Am Mittwochabend entscheidet die US-Notenbank wieder über die Leitzinsen. Studien zeigen, dass sich die Kurse von Aktien und Anleihen im Umfeld solcher Termine stets nach einem auffälligen Muster bewegen. Was Anleger darüber wissen müssen.
Leitzinsentscheidungen beeinflussen die Kurse an den Märkten. Das ist klar. Doch wann tun sie das? Studien zeigen: Bereits im Vorfeld von Zinsentscheiden der US-Notenbank legen Aktien und Anleihen regelmäßig zu. Dieses Phänomen wird als „Pre-FOMC-Drift“ beschrieben. FOMC steht für „Federal Open Market Committee“, also die Sitzungen des Offenmarktausschusses der Fed.
Aktien steigen am Tag vor der Entscheidung
Nach welchem Drehbuch die Märkte vor diesen Sitzungen oft agieren, zeigt eine Studie der Federal Reserve Bank of New York, die bereits 2013 erstmals veröffentlicht wurde.
Darin zeigten die Autoren, dass ein erheblicher Teil der Aktienrenditen rund um Fed-Sitzungen im Vorfeld entsteht. Demnach steigt der S&P 500-Index im Schnitt in den 24 Stunden vor einer Entscheidung um etwa 49 Basispunkte. Nach der Veröffentlichung passiert dagegen meist wenig. Laut der Studie liegen die Renditen nach der Bekanntgabe des Zinsentscheids im Mittel nahe null.
Warum die Märkte so reagieren
Das deutet darauf hin, dass Märkte vor allem darauf reagieren, was die Anleger im Vorfeld erwarten, und nicht auf die Entscheidung selbst. Dazu passt, dass im Vorfeld sehr viele Erwartungen am Markt ausgetauscht werden, so dass sich schließlich das wahrscheinlichste Szenario verfestigt, für das sich dann auch der Großteil der Marktteilnehmer positioniert. Denn niemand will „auf der falschen Seite“ stehen, wenn es ernst wird.
Häufig ist dadurch das Zinsniveau, das die Fed verkündet, bereits eingepreist. In so einer Situation ist es dann umso wichtiger, welche Details die Notenbank als Begründung nennt: Es geht um den Ausblick, die Wortwahl, Hinweise auf Faktoren, die die Notenbanker in ihre nächsten Entscheidungen einfließen lassen wollen.
Ein dritter Aspekt führt dann dazu, dass die Kurse am Tag nach dem Zinsentscheid oft wieder stärker ausschlagen: Vor dem Termin sichern sich viele Marktteilnehmer ab, danach werden diese Positionen wieder angepasst. Das führt zu schlagartig mehr Liquidität im Markt – und kann für stärkere Ausschläge sorgen.
Was Privatanleger daraus ableiten können
Das oben genannte Drehbuch beschreibt ein statistisches Muster. Es ist aber kein Automatismus. Zumal sich die Auguren diesmal schon Wochen vor dem Fed-Entscheid festgelegt haben: Niemand rechnet damit, dass Fed-Chef Jerome Powell nach seiner womöglich letzten FOMC-Sitzung eine Änderung – sprich Senkung – der Leitzinsen verkünden wird. Diesmal spielt gar sein Ausblick nur eine untergeordnete Rolle, denn der designierte Fed-Chef Kevin Warsh wird vermutlich eine andere Geldpolitik verfolgen. Doch auch Warsh kann das nicht allein, denn der FOMC-Ausschuss entscheidet gemeinsam. Deshalb wird diesmal das „Minutes“-Protokoll, das die Stimmung im Komitee abbildet, besonders spannend sein. Doch diese Informationen veröffentlicht die Fed immer erst drei Wochen nach dem Zinsentscheid.
Wer langfristig spart, muss sich davon nicht irritieren lassen: Die Statistik beschreibt lediglich den Lärm um die Zinstermine herum. Die langfristige Rendite hängt weniger von einzelnen Entscheidungen ab, sondern vom Zinstrend und der langfristigen Gewinnentwicklung der Unternehmen. Dazu werden Anleger ebenfalls heute, nach dem Zinsentscheid der Fed, mehr erfahren: Ab 22 Uhr melden gleich vier der Magnificent-Seven-Konzerne ihre Ergebnisse für das abgelaufene Quartal.
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Häufige Fragen zum Thema
Wann entscheidet die US-Notenbank über die Leitzinsen?
Die Federal Reserve ("Fed") entscheidet im Jahr 2026 achtmal über die Leitzinsen. Nach der Entscheidung am heutigen 29. April wird die nächste FOMC-Sitzung am 16. Juni 2026 sein - vermutlich schon mit dem neuen Fed-Chef.
Was ist das FOMC?
Das Federal Open Market Committee (FOMC) ist das zentrale Entscheidungsgremium der US-Notenbank Fed. Das deutshe Synonym lautet "Offenmarktausschuss". Das FOMC entscheidet über den Leitzins, die Geldmenge und geldpolitische Maßnahmen. Der Ausschuss besteht aus 12 Mitgliedern: den sieben Mitgliedern des Fed-Gouverneursrats sowie dem Präsidenten der Federal Reserve Bank of New York und vier rotierenden Präsidenten der anderen regionalen Fed-Banken.
Wer wird neuer Fed-Chef und wann tritt er an?
Die Amtszeit des amtierenden Fed-Chefs Jerome Powell endet im Mai. Donald Trump hat Kevin Warsh als Nachfolger für das Amt nominiert. Dazu muss Warsh noch vom Kongress bestätigt werden. Die Anhörungen laufen gerade. Ziel ist, das Warsh spätestens zum 1. Juni das Amt übernimmt, also vor der nächsten Sitzung des FOMC.