Der Spezialoptik-Entwickler profitiert von Europas Bestreben nach Eigenständigkeit bei Rüstungstechnologien. Ein Joint Venture mit Hensoldt und volle Auftragsbücher helfen. Was Anleger wissen müssen.
Der bisher größte und erste Auftrag im Wert von einer Milliarde Dollar rückte Theon International, seit Anfang Februar 2024 in Amsterdam an der Börse, noch stärker ins Rampenlicht. Die vom griechischen Unternehmer Christianos Hadjiminas 1997 gegründete Firma entwickelt elektro‑optische Systeme, Tag- und Nachtsichtgeräte sowie Wärmebildkameras als Brillen für Soldaten im Einsatz.
Börsenwert seit Debüt verdreifacht
Mit dem Milliardenauftrag, der an das Konsortium von Hensoldt und Theon vergeben wurde, soll die Technologiefirma jeweils 100.000 und 4.000 Nachtsicht-Brillen an die Bundeswehr und Belgiens Armee liefern. Mit dem Vertrag werden Lieferungen von 66.000 Geräten für Deutschland und 8.000 für Belgien aufgestockt. Im hessischen Wetzlar wird die Fertigung von Hensoldt Theon Nightvision (HTN) nun an einen größeren Standort umgezogen und die Belegschaft bis Ende des Jahres verdreifacht. Mitte Februar hatte Theon die vorläufige Bilanz für 2025 vorgelegt: knapp 444 Millionen Euro Umsatz, rund 26 Prozent mehr als im Vorjahr, 82,6 Millionen Nettogewinn, gut 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Die vollständige Bilanz folgt am 20. April. In der Kasse hatte die Firma mit Sitz in Nikosia auf Zypern per Ende Dezember knapp 124 Millionen Euro Cash und Aufträge im Wert von mehr als 1,3 Milliarden. Das sollte ausreichen, um die für 2026 und 2027 erwarteten Umsätze, knapp 594 und rund 707 Millionen Euro, abzudecken. Im gegenwärtigen Börsenwert, der sich seit dem Debüt verdreifacht hat, dürfte das eingepreist sein. Weil Europa unabhängiger von US-Technologie werden will, könnten weitere Aufträge folgen und den Kurs weiter nach oben bringen.
Mit drei Viertel der Erlöse in Europa ist die Firma bei elektro‑optischen Systemen, die Soldaten wie Brillen nutzen, nach eigenen Angaben die Nummer 1.
Es ist ein Markt mit zwölf bis 15 Milliarden Dollar Potenzial und jährlichen Zuwächsen von fast elf Prozent. Mit dem Kauf der Göttinger Kappa Optronics, Entwickler von robusten Tag- und Nachtsichtgeräten für Flugobjekte, Panzer und gepanzerte Fahrzeuge, hat Theon den Markt für seine Technologie erweitert. 2024 wurde der deutsche Spezialist für Restlichtverstärkung Harder Digital übernommen. In Europa muss sich Theon gegen Exosens mit einem Umsatz von rund 470 Millionen Euro behaupten, in den USA gegen den viel größeren Konzern L3Harris mit 22 Milliarden Dollar Umsatz.
Fazit
Der große Folgeauftrag ist auch ein Beleg für die Zuverlässigkeit der Technologie. Wegen der höheren Volumina an der Börse in Amsterdam handeln.
Übrigens: Dieser Text erschien zuerst im BÖRSE ONLINE-Heft. Weitere fundierte Einschätzungen dieser Art gibt es im neuen Heft. Hier die digitale Version sichern.