Sorgen um ein geringes Angebot aufgrund des Kriegs im Iran schieben den Preis für das vielfältig verwendbare Leichtmetall an. Und ein Ende der Preisspirale scheint noch nicht in Sicht.
Auf den Preisen aller Industriemetalle lastet zum einen die Gefahr einer deutlichen wirtschaftlichen Verlangsamung, zum anderen treibt die Sorge vor einer Angebotsverknappung einzelne Metallpreise. Bei Letzterem sticht zweifelsohne Aluminium heraus. Der Preis für das Leichtmetall kletterte zuletzt auf gut 3.600 US-Dollar je Tonne. Das ist der höchste Stand seit Ende März 2022, kurz nach Beginn des Ukrainekriegs.
Ursache für die jüngste Preisspitze sind Angebotssorgen aufgrund der Sperrung der Straße von Hormus. Die Golfregion steht für rund acht Prozent der weltweiten Aluminiumproduktion. Die Region kombiniert günstige Energie mit ausgefeilter Logistik. Bauxit, der Grundstoff für die Herstellung, wird aus Ländern wie Australien oder Guinea in die Region verschifft, zu Tonerde verarbeitet und zu Primäraluminium eingeschmolzen. Diese Kombination ist seit der Sperrung der Meerenge gelinde gesagt gestört.
Noch zu Beginn des Konflikts drehten sich die Sorgen hauptsächlich um die Logistik, da das in der Golfregion produzierte Aluminium nicht durch die Straße von Hormus verschifft werden konnte. Aktuell werden aber bereits langfristige Ausfälle bei der Produktion befürchtet. Aufgrund des Konflikts haben zwei große Hersteller mit einer Kapazität von rund 3,2 Millionen Tonnen pro Jahr, was mehr als der Hälfte der Jahresproduktion der gesamten Region entspricht, ihre Produktion heruntergefahren. Und das Wiederhochfahren der Anlagen ist langwierig. Die Unterbrechung könnte dazu führen, dass selbst nach einer Öffnung des Seewegs das Angebot eingeschränkt bleibt. Die Produktion die jetzt ausfällt, wird nur schwer aufzuholen sein.
Top von 2022 noch nicht erreicht
Ein längerfristiger Ausfall würde den Aluminiumpreis weiter schieben. In einer Modellrechnung zeigen die Rohstoffanalysten der Commerzbank wie sich der Preis in den kommenden Monaten entwickeln könnte, sollte die Straße von Hormus bis Ende Mai blockiert sein. Temporär könnte Aluminium auf fast 4.000 Dollar je Tonne steigen. Im März 2022 notierte es beim Rekordhoch von 4.073 Dollar. Auch die Analysten von Goldman Sachs rechnen im zweiten Quartal mit einem deutlichen Preisanstieg bei Aluminium.
Sehr spekulative Anleger können mit einem gehebelten ETC mitverdienen. Steigt der zugrunde liegende Bloomberg-Aluminium-Index im Laufe eines Tages um ein Prozent, dann steigt das ETC um zwei Prozent. Weil der Hebel auch auf rückläufige Notierungen wirkt, sollten Anleger das Investment regelmäßig prüfen. Mit dem Aluminium-ETC, der die Future-Preise von Aluminium an der Londoner Metallbörse abbildet, sind Anleger eins zu eins bei der Preisentwicklung dabei.
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