungsaufschläge bei Tech-Schwergewichten zunehmend infrage stellt.
Was steckt hinter dem Übernahmegebot für Nagarro und was bedeutet es für Aktionäre?
Der indische IT-Dienstleister Persistent hat ein Übernahmeangebot von 81 Euro je Aktie für Nagarro vorgelegt, was einer Gesamtbewertung von etwas mehr als einer Milliarde Euro entspricht. Persistent hat sich bereits rund 20 Prozent der Anteile von der Gründerfamilie gesichert und will mindestens 50 Prozent erwerben. Die Nagarro-Aktie verdoppelte sich daraufhin vorbörslich fast, blieb aber knapp unter dem Angebotspreis – ein typisches Zeichen dafür, dass der Markt die Abschlusswahrscheinlichkeit noch nicht als vollständig gesichert einpreist.