Die industrielle Nachfrage gilt seit Jahren als einer der wichtigsten Kurstreiber für Silber. Derzeit achten Anleger vor allem auf die Signale aus der Realwirtschaft. Und diese fallen aktuell nicht sonderlich positiv aus.
Mehrere Analysten warnen inzwischen vor einer Abschwächung wichtiger Nachfragebereiche. Die Sorge: Sollte die Industrie weniger Silber benötigen, könnte dies den Silberpreis belasten. Für erhöhte Aufmerksamkeit sorgte zuletzt eine Analyse von BMO Capital Markets. Die Rohstoffexperten verweisen auf eine nachlassende Wirtschaftsdynamik in China, dem weltweit wichtigsten Markt für zahlreiche Zukunftstechnologien. Zwar habe die Energiekrise infolge der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten das Interesse an alternativen Energiequellen erneut angefacht. Gleichzeitig deuten aktuelle Daten jedoch darauf hin, dass sich das Wachstum in einem für den Silbermarkt besonders wichtigen Industriesegment verlangsamt – dem Photovoltaiksektor.
Nach Einschätzung der Analysten könnten die jüngsten Negativtendenzen in China die positiven Effekte der globalen Energiewende teilweise überlagern. Während Themen wie Elektromobilität und saubere Energietechnologien weiterhin hohe Aufmerksamkeit genießen, zeigen die Zahlen bei neu installierten PV-Anlagen eine weniger dynamische Entwicklung als noch im Vorjahr. Für den Silbermarkt ist dies deshalb relevant, weil die Industrienachfrage inzwischen für 57 Prozent der weltweiten Gesamtnachfrage verantwortlich ist.
Warnsignale kommen nicht überraschend
Die Warnung von BMO kommt allerdings nicht aus heiterem Himmel. Bereits seit geraumer Zeit weisen die Experten des Analysehauses Metals Focus auf eine mögliche Abschwächung der Silbernachfrage aus der Solarindustrie hin. Hintergrund sind technologische Fortschritte, die den Silberverbrauch pro Solarzelle reduzieren. Zudem arbeiten Hersteller verstärkt an Alternativen, um die Kosten zu senken.
Nach Schätzungen von Metals Focus könnte die Silbernachfrage der Photovoltaikbranche im laufenden Jahr um 19 Prozent zurückgehen (2025: minus 9 Prozent). Für den Gesamtmarkt relativiert sich dieses Minus jedoch auf zwei Prozent. In anderen Industriebereichen wächst die Nachfrage indes weiterhin, allen voran im Bereich Barren & Münzen (plus 18 Prozent). Von einem Kollaps der industriellen Silberverwendung kann daher keine Rede sein.
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Anleger bleiben ein wichtiger Faktor
Für Investoren stellt sich daher die Frage, ob eine schwächere Industrienachfrage tatsächlich zu einem größeren Problem werden wird. Die Antwort dürfte maßgeblich davon abhängen, wie sich die Investmentnachfrage entwickelt. Silber ist nicht nur Industriemetall, sondern zugleich monetäres Edelmetall. In Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit oder steigender Goldpreise rückt es häufig verstärkt in den Fokus der Anleger.
Genau dieses Szenario könnte sich erneut ergeben. Sollte Gold seinen langfristigen Aufwärtstrend fortsetzen und neue Höchststände erreichen, dürften viele Investoren nach günstigeren Alternativen Ausschau halten. Silber wird in solchen Marktphasen häufig als „Gold des kleinen Mannes“ betrachtet und profitiert meist in gehebelter Form von einer Goldrallye.
Hinzu kommt, dass sich Silber in diesem Jahr bislang besser entwickelt hat als Gold. Sowohl seit dem Jahreswechsel (plus 2,5 Prozentpunkte) als auch auf Sicht der vergangenen zwölf Monate (plus 87 Prozentpunkte) erzielte das Weißmetall eine Outperformance gegenüber Gold. Dies zeigt, dass Anleger dem Markt trotz der aktuellen Diskussionen weiterhin erhebliches Potenzial zutrauen.
Fazit: Die jüngsten Warnungen zur industriellen Nachfrage sollten zwar aufmerksam verfolgt werden. Sie liefern jedoch bislang keine ausreichenden Argumente für einen grundsätzlichen Stimmungsumschwung am Silbermarkt. Entscheidend wird sein, ob die Investmentnachfrage stark genug bleibt, um mögliche Schwächen einzelner Industriesektoren auszugleichen.
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