Im Übernahmekampf zwischen UniCredit und der Commerzbank verschärft sich der Ton deutlich. Die italienische Großbank stellt offen in Aussicht, über Aktionärsrechte Einfluss auf den Aufsichtsrat der Commerzbank zu nehmen.

In einer Mitteilung vom Montag schrieb UniCredit wörtlich: „Sollte UniCredit auf der Hauptversammlung ausreichende Unterstützung durch Aktionäre erlangen, wäre sie in der Lage, sämtliche Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat zu wählen, der seinerseits für die Bestellung des Vorstands zuständig wäre.“

Formal handelt es sich dabei nicht um eine direkte Entlassungsdrohung gegen Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp. Zwischen den Zeilen ist die Botschaft dennoch klar: UniCredit will künftig bei wichtigen Entscheidungen der Commerzbank mitbestimmen und die eigene Strategie durchsetzen.

Orlopp reagierte entsprechend mit scharfer Kritik. Auf dem Euro Finance Summit in Frankfurt betonte sie, dass die Aussagen von UniCredit Unruhe in einem laufenden Verfahren stifteten. Zudem stellte sie infrage, wie unabhängig die Aktionäre tatsächlich sind, die ihre Stimmrechte UniCredit angedient haben.

Commerzbank zweifelt an der Aktionärsunterstützung für UniCredit

Nach jüngsten Angaben kommt die italienische Bank rechnerisch bereits auf rund 41,8 Prozent der Commerzbank. Darin enthalten sind die knapp 27 Prozent direkte Beteiligung, die im Rahmen des Angebots angedienten Aktien sowie aktienbasierte Derivate.

Bemerkenswert ist jedoch, dass UniCredit trotz eines aus Sicht der Commerzbank wenig attraktiven Angebots bereits rund 11,9 Prozent der Aktien angedient bekommen hat. Bei Ankündigung entsprach das Angebot einem Wert von rund 30,80 Euro je Commerzbank-Aktie. Genau das nährt den Verdacht der Commerzbank, dass es sich dabei nicht um unabhängige langfristige Investoren handelt, sondern möglicherweise um Banken oder Parteien, die über Derivategeschäfte mit UniCredit verbunden sind.

Darin liegt der Kern des aktuellen Streits. UniCredit präsentiert die hohe Annahmequote als Zeichen wachsender Unterstützung. Die Commerzbank hingegen sieht darin kein klares Votum unabhängiger Aktionäre und fordert mehr Transparenz über die Struktur der Transaktionen. Auch die BaFin wurde inzwischen eingeschaltet.

Die Unicredit weißt die Kritik von Orlopp zurück: Die Bank habe "in vollem Umfang regelkonform und transparent" gehandelt. 

Für Anleger bleibt der Fall damit hochspannend. Sollte UniCredit den Druck weiter erhöhen, könnte neue Übernahmefantasie die Aktie weiter bewegen. Gleichzeitig steigt aber auch die Unsicherheit, weil der Ausgang des Konflikts schwer vorhersehbar bleibt.

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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.