US-Börsenaufsicht verklagt VW und Winterkorn wegen Dieselskandal
· Börse Online Redaktion
Volkswagen erklärte, der Konzern werde sich energisch gegen die beispiellose Klage zur Wehr setzen. Sie weise erhebliche juristische und inhaltliche Mängel auf. Dabei gehe es um Wertpapiere, die nur erfahrenen Großanlegern verkauft worden seien. Die Investoren seien nicht geschädigt worden und hätten sämtliche mit den Papieren verbundenen Zahlungen vollständig und pünktlich erhalten.
"UNBEWIESENE ANSCHULDIGUNGEN"
"Die SEC erhebt ausdrücklich nicht die Anschuldigung, dass irgendeiner der in die Ausgabe der Anleihen involvierten Personen Kenntnis davon hatte, dass Dieselfahrzeuge von Volkswagen die US-Emissionsvorschriften nicht erfüllten", erklärte der Konzern. Stattdessen wiederhole die Behörde lediglich "unbewiesene Anschuldigungen gegen den damaligen Vorstandsvorsitzenden", der in die Verkäufe der Anleihen nicht involviert gewesen sei. Volkswagen erinnerte an den vor gut zwei Jahren mit dem US-Justizministerium, fast allen US-Bundesstaaten und rund einer halben Million Verbrauchern in den USA geschlossenen Vergleich, der den Konzern mehr als 25 Milliarden Dollar gekostet hatte. "Bedauerlicherweise versucht die SEC nun, noch einmal draufzusatteln."
Das Unternehmen hatte bereits in seinem am Dienstag vorgestellten Geschäftsbericht für das Jahr 2018 darauf hingewiesen, dass die SEC Auskunft wegen möglicher Verletzungen von Wertpapiergesetzen verlangt habe.
Der Dieselskandal war am 18. September 2015 bekanntgeworden. Wenige Tage später trat Winterkorn zurück. Der Konzern bekannte sich schließlich in den USA schuldig, Abgaswerte manipuliert und dies vor den Behörden verschleiert zu haben, und stimmte einer Strafe von 4,3 Milliarden Dollar zu. Insgesamt wurden in den USA 13 Personen angeklagt, darunter Winterkorn und vier Audi-Manager. Gegen Winterkorn erließ die US-Justiz auch einen Haftbefehl. Die US-Staatsanwaltschaft wirft dem 71-Jährigen Verschwörung zur Täuschung der Behörden bei den Abgasmanipulationen vor.
Einschließlich Bußgeldern gegen VW und die Tochter Audi in Deutschland und weiteren Ausgaben türmen sich die Kosten für die Wiedergutmachung des Dieselskandals inzwischen auf 29,0 Milliarden Euro. In Deutschland ist Volkswagen zudem mit Tausenden Klagen von Verbrauchern und Anlegern konfrontiert. Alleine bei einer Musterklage der Fondsgesellschaft Deka Investment wegen erlittener Kursverluste vor dem Oberlandesgericht Braunschweig geht es um insgesamt neun Milliarden Euro.
rtr
Buchtipp: Powerplay
Genie, Visionär oder doch nur windiger Geschäftemacher? Elon Musk war einer der umstrittensten Titanen des Silicon Valley. Er wurde von Konkurrenten und Investoren bedrängt, von Whistleblowern behindert – dennoch verloren er und sein Team von Tesla nie den Glauben an das Potenzial von E-Autos. Beharrlich entwickelten sie ein Auto, das schneller, leiser und sauberer war als alle anderen. Der Auto- und Technologie-Reporter des „Wall Street Journal“, Tim Higgins, verfolgte das Drama von der ersten Reihe aus: die Phasen des Innovationsstaus, das Ringen um die Kontrolle, die Verzweiflung und den unerwarteten Erfolg. „Powerplay“ ist eine Geschichte von Macht, Rücksichtslosigkeit, Kampf und Triumph und schildert, wie ein Team von Exzentrikern und Innovatoren alle Hürden überwand – und die Zukunft veränderte.
Autoren: Higgins, Tim
Seitenanzahl: 480
Erscheinungstermin: 25.11.2021
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-781-0