Die Europäische Zentralbank lässt den Leitzins im Euroraum unverändert. Das teilte die EZB am Mittag in Frankfurt mit. Die Pressekonferenz von EZB-Chefin Christine Lagarde um 14:45 Uhr wird zeigen, wie lange das so bleibt –Volkswirte rechnen mit einer Erhöhung im Juni.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins wie erwartet unverändert gelassen. Wie die EZB am Mittag in Frankfurt mitteilte, bleibt es bei einem Einlagenzins von 2,00 Prozent und dem Hauptrefinanzierungssatz von 2,15 Prozent.

Der Dax reagieret nur mit einem kleinen Ausschlag nach oben auf die Meldung und notiert gegenüber Mittwoch jetzt rund ein Prozent im Plus bei 24.200 Punkten. Die Akteure an der Börse hatten sich bereits darauf eingestellt. Am Devisenmarkt gab der Dollar ein paar Hundertstel ab und fiel von  1,172 in Richtung 1,170 Dollar für einen Euro.

dIm Vorfeld hatten sich die Stimmen gemehrt, die vor baldigen Zinserhöhungen warnen. Denn die Inflation im Euroraum ist zuletzt stark gestiegen, wie Zahlen von Eurostat für den April zeigen. Demnach legte die Inflationsrate gegenüber dem März von 2,6 auf 3,0 Prozent zu. Dafür waren größtenteils die in Folge des Irankriegs weiter steigenden Benzin-, Öl- und Gaspreise verantwortlich. Die Kerninflation ohne Energie, Nahrungs- und Genussmittel sank dagegen auf 2,2 Prozent. Das führen die Volkswirte der Commerzbank allerdings auch auf Sondereffekte im Zusammenhang mit dem letzten Erhebungszeitpunkt zurück, der unmittelbar vor Ostern lag. Ohne diesen Sondereffekt hätten sich vermutlich die ersten preistreibenden Effekte des Irankriegs auf die Kerninflation gezeigt, so die Commerzbank.

Höhere Energiepreise lassen Inflationsrate nach oben springen

Deshalb warnte Commerz-Bank Volkswirt Erik Liem in einem Kommentar vom Donnerstagmorgen seine Leser: „Im Juni steht eine Zinserhöhung im Raum.“ Im Vergleich zur Fed befinde sich die EZB in einer schwierigeren Lage, schrieb Liem. Die Ölpreisentwicklung und andere wichtige Datenpunkte wie die Einkaufsmanagerindizes rückten die „Wahrscheinlichkeitsverteilung immer weiter in Richtung ungünstigerer Szenarien.“ Mögliche Änderungen in der geldpolitischen Erklärung und Lagardes Äußerungen zu den Szenarien der EZB würden daher heute für die Märkte von entscheidender Bedeutung sein. „Nach den gestrigen Marktbewegungen sind Spekulationen über einen Emergency-Hike oder mögliche 50 Basispunkte wieder zurück“, so Liem. Das gelte besonders, nachdem die Ölpreise über Nacht schon wieder stark gestiegen seien.

Auch die EZB weist in ihrem heutigen Statement darauf hin, dass die kurzfristigen Inflationserwartungen in der Bevölkerung gestiegen seien. Diese gelten üblicherweise als Frühwarnindikator für die Geldpolitik.

Mittlerweile preise der Markt bis Juni eine vollständige Zinserhöhung und bis Jahresende 73 Basispunkte ein. „Wir rechnen heute nicht mit einer Zinserhöhung und schließen uns der Markterwartung einer Zinserhöhung im Juni an, gehen jedoch davon aus, dass die EZB danach die Zinsen unverändert lassen wird, solange die Energiepreise nur begrenzt auf die Gesamtinflation durchschlagen“, so der Commerzbank-Volkswirt.

Was bedeutet die EZB-Entscheidung für meine Ersparnisse?

Mit neuen Inflationsängsten und der Erwartung steigender Leitzinsen sind auch die Sparzinsen gestiegen. Seit Ausbruch des Iran-Kriegs sind die Festgeldzinsen so stark geklettert wie seit 2023 nicht mehr, wie eine Analyse des Vergleichsportals Verivox ergab. Anlagen mit zwei Jahren Laufzeit liegen demnach im Schnitt bei 2,25 Prozent. Das seien 0,18 Prozentpunkte mehr als zu Kriegsbeginn und der höchste Stand seit Anfang 2025. Bei fünfjährigem Festgeld gebe es im Mittel 2,37 Prozent. Die Kehrseite: Die Inflation in Deutschland lag zuletzt noch höher bei 2,9 Prozent, Sparer verlieren also unterm Strich Geld.

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