Viele Goldanleger zeigen sich derzeit enttäuscht. Trotz anhaltender Inflationssorgen, geopolitischer Spannungen und hoher Staatsverschuldung tendiert der Goldpreis seit Wochen lediglich seitwärts. Der Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank sieht jedoch keinen Grund zur Sorge.
Aus Sicht von Fritsch wird der Goldmarkt derzeit vor allem von den Entwicklungen an den Zinsmärkten belastet. Die zuletzt gestiegene Inflation hat die Erwartung verstärkt, dass die US-Notenbank Federal Reserve ihre Geldpolitik länger straff halten oder die Zinsen sogar noch einmal anheben könnte. Für Gold ist dies in der Regel kein günstiges Umfeld. Steigende Zinsen erhöhen die Attraktivität festverzinslicher Anlagen und verteuern zugleich die Opportunitätskosten (-> Zinsverzicht) einer Goldanlage. Da Gold keine laufenden Erträge abwirft, bevorzugen viele Investoren in solchen Phasen verzinsliche Wertpapiere. Gleichzeitig sorgte die Aussicht auf höhere Zinsen für einen festeren Dollar, was den Goldpreis zusätzlich belastet hat.
Hinzu kommt die Einschätzung vieler Marktteilnehmer, dass die geopolitischen Risiken im Nahen Osten bislang nicht zu einer nachhaltigen Ausweitung der Krise geführt haben. Dadurch blieb die Nachfrage nach klassischen Krisenanlagen hinter den Erwartungen zurück. Die Folge: Gold konnte von den Inflationsängsten bislang deutlich weniger profitieren, als zahlreiche Anleger erwartet hatten.
Commerzbank bleibt für Gold und Silber optimistisch
Trotz dieser Belastungsfaktoren erwartet Fritsch mittelfristig wieder steigende Edelmetallpreise. Allerdings hat die Commerzbank ihre Prognose für den Goldpreis zum Jahresende 2026 etwas reduziert. Statt der bislang erwarteten 5.000 Dollar je Feinunze rechnet die Bank nun mit einem Kurs von 4.800 Dollar.
Die Anpassung bedeutet jedoch keineswegs eine grundsätzliche Neubewertung des Marktes. Vielmehr geht die Commerzbank davon aus, dass sich die derzeitige Konsolidierungsphase etwas länger hinziehen könnte als ursprünglich angenommen. Die strukturellen Treiber des Goldmarktes seien weiterhin intakt. Dazu zählen insbesondere die hohe Staatsverschuldung vieler Industrieländer, die anhaltenden Goldkäufe zahlreicher Zentralbanken sowie zunehmende Zweifel an der langfristigen Stabilität des Dollars als globale Reservewährung.
Auch für Silber bleibt die Commerzbank zuversichtlich. Zwar leidet das Edelmetall aktuell unter einer schwächeren Industrienachfrage und einer eingetrübten Weltkonjunktur. Dennoch erwartet Fritsch bis zum Jahresende 2026 einen Silberpreis von 80 Dollar. Unterstützt wird diese Einschätzung unter anderem durch das weiterhin knappe Angebot und die langfristig hohe Bedeutung von Silber für Zukunftsbranchen wie Solarenergie, Elektronik und Digitalisierung.
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Bei Goldinvestoren ist Geduld gefragt
Wer auf eine schnelle Fortsetzung der Goldrally gesetzt hat, benötigt derzeit möglicherweise etwas Geduld. Die Commerzbank sieht die jüngste Schwächephase vor allem als Folge höherer Zinserwartungen und eines starken Dollars. An den langfristigen Aussichten für Edelmetalle habe sich aus Sicht von Carsten Fritsch jedoch wenig geändert.
Fazit: Bemerkenswert ist vor allem der Blick über das laufende Jahr hinaus. Für Ende 2027 erwartet die Commerzbank einen Goldpreis von 5.200 Dollar. Silber soll im gleichen Zeitraum auf 90 Dollar steigen. Damit signalisiert die Bank, dass sie die aktuelle Konsolidierung nicht als Ende des Edelmetall-Bullenmarktes betrachtet, sondern vielmehr als Zwischenstation auf dem Weg zu langfristig höheren Kursen.
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