Trotz der eskalierenden geopolitischen Spannungen im Nahen Osten zeigt sich der Goldpreis derzeit relativ schwach. Ein Branchen-Insider nennt die Gründe für die enttäuschende Entwicklung und äußert sich zu den weiteren Perspektiven der Krisenwährung.
Anstatt von der Unsicherheit zu profitieren, tendierte das gelbe Edelmetall seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs sogar leicht nach unten. Für viele Marktbeobachter ist das ungewöhnlich, denn traditionell gilt Gold als sicherer Hafen in Krisenzeiten. Doch die aktuelle Entwicklung deutet darauf hin, dass andere Faktoren den Markt dominieren – zumindest kurzfristig.
Relative Schwäche von Gold temporär
Ein wichtiger Branchenvertreter bleibt dennoch optimistisch. Randy Smallwood, CEO von Wheaton Precious Metals, sieht Gold langfristig klar im Aufwärtstrend. Seiner Einschätzung nach befinden sich die Märkte aktuell in einer Übergangsphase, in der kurzfristige Liquiditätsbedürfnisse und Kapitalumschichtungen den Preis drücken. Gleichzeitig verweist er darauf, dass strukturelle Faktoren wie steigende Staatsverschuldung, anhaltende Inflationstendenzen und geopolitische Unsicherheiten weiterhin ein starkes Fundament für höhere Goldpreise bilden. Besonders die zunehmende Skepsis gegenüber Fiat-Währungen und die Rolle von Gold als Wertspeicher sprechen aus seiner Sicht für ein langfristig bullisches Szenario.
Smallwood betont zudem, dass institutionelle Investoren und Zentralbanken weiterhin Interesse an Gold zeigen. Gerade in einer Welt, in der geopolitische Machtverschiebungen und wirtschaftliche Unsicherheiten zunehmen, dürfte Gold als strategische Reserve an Bedeutung gewinnen. Kurzfristige Rücksetzer seien daher eher als technische Korrekturen zu verstehen und weniger als Trendbruch.
US-Politik unbedingt im Auge behalten
Einen weiteren interessanten Blickwinkel liefert die aktuelle Analyse von Myrmikan Research vom 13. März 2026. Darin wird insbesondere die Rolle von Donald Trump als zentraler Einflussfaktor für die Goldpreisentwicklung hervorgehoben. Die Studie argumentiert, dass die geopolitische Strategie der USA – insbesondere im Kontext des Iran-Konflikts – entscheidend für die weitere Richtung des Goldmarktes sei.
Die Kernaussage: Der Goldpreis reagiere derzeit weniger auf geopolitische Risiken als vielmehr auf Liquiditätsbedingungen und makroökonomische Entwicklungen. Gleichzeitig wird betont, dass der eigentliche Bullenmarkt bei Gold bereits durch die Politisierung von Währungsreserven und das schwindende Vertrauen in den Dollar angestoßen wurde. Besonders spannend ist die Einschätzung, dass der weitere Verlauf stark vom Erfolg oder Scheitern der Geopolitik unter Trump abhängt. Sollte es den USA gelingen, ihre Position in der Welt zu stärken und den Dollar als dominierende Reservewährung zu stabilisieren, könnte dies den Goldpreis kurzfristig bremsen. Sollte Trump damit scheitern oder der Krieg im Nahen weiter eskalieren, seien deutlich höhere Goldpreise wahrscheinlich. In extremen Szenarien – etwa bei einer massiven Energiekrise oder einem Vertrauensverlust in das globale Finanzsystem – könnte Gold sogar weit über bisherige Höchststände hinaus ansteigen.
Grundsätzlich weist die Analyse darauf hin, dass steigende Staatsverschuldung und mögliche geldpolitische Lockerungen langfristig inflationsfördernd wirken könnten. In einem solchen Umfeld gewinnt Gold traditionell an Attraktivität. Gleichzeitig könnte eine Schwächung des Dollars den Aufwärtsdruck auf den Goldpreis weiter verstärken.
Fazit: Während Gold kurzfristig schwächelt, sprechen viele strukturelle Faktoren weiterhin für steigende Preise. Branchen-Insider wie Randy Smallwood bleiben daher optimistisch. Entscheidend wird sein, wie sich die globale Politik – insbesondere unter dem Einfluss der USA – entwickelt und ob sich die aktuellen Liquiditätsprobleme wieder entspannen. Für Anleger bleibt Gold auf lange Sicht ein wichtiges Asset mit erheblichem Aufwärtspotenzial.
Häufige Fragen zu Gold
Was sind die größten Vorteile von Gold?
In physischer Form besitzt Gold kein Kontrahentenrisiko und gilt seit Generationen als wirksamer Krisen-, Vermögens- und Inflationsschutz. Im Gegensatz zu den beiden wichtigsten Anlageklassen Aktien und Anleihen kann man mit Goldmünzen und -barren sowie bestimmten Gold-ETCs nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfreie Kursgewinne realisieren.
Und was spricht möglicherweise gegen Gold?
Gold zahlt weder Zinsen noch Dividenden und kann lediglich durch eine wachsende Wertschätzung Renditen erzielen. Außerdem fallen bei sicherer Verwahrung von physischem Gold Lagerkosten an.
Sind bei allen in Deutschland handelbaren Gold-ETCs realisierte Kursgewinne nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei?
Nur, wenn deren Konstruktion ein physisches Hinterlegen des Goldes vorsieht und ein Lieferanspruch besteht. Vor dem Kauf unbedingt beim Emittenten des Papiers informieren.
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