Ein Bericht des Wall Street Journal zu den Wachstumszahlen von OpenAI hat bei Investoren weltweit die Alarmglocken schrillen lassen. Selbst die Aktien von Nvidia gerieten daraufhin auf die Verkaufslisten.
Halbleiteraktien geben am Dienstag zum Teil deutlich ab. Grund ist eine Meldung des „Wall Street Journal“ zu OpenAI: Demnach hat der KI-Pionier seine eigenen User- und Umsatzziele bislang nicht erreicht. Finanzchefin Sarah Friar habe deshalb bereits in Gesprächen mit Unternehmenslernkern die Sorge geäußert, dass OpenAI seine künftigen Ausbaupläne nicht einhalten könne, wenn die Umsätze nicht schnell genug stiegen. Denn dann fehle dem Unternehmen der Cashflow, um die bereits angekündigten Investitionen zu bezahlen.
OpenAI hat nach eigenen Angaben Aufträge im Volumen von insgesamt 1,4 Billionen US-Dollar für den Ausbau seiner KI-Infrastruktur vergeben.
Aktien aller OpenAI-Partner fallen
Nach Bekanntwerden der Meldung fiel die Aktie der Softbank, mit einer Beteiligung von rund 13 Prozent einer der größten Einzelaktionäre von OpenAI, um 7,5 Prozent.
Oracle, das eine 300 Milliarden-Dollar schwere Partnerschaft über fünf Jahre mit OpenAI eingegangen ist, fiel mehr als vier Prozent. Auch Chiphersteller haben auf breiter Front nach: Die Aktien von Nvidia, Broadcom und and Advanced Micro Devices (AMD) fielen jeweils um drei bis vier Prozent, auch Qualcomm, das erst in den Wettbewerb um KI-Chips eingetreten ist, gab 3.5 Prozent ab. Um Qualcomm ranken sich seit Montag Gerüchte, dass das Unternehmen zusammen mit OpenAI einen KI-Chip für Smartphones entwickeln könnte. Noch ist unklar, ob es ich um konkrete Pläne oder nur um die Idee eines – für gewöhnlich sehr gut in der Branche vernetzten – Analysten handelt.
KI-Pionier unter genauer Beobachtung
OpenAI steht seit Wochen genau im Fokus. Das Unternehmen hat in seiner jüngsten Finanzierungsrunde mittlerweile eine Bewertung von 850 bis 880 Milliarden Dollar erreicht und will in diesem Jahr an die Börse gehen. Gleichzeitig ist OpenAI mit seinen Mega-Aufträgen ein zentraler Auftraggeber und damit Nachfrager von KI-Technik geworden.
Das WSJ war in den vergangenen Wochen bereits häufiger mit kritischen Berichten zu OpenAI aufgefallen. Am 17. April meldete die Wirtschaftszeitung, einige Aktionäre zweifelten daran, ob Gründer Sam Altman der richtige CEO sei, um OpenAI an die Börse zu führen.
Ein möglicher Nachfolger soll Verwaltungsratschef Bret Taylor sein, der ehemalige Co-CEO von Salesforce. Der Verwaltungsrat sehe insbesondere Altmans andere private Beteiligungen kritisch: So habe er habe OpenAI gebeten, sich an einer Finanzierungsrunde für das Kernfusions-Start-up Helion zu beteiligen, bei dem er selbst ein großer Anteilseigner ist, sowie für den Raketenbauer Stoke Space, an dem er über sein Family Office Hydrazine beteiligt sei.
Taylor stärkte Altman nach dem Bericht demonstrativ den Rücken.
Rechtsstreit mit Elon Musk
Doch der OpenAI-Chef hat noch mehr Baustellen zu befrieden. Am Montag begann ein Prozess, in dem Elon Musk, einer der frühen Anteilseigner an OpenAI, Altman unter anderem wegen Betrugs verklagt hat und Schadenersatz fordert. Es geht um die Frage, ob OpenAI, das ursprünglich als Non-profit-Stiftung gegründet wurde, jemals ein Wirtschaftsunternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht hätte werden dürfen. Musk betont, er sei getäuscht worden. Beobachter sehen in dem Prozess jedoch vor allem den Versuch, einen Konkurrenten zu Musks eigenem KI-Unternehmen xAI zu schwächen. Sollte Musk Erfolg haben, wäre womöglich sogar der geplante Börsengang von OpenAI gefährdet.
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