Ausgelöst durch einen stärkeren US-Dollar, steigende Anleiherenditen und Turbulenzen an den Aktienmärkten hat der Goldpreis zuletzt deutlich korrigiert. Anleger fragen sich daher, wohin die Reise der Krisenwährung nun gehen wird.
Nachdem es mit dem Goldpreis in den vergangenen Jahren ohne größere Rückschläge sukzessive bergauf gegangen ist, herrscht mittlerweile auch beim „sicheren Hafen Gold“ ein hohes Maß an Verunsicherung. Lag der CBOE-Goldvolatilitätsindex vor zwölf Monaten noch unter 17 Prozent, nähert er sich mit fast 39 Prozent seinem Ende Januar markierten Mehrjahreshoch von 46 Prozent an. Obwohl das gelbe Edelmetall vor fünf Wochen innerhalb von zwei Handelstagen einen Einbruch von über 20 Prozent erlitten hatte, haben „Schnäppchenjäger“ den Preis wieder relativ schnell in Richtung Allzeithoch getrieben. Dies bedeutet: Bei Goldinvestments besteht aktuell ein höher als gewohntes Timingrisiko, so dass Goldkäufer ein robustes Nervenkostüm benötigen.
Kurzfristige Faktoren belasten – strukturelle Treiber bleiben
Der jüngste Rückgang am Goldmarkt ist vor allem durch kurzfristige Marktmechanismen erklärbar. In Phasen erhöhter Unsicherheit an den Aktienmärkten kommt es häufig zu sogenannten Portfolio-Bereinigungen. Anleger müssen Positionen liquidieren, um Verluste oder Margin Calls in anderen Teilen ihres Depots auszugleichen. Solche Verkäufe betreffen oft auch Gold, selbst wenn die langfristigen Argumente unverändert bleiben.
Dieses Phänomen war in diesem Jahr an den Terminmärkten zu beobachten. Ein Blick auf die Positionierung institutioneller Investoren unterstreicht diese Einschätzung. Die Netto-Long-Positionen (Optimismus überwiegt) großer und kleiner Terminspekulanten haben sich in den vergangenen Wochen deutlich reduziert, was vor allem auf das massive Anheben der Margins (Sicherheitsleistungen) durch die Terminbörsenbetreiber zurückzuführen war.
Fundamental bleibt der Hintergrund für Gold aber weiterhin stabil. Geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und zunehmende Unsicherheit über die Stabilität des globalen Finanzsystems sprechen weiterhin für Gold. Gleichzeitig erhöhen steigende Energiepreise infolge geopolitischer Konflikte die Inflationsrisiken – ein Umfeld, in dem Gold traditionell als Absicherungsinstrument gefragt ist.
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Zinsen und Dollar kein nachhaltiger Gegenwind
Ein häufiges Argument gegen Gold sind steigende Zinsen. Gemäß der Kapitalmarktlehre stellen höhere Renditen grundsätzlich einen Gegenwind dar, weil Gold selbst keine laufenden Erträge generiert. Doch dieser Zusammenhang greift zu kurz. In vielen Industriestaaten steigen die Schuldenberge rapide, während Haushaltsdefizite neue Rekordniveaus erreichen. Höhere Zinsen spiegeln daher nicht unbedingt ein geringeres Risiko wider. Im Gegenteil: Sie können vielmehr die zunehmende Fragilität staatlicher Finanzen verdeutlichen. Gerade deshalb verlieren Staatsanleihen für viele Anleger zunehmend ihre Rolle als verlässlicher sicherer Hafen. Gold besitzt hingegen kein Kontrahentenrisiko und bleibt damit ein wirksamer Stabilitätsanker im Portfolio.
Auch die aktuelle Stärke des Dollars dürfte sich langfristig als temporär erweisen. Geopolitische Spannungen, wachsende fiskalische Probleme und zunehmende Zweifel an der wirtschaftspolitischen Stabilität der USA könnten das Vertrauen in die Leitwährung langfristig belasten. Sollte der Dollar mittelfristig wieder schwächer tendieren, würde dies dem Goldpreis zusätzlichen Rückenwind verleihen.
Bemerkenswert ist zudem, wie schnell nach dem jüngsten Rücksetzer wieder Käufer in den Markt zurückkehrten. Diese sogenannten Dip-Buyer stabilisieren den Goldmarkt regelmäßig und verhindern, dass kurzfristige Korrekturen in nachhaltige Abwärtstrends übergehen. Langfristig könnte der Rücksetzer daher eher eine Einstiegschance darstellen. Neben physischem Gold rücken dabei auch Goldminenaktien wieder stärker in den Fokus. Minengesellschaften profitieren in der Regel überproportional von steigenden Goldpreisen, da höhere Preise direkt auf ihre Margen wirken. Solche Investments erfordern aber viel Mut und Risikobereitschaft.
Fazit: Wer von Gold weiterhin überzeugt ist, kann beispielsweise über ETCs wie Xetra-Gold direkt an der Goldpreisentwicklung partizipieren oder über ETFs auf den NYSE Arca Gold BUGS Index indirekt und in gehebelter Form von einem steigenden Goldpreis profitieren.
Häufige Fragen zu Gold
Was sind die größten Vorteile von Gold?
In physischer Form besitzt Gold kein Kontrahentenrisiko und gilt seit Generationen als wirksamer Krisen-, Vermögens- und Inflationsschutz. Im Gegensatz zu den beiden wichtigsten Anlageklassen Aktien und Anleihen kann man mit Goldmünzen und -barren sowie bestimmten Gold-ETCs nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfreie Kursgewinne realisieren.
Und was spricht möglicherweise gegen Gold?
Gold zahlt weder Zinsen noch Dividenden und kann lediglich durch eine wachsende Wertschätzung Renditen erzielen. Außerdem fallen bei sicherer Verwahrung von physischem Gold Lagerkosten an.
Sind bei allen in Deutschland handelbaren Gold-ETCs realisierte Kursgewinne nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei?
Nur, wenn deren Konstruktion ein physisches Hinterlegen des Goldes vorsieht und ein Lieferanspruch besteht. Vor dem Kauf unbedingt beim Emittenten des Papiers informieren.
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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Xetra-Gold.