Trotz des jüngsten, eher heftigen Rücksetzers und Preisen unter 5000 Dollar lebt die Gold-Euphorie am Terminmarkt weiter: Trader setzen mit Optionsstrategien schon wieder auf extrem hohe Preise bis Jahresende. Was dahintersteckt.
Nach der jüngsten, historischen Korrektur hätte der Goldmarkt eigentlich erst einmal abkühlen können. Doch stattdessen gehen einige Marktteilnehmer in die Offensive, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg meldet: Sie hat an der Warenterminbörse Comex Kaufoptions-Spreads mit Laufzeit Dezember entdeckt, die auf Goldpreise zwischen 15.000 und 20.000 US-Dollar je Feinunze abgeschlossen wurden.
Die Gold-Futures in New York haben Ende Januar ein Rekordhoch von über 5.600 US-Dollar je Feinunze markiert– und am Tag danach einen außergewöhnlich starken Einbruch erlebt, der den Preis bis auf gut 4.700 Dollar nach unten trieb. Das tat der Spekulation aber offenbar keinen Abbruch – im Gegenteil. Laut Bloomberg wuchs die Position weiter auf rund 11.000 Kontrakte.
Wetten auf eine Verdreifachung
Zwar gibt es weiterhin gute Gründe für steigende Goldpreise, allen voran die geopolitischen Spannungen, Fragen zur Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed und eine Umschichtung weg vom US-Dollar und US-Staatsanleihen profitieren. Damit jedoch die nun zu beobachtenden Optionswetten „im Geld“ landen, müsste der Goldpreis bis Jahresende nahezu auf das Dreifache steigen. Wie soll das gehen?
Was sich die Trader versprechen
Die Strategie der Trader folgt einer anderen Logik: Sie müssen den Zielpreis gar nicht erreichen. Vielmehr gelten Optionen „out oft the money“ als die günstigere Art, auf einen erneuten Preisschub zu setzen, als mit einzelnen, stark bullischen Kontrakte zu kaufen. Allerdings begrenzt diese Casino-Strategie auch die maximalen Gewinne.
Wie der Kapitalmarkt-Stratege Aakash Doshi von State Street auf Bloomberg erklärt, könnten Händler einfach den Spread verkaufen, wenn sie kurzfristig eine „heftige Bewegung nach oben“ erwarten, ohne dass der Zeitwert bis Dezember stark wegschmelze.
Allerdings reagiert der Optionsmarkt bereits auf das Ungleichgewicht – und war recht nervös: Die wachsende Zahl spekulativer Trades hob die implizite Volatilität für weit aus dem Geld liegende Aufwärtswetten, was sie teuer macht. Gleichzeitig wurden viele andere Optionen relativ günstiger.
Volatilität ist der Schlüssel
Doshi verweist darauf, dass diese sogenannte Call-Schieflage – als Aufpreis für Wetten auf steigende statt auf fallende Preise – im Februar über mehrere Laufzeiten hinweg teilweise zu schlagartigen zu Preisanpassungen führte. Die realisierte Schwankungsintensität blieb jedoch hoch – was Potenzial für große „Lückenbewegungen“ schaffe, so wie am 30. Januar, als der Comex-Gold-Future an einem Tag um 11 Prozent fiel.
Der Knackunkt an der Strategie
Die „Long-Shot“-Wetten sind ein spannendes Stimmungsbarometer: Sie zeigen, dass die Fantasie am Markt trotz Rücksetzern immer noch sehr groß ist. Die extrem spektakulären Kurswetten von 15.000 oder gar 20.000 US-Dollar sind jedoch sprichwörtlich „Moonshots“, die allein dem Ziel dienen, große Hebel auszulösen. Die entscheidende Frage ist, wie viele Marktteilenehmer überhaupt bereit sind, die Gegenposition zu solchen Geschäften einzugehen – oder den Spekulanten später ihre Optionen „im Geld“ zu für viel Geld abzukaufen.
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