Die beliebtesten deutschen ETFs sind extrem technologielastig – und daher anfällig. Gleichgewichtete ETFs verteilen das Risiko und profitieren jetzt von der Marktrotation.
Die Top 3 der ETF-Welt hierzulande sind schon lange wie zementiert: zwei ETFs, die den US-Index S & P 500 abbilden, ein ETF auf den MSCI World. Ganz schlichte Produkte, ohne Extras, ohne Schnickschnack — einfach nur die Indizes, „plain Vanilla“. Das ist fast enttäuschend, gibt es doch gerade bei diesen beiden wichtigen Indizes ETFs, die den Index modifizieren, um gewisse Risiken zu minimieren. Was sofort auffällt: Der Anteil von Technologieaktien ist bei beiden extrem hoch: Beim S & P 500 beträgt er 36 Prozent, beim MSCI World sind es 28 Prozent. Ein so schweres Gewicht wird in der Branche als „Klumpenrisiko“ bezeichnet.
Das noch junge Börsenjahr 2026 zeigt das. Etliche Tech-Aktien haben ordentlich Federn gelassen. Das Buzzword der Stunde heißt daher: Rotation. Viele Anleger, so scheint es, schichten ihre Investments um: eher weg von Tech-Aktien, hin zu anderen Sektoren und anderen Aktien, die günstiger bewertet sind, die vielleicht sogar eine Art Value-Charakter aufweisen.
Mit ETFs geht dieses Umschichten recht elegant: mit der Variante „Equal Weight“. Das Prinzip dahinter ist einfach. In einem klassischen, nach Marktkapitalisierung gewichteten Index bestimmt der Börsenwert eines Unternehmens das Gewicht im Index. Apple, Microsoft oder Nvidia sind Billionen-Unternehmen — und machen deshalb einen überproportional großen Anteil in vielen Indizes aus. Bei einem Equal-Weight-ETF wird dieses Prinzip auf den Kopf gestellt: Jede Aktie erhält exakt das gleiche Gewicht. Im S & P 500 Equal Weight bedeutet das: Jedes der 500 Unternehmen macht rund 0,2 Prozent des Index aus — egal ob Mega-Cap oder mittelgroßes Unternehmen.
Regelmäßiges Ausbalancieren
In regelmäßigen Abständen wird der Index rebalanciert, also auf Gleichgewichtung zurückgesetzt. Aktien, die stark gestiegen sind, werden automatisch etwas reduziert, während günstigere Titel aufgestockt werden — eine Art eingebauter antizyklischer Mechanismus. Das Klumpenrisiko durch wenige dominante Tech-Werte wird so deutlich verringert, und die Diversifikation über Sektoren und Unternehmensgrößen hinweg steigt erheblich.
Zu sehen ist das aktuell auch an der Performance. Während der „normale“ S & P 500 seit Jahresbeginn ein Plus von 0,6 Prozent geschafft hat, stieg der gleichgewichtete S & P 500 im selben Zeitraum um 6,3 Prozent. Das haben inzwischen etliche Anleger erkannt: In den USA flossen dem Invesco S & P 500 Equal Weight allein im Januar vier Milliarden Dollar zu — ein bemerkenswerter Umschwung, gab es doch 2025 noch Netto-Abflüsse. Auch in Europa steigt die Nachfrage: Der Xtrackers S & P 500 Equal Weight hat ein Fondsvolumen von neun Milliarden Euro erreicht und gehört in Sachen Zuflüsse seit Jahresbeginn zu den Top-10-ETFs in Europa.
Wer sich dem Trend anschließen möchte, hat in Deutschland immerhin 38 ETFs zur Auswahl, die den Faktor Equal Weight beherzigen. 25 davon haben ein Volumen von mehr als 70 Millionen Euro — was das Risiko, dass ein Produkt wegen mangelnden Zuspruchs vorzeitig geschlossen wird, reduziert. Von diesen 25 sind gleich 13 mit dabei, die sich des amerikanischen S & P 500 annehmen. Unser Favorit ist der Xtrackers S & P 500 Equal Weight Hedged, eine Variante also, bei der das Risiko von Dollarverlusten abgesichert wird — was im Moment durchaus Sinn ergibt, tendiert der Greenback doch zu Schwäche.
Wer sich lieber auf einen ETF mit globalem Fokus konzentrieren möchte, hat zwei zur Auswahl: den VanEck World Equal Weight sowie den Invesco MSCI World Equal Weight. Ein wesentlicher Unterschied dieser beiden Welt-ETFs ist die Gewichtung des Technologiesektors. Während dieser beim VanEck-ETF mit 22,6 Prozent aktuell noch relativ groß ist, ist er beim Invesco-ETF mit nur 12,4 Prozent vergleichsweise klein. Gemeinsam ist beiden ein relativ großer USA-Anteil mit ungefähr einem Drittel des ETFs. Hier kommt es also auf die persönlichen Präferenzen an: Wie viel Tech will man noch mit dabei haben — wie viel nicht? Eine weitere Variante eines ETFs mit globalem Fokus ist der iShares MSCI World MidCap, der sich auf Unternehmen mit mittlerer Marktkapitalisierung konzentriert und mit einem Tech-Anteil von lediglich 10,5 Prozent den geringsten prozentualen Anteil aller Welt-ETFs mit Equal-Weight-Ansatz aufweist.
Ein wichtiger Unterschied, auf den Anleger achten sollten, ist die Häufigkeit des Rebalancing. Denn das variiert erheblich: Der Xtrackers- und der Invesco-ETF werden vierteljährlich angepasst, der iShares MSCI World MidCap halbjährlich. Beim VanEck-ETF ist dies indes nur einmal im Jahr der Fall. Ein gravierender Nachteil, da sich so zwischen den Terminen eine Schieflage aufbauen kann und der Equal-Weight-Effekt verwässert wird. Erfreulich: Trotz der cleveren Konstruktion sind die ETFs allesamt günstig zu haben. Die Gesamtkostenquote liegt zwischen 0,2 und 0,3 Prozent, ein Niveau, das mit klassischen ETFs vergleichbar ist.
Fazit
Equal Weight mag kein Allheilmittel sein — aber es ist ein wirksames und erschwingliches Mittel gegen das Klumpenrisiko. Wer sein Portfolio breiter aufstellen will, ohne dabei selbst aktiv umschichten zu müssen, findet in diesen ETFs eine überzeugende Lösung.
Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Heftausgabe von BÖRSE ONLINE (11/2026)
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