Das Unternehmen Strategy hält fast vier Prozent aller Bitcoin angeblich, um sie für immer zu halten. Doch nach dem jüngsten Quartalsverlust stellt Strategy-Chef Michael Saylor diese Aussage plötzlich in Frage. Wird Strategy zum Kursrisiko für Bitcoin? Das müssen Privatanleger wissen.
Dass die Krypto-Community bei Verkuafs-Meldungen rund um Strategy sofort nervös wird, hat einen simplen Grund: Kaum ein anderes börsennotiertes Unternehmen ist so eng mit dem Bitcoin-Kurs verdrahtet. Im ersten Quartal meldete Strategy am Dienstag einen Nettoverlust von 12,54 Milliarden US-Dollar – ausgelöst durch den Kursrückgang beim Bitcoin von rund 87.000 auf 68.000 Dollar im Quartal, der Strategys Bestand von 818.334 BTC bilanziell entwertete.
Wichtig dabei: Es geht noch nicht um realisierte Verluste, sondern um Bewertungseffekte. Trotzdem stellt sich zunehmend die Frage: Muss auch Strategy irgendwann Bitcoin verkaufen – und wenn ja, wie viel?
„Never Sell“-Versprechen bekommt Risse
Der eigentliche Auslöser der aktuellen Debatte ist der Tonfall, den Strategy-Chef Michael Saylor anlässlich der Quartalszahlen anschlug. Saylor deutete an, dass das Management erstmals taktische Verkäufe kleinerer Bitcoin-Mengen in Erwägung gezogen habe. Grund sind offenbar die Dividendenverpflichtungen für Vorzugsaktien, die Strategy ausgegeben hat, im Umfang von rund 1,5 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Außerdem könnte das Unternehmen durch Verlustrealisierungen womöglich Steuervorteile heben.
Was ein Verkauf für den Bitcoin heißt
Was aber passiert, wenn Strategy wirklich anfangen sollte, Bitcoin zu verkaufen? Immerhin hält das Unternehmen inzwischen fast vier Prozent aller Bitcoin. In so einer Größenordnung wäre der „einmalige“ Verkauf nicht das größte Risiko, sondern die Erwartung, dass ein bislang als reiner Bitcoin-Verwahrer („Treasurer“) gesehener Akteur im Markt zum aktiven Verkäufer werden könnte.
Klar ist, dass Strategy a) nur einen einstelligen Bruchteil seiner Bestände verkaufen dürfte und b) diese Verkäufe über einen sehr langen Zeitraum strecken müsste, um den Kurs nicht direkt kollabieren zu lassen. Denn obwohl der Kryptomarkt mittlerweile sehr viel liquider ist als früher, könnte er selbst ein Zehntel dieses Angebotsvolumens wohl kaum ohne Verwerfungen aufnehmen.
Ein behutsames Vorgehen dürfte auch im Interesse von Strategy selbst sein: Denn würde der Bitcoin aufgrund der Verkäufe fallen, würde das in der Strategy-Bilanz zusätzlichen Abwertungsdruck auslösen – und eine Negativspirale aus weiteren Verkäufen, noch mehr Verkaufsangst und weiterem Liquiditätsdruck auslösen.
Worauf Privatanleger reagieren können
Strategy ist eine Art „Stimmungsbarometer“ für Bitcoin – aber kein Orakel. Beim Blick auf die eigene Wallet helfen drei Überlegungen:
Buchverlust: Schlagzeilen über Milliardenverluste bedeuten nicht automatisch einen baldigen Abverkauf von Bitcoin am Spot-Markt. Erst wenn der Markt wirklich damit rechnet, wird es ernst.
Tonfall: Der Markt reagiert sensibel alle Aussagen zu Dividendenzahlungen, Cash-Reserven und „taktischen Verkäufen“. Diese sidn aktuell wichtiger als der Quartalsgewinn.
Volatilität bietet Anelegrn auch Chancen: Wer vorhat, demnächst Bitcoin aufzustocken, kann womöglich von der Gerüchteküche profitieren – und mit geschickten Kauflimits bei Kurs-Ausschlägen nach unten „abfischen“. Denn die Nervosität im Markt steigt – und mit ihr die Volatilität.
Fazit
Die Frage ist nicht, ob Strategy verkaufen will – sondern ob Strategy müsste. Sobald der Markt glaubt, dass wirklich Verkäufe anstehen, wird der Preis bereits fallen. Solange es aber so aussieht, dass Michael Saylor sich lediglich eine Option offenhalten wollte und die tatsächlichen Verkäufe klein bleiben, lässt sich das Thema beherrschen.
Erst wenn aus „Flexibilität“ für Strategy ein „Finanzierungsdruck“ wird, könnte das Unternehmen zu einem echten Risiko für den Kurs des Bitcoin werden.
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Häufige Fragen zum Thema
Was macht STrategy?
Strategy Inc (ehemals MicroStrategy) war ist ursprünglich ein Softwareunternehemn, das vor einigen Jahren begonnen hat, masiv Bitcoin zu kaufen und auf seine Bilanz zu nehmen. Seitdem akkumuliert es massiv Bitcoin, mittlerweile vorzugsweise finanziert durch Vorzugsaktien, Kredite und Wandelanleihen. Parallel dazu entwickelt der Softare-Teil ein KI-gestützte Business-Intelligence-Software für Datenanalysen.
Wer ist Michael Saylor?
Michael Saylor hat Strategy gegründt und lange Zeit als CEO geführt. Unter Saylor wurde Strategy seit 2020 zum größten Bitcoin-Halter weltweit. Er gilt als einer der weltweit bekanntesten Bitcoin-Befürworter und wird auch als (Bitcoin-Maximalist" bezeichnet. Saylor propagiert Bitcoin als digitalen Wertspeicher.
Warum gibt es Kritik an Strategy?
Die Kritik an der Bitcoin-Strategie von Strategy konzentriert sich auf das hohe Risiko durch eine massive Fremdfinanzierung. Vorzugsaktien mit hohen Dividenden von 11,5 Prozent und das Modell der kontinuierlichen Aktienverwässerung wiesen Ähnlichkeit mt einem Schneeballsystem auf, monieren Kritiker wie Peter Schiff. Denn aufgrund seiner Finanzierungsstruktur sei Strategy auf ewig steigende Bitcoin-Kurse angewiesen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor und der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, sind unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.