Der chinesische E-Auto-Marktführer BYD will nach Deutschland - und hat dazu jetzt offenbar ein ehemaliges VW-Werk im Visier. Mit einer Produktion hierzulande könnten die Chinesen EU-Strafzölle vermeiden und das "Made in Germany"-Label für sich nutzen. Spielen die Wolfsburger mit?

Mit BYD könnte sich eine chinesische Erfolgsgeschichte bald nach Dresden verirren. Mehreren Quellen zufolge überlegt der Elektroauto-Gigant, die gläserne Manufaktur zu kaufen, in der einst der "Phaeton" gebaut wurde. Das brächte einige Vorteile mit sich. Der Druck ist groß, denn auch bei BYD sorgten die jüngten Quartalszahlen eher für Ernüchterung als für Freudentaumel bei den Aktionären. Deshalb möchten die Chinesen jetzt verstärkt auf ausländische Märkte setzen.

Darum will BYD nach Europa

Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass der Elektro-Boom in China bereits etwas abflaut. Der Absatz von BYD, Xiaomi & Co. in ihrem Heimatmarkt stagniert und so setzen chinesische Autobauer vermehrt auf den internationalen Markt. Mit dabei: BYD. Im ersten Quartal 2026 brach der Nettogewinn um satte 55 Prozent ein, wodurch dieser mit 599 Millionen US-Dollar deutlich hinter den Erwartungen blieb. 

Satte 16 Prozent weniger Absatz musste BYD im Heimatmarkt verzeichnen, während international ein Wachstum von 71 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erzielt wurde. Allerdings muss der Autobauer in Märkten ie Europa oder den USA auch mit hohen Strafzöllen rechnen. Die Lösung: Ein günstiges Werk kaufen, dort eine gewisse Anzahl Autos produzieren und anschließend die Zölle umgehen - das "Made in Germany"-Label gibt es gratis dazu. Ob dies mithelfen kann, die Gewinnmargen zu beflügeln oder BYD damit gar den ersten Fuß ins Grab setzt, werden wir voraussichtlich nicht erfahren.

Das sagt VW zu den Gerüchten

Denn Volkswagen hat die Gerüchte bereits dementiert. Nach Anngaben aus Wolfsburg gebe es keine Gespräche oder Informationen zum Kauf des Dresdner-Werks. Erstmals darüber berichtet hatte übrigens das Online-Portal CarNewsChina unter Berufung auf eine einzelne Quelle, de jedoch vertrauenswürdig sei. Nachdem BYD bereits Werke in der Türkei und in Ungarn betreibt, würde ein Schritt nach Deutschland zwar Sinn machen, um den hiesigen Markt zu erobern. Allerdings dürfte VW an einem direkten Markteintritt seines größten chinesischen Konkurrenten wenig Interesse haben. Man gab sich in Wolfsburg genauso überrascht, wie wir es waren. VW-Chef Oliver Blume möchte zwar die Überkapazitäten abbauen, aber bisher scheint es keine direkten Gespräche mit BYD gegeben zu haben.

Ob sich das noch einmal ändert, bleibt abzuwarten. Es ist gut möglich, dass erst dieses Gerücht zu einem entsprechenden Interesse des chinesischen Elektro-Giganten führt - und an der gläsernen Manufaktur bald BYD statt VW prangt.

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Häufig gestellte Fragen

Kommt BYD nach Dresden?

Das ist noch nicht abzusehen. Bisher gab es allerdings keine konkreten Gespräche mit VW.

Warum waren die BYD-Quartalszahlen so schlecht?

Der chinesische Elektroautomarkt scheint seine Dynamik verloren zu haben. Bereits seit über 8 Monaten macht BYD hier Verluste, kann jedoch auf einen deutlich höheren internationalen Absatz zählen. Dieser gleicht den Heimatmarkt jedoch nicht aus.

Wird VW an ein chinesisches Unternehmen verkaufen?

Volkswagen möchte Überkapazitäten abbauen. Bereits im vergangenen Jahr wurde die Herstellung von Autos in Dresden eingestellt, wodurch die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass die gläserne Manufaktur an einen zahlungswilligen Konkurrenten aus China abgetreten wird.

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