Nach einer monatelangen Rally hat es eine der meistbeachteten Chip-Aktien der Welt eiskalt erwischt. Schwache Prognosen und operative Probleme sorgten für einen zweistelligen Kurseinbruch – und wecken neue Zweifel am erhofften Comeback.
Für Anleger kam der Rückschlag heftig – und für viele wohl auch überraschend. Nach einem außergewöhnlich starken Lauf in den vergangenen Monaten brach die Aktie von Intel im nachbörslichen Handel um über elf Prozent ein. Auslöser war ein enttäuschender Ausblick auf das laufende Quartal, der deutlich unter den Erwartungen des Marktes lag und eine Reihe struktureller Probleme offenlegte.
Ernüchternder Ausblick schockt Anleger
Konkret stellte das Management für das erste Quartal Erlöse von lediglich 11,7 bis 12,7 Milliarden Dollar in Aussicht. Der Mittelwert dieser Spanne blieb klar unter den Analystenschätzungen. Auch beim Ergebnis sorgte Intel für Ernüchterung: Statt eines kleinen Gewinns rechnet das Unternehmen lediglich mit einem ausgeglichenen Ergebnis je Aktie. An der Börse wurde dies als deutlicher Rückschritt gewertet – zumal viele Investoren zuletzt auf eine spürbare operative Verbesserung gesetzt hatten.
Zusätzliche Belastung kam aus der anschließenden Telefonkonferenz mit Analysten. Dort machte die Unternehmensführung deutlich, dass der Turnaround kein kurzfristiges Projekt sei. Vielmehr befinde sich der Konzern auf einem mehrjährigen Weg, der Geduld und konsequente Umsetzung erfordere. Für Anleger, die auf schnelle Fortschritte gehofft hatten, war dies ein starker Dämpfer.
Ein zentrales Problem liegt weiterhin in der eigenen Chipfertigung. Die Ausbeute in den Fabriken – also der Anteil funktionsfähiger Chips – bleibt hinter den Erwartungen zurück. Dadurch wird es schwieriger, die starke Nachfrage vollständig zu bedienen. Besonders kritisch ist die Lage bei margenstarken Serverprozessoren, bei denen zusätzliche Liefermengen erst gegen Ende des ersten Quartals verfügbar sein sollen. In den vergangenen Monaten habe Intel zudem große Teile seiner Lagerbestände aufgebraucht, was den Handlungsspielraum weiter einschränkt.
Hinzu kommt ein strategisches Dilemma: Zwar ist die Nachfrage nach Rechenzentrumschips robust, doch eine zu starke Verlagerung der Produktion würde die Versorgung des wichtigen PC-Geschäfts gefährden. Gleichzeitig könnten steigende Speicherpreise Laptops verteuern und damit die Nachfrage bremsen – ein Risiko, das im aktuellen Marktumfeld nicht zu unterschätzen ist.
Intels Comeback-Story ist komplexer als gedacht
Dabei war die Stimmung rund um die Intel-Aktie zuletzt ausgesprochen positiv. In den vergangenen Monaten hatten viele Investoren auf ein nachhaltiges Comeback gesetzt. Neue Produktgenerationen, hohe staatliche Förderzusagen sowie Beteiligungen namhafter Technologie-Konzerne hatten Fantasie entfacht. Der Titel gehörte zeitweise sogar zu den stärksten Performern im Halbleiterindex und hatte im Jahresverlauf deutlich zugelegt.
Gerade diese Vorschusslorbeeren machen den jetzigen Rückschlag so schmerzhaft. Analysten sprechen von einem klassischen Erwartungsproblem: Die Hoffnung, dass sich operative Fortschritte schneller materialisieren, sei nun jäh gebremst worden. Besonders kritisch wird bewertet, dass die Fertigungsprobleme ausgerechnet in einer Phase auftreten, in der der Konzern technologisch wieder Boden gutmachen will.
Langfristig bleibt die Herausforderung enorm. Der Jahresumsatz liegt deutlich unter früheren Rekordwerten, während Wettbewerber in wichtigen Zukunftsfeldern wie KI-fähigen Prozessoren kräftig investieren. Zwar wurden zuletzt neue Chipdesigns auf den Markt gebracht, doch der Konkurrenzdruck durch etablierte Rivalen wie zum Beispiel Nvidia, AMD oder Qualcomm und neue Anbieter bleibt hoch.
Fazit: Der Kurssturz zeigt, wie fragil das Vertrauen der Börse weiterhin ist. Der Markt honoriert Fortschritte – reagiert aber umso empfindlicher, wenn operative Schwächen sichtbar werden. Für Anleger bedeutet das: Die Comeback-Story ist nicht beendet, aber deutlich komplexer und langwieriger, als viele zuletzt angenommen hatten.
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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.