Die US-Aktienmärkte zeigen sich trotz der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten erstaunlich robust. Der Chef-Marktstratege Jonathan Krinsky vom Brokerhaus BTIG mahnt allerdings zur Vorsicht und gibt Anlegern folgenden Rat.
Selbst der starke Anstieg der Ölpreise in den vergangenen Wochen konnte den S&P-500 bislang nicht nachhaltig unter Druck setzen. Viele Anleger hatten angesichts der Eskalation im Nahen Osten und der damit verbundenen Risiken für die Energieversorgung mit deutlich stärkeren Kursverlusten gerechnet. Doch der US-Aktienmarkt blieb vergleichsweise stabil.
Warum der S&P-500-Index relative Stärke beweist
Ein wichtiger Grund dafür liegt in der veränderten Struktur der US-Wirtschaft. Dank der massiven Ausweitung der heimischen Öl- und Gasförderung in den vergangenen Jahren sind die USA heute deutlich unabhängiger von Energieimporten als früher. Während steigende Ölpreise in der Vergangenheit häufig als Belastungsfaktor für die US-Konjunktur galten, profitieren heute Teile der Wirtschaft sogar davon. Gleichzeitig dominieren im S&P-500 große Technologie- und Dienstleistungsunternehmen, deren Geschäftsmodelle weniger stark von Energiepreisen abhängen als klassische Industriekonzerne.
Außerdem rechnen Investoren derzeit offensichtlich nicht mit einem langen Krieg. Nur zur Erinnerung: Innerhalb von vier Wochen sprang die US-Sorte WTI von 64 auf in der Spitze über 119 Dollar (aktuell: 88 Dollar). Zudem fiel der am Freitag veröffentlichte US-Arbeitsmarktbericht deutlich schwächer aus als erwartet. Statt eines Beschäftigungsaufbaus wurde sogar ein Rückgang der Stellen um 92.000 gemeldet.
Trotz der relativen Stärke des S&P-500 rückt aus charttechnischer Sicht eine wichtige Marke immer stärker in den Fokus. Laut einer Analyse des Chef-Marktstrategen Jonathan Krinsky vom Brokerhaus BTIG bewies der Index – trotz eines sich verschlechternden makroökonomischen Umfelds – ein hohes Maß an relativer Stärke.
Diese charttechnischen Marken sind wichtig
Viele Marktteilnehmer hätten erwartet, dass der S&P-500 deutlich stärker nachgibt. Doch die Marke von 6.700 Punkten wurde mehrfach getestet und konnte bislang erfolgreich verteidigt werden. Dieser Umstand deutet darauf hin, dass sich auf diesem Niveau weiterhin eine solide Nachfrage nach Aktien befindet und Rücksetzer von Investoren zum Kauf genutzt werden.
Dennoch hat sich das charttechnische Bild zuletzt etwas eingetrübt. Ein wichtiger Warnhinweis kommt laut Krinsky aus dem Halbleitersektor. Aktien von Chipunternehmen gelten an den Finanzmärkten häufig als Frühindikator für die Entwicklung des Gesamtmarktes. Schwäche in diesem Bereich kann daher ein Signal dafür sein, dass auch die breiteren Aktienindizes bald stärker unter Druck geraten könnten.
Sollte der S&P-500 die Marke von 6.700 Punkten nachhaltig unterschreiten, könnte sich die Situation schnell zuspitzen. In diesem Fall würde aus technischer Sicht der nächste wichtige Zielbereich in den Fokus rücken: die 200-Tage-Linie. Dieser langfristige Trendindikator verläuft derzeit in der Nähe von 6.587 Punkten und liegt damit mehr als zwei Prozent unter der aktuellen Unterstützungszone.
Der 200-Tage-Durchschnitt gilt an den Börsen als zentrale Orientierung für den langfristigen Trend. Viele institutionelle Anleger richten ihre Strategien an dieser Marke aus. Ein schneller Rücksetzer bis zu diesem Niveau wäre daher durchaus möglich, falls die Unterstützung bei 6.700 Punkten nach unten durchbrochen wird. Gleichzeitig könnte ein solcher Rückgang nach Ansicht des Chartexperten auch Chancen eröffnen. In der Vergangenheit kam es häufig vor, dass große Aktienindizes nach einem Test ihres 200-Tage-Durchschnitts wieder nach oben drehten, sofern sich die fundamentalen Rahmenbedingungen nicht drastisch verschlechterten.
Kurzfristig bleibt daher vor allem eine Marke entscheidend: 6.700 Punkte im S&P-500. Solange diese Schwelle hält, bleibt das technische Gesamtbild vergleichsweise stabil. Sollte sie jedoch fallen, könnte sich die Stimmung an den Märkten rasch drehen – und es an der Börse sehr ziemlich ungemütlich werden.
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