Jahrelange Aktionäre haben sich längst wutentbrannt von dem Unternehmen verabschiedet und jetzt zeigt sich: vermutlich war es besser so. Denn auch im neuen Setting liefert Varta vor allem schlechte Nachrichten. Heute ist wieder so ein Tag.
Aktionäre haben sich längst wutentbrannt von dem Unternehmen verabschiedet, und jetzt zeigt sich: vermutlich war es besser so. Denn auch im neuen Setting liefert Varta vor allem schlechte Nachrichten. Heute ist wieder so ein Tag.
Weil ein großer Kunde abgesprungen ist, wird der Batteriehersteller Varta im Herbst seine Fabrik im bayerischen Nördlingen schließen. 350 Mitarbeiter verlieren dadurch ihren Arbeitsplatz. Der Kunde habe bisher für eine fast 100-prozentige Auslastung des Standortes gesorgt, kaufe aber künftig keine Knopfbatterien mehr von Varta, wie ein Unternehmenssprecher mitteilte. Damit sei dem Werk die Existenzgrundlage entzogen.
Der Betriebsrat erfuhr von der Entscheidung am Dienstagmorgen. Varta betont, man bemühe sich um „sozialverträgliche Lösungen" und versuche, einzelne Mitarbeiter an einen anderen Standort zu übernehmen. Die Gespräche seien aber noch ganz am Anfang.
Zog etwa Apple den Stecker?
Gleichzeitig teilte das Unternehmen mit, man habe in den vergangenen Monaten neue Kunden gewinnen können. Deren Aufträge scheinen jedoch sehr klein zu sein, denn „damit lässt sich die Produktion in Nördlingen nicht ansatzweise auslasten", sagte Unternehmenschef Michael Ostermann der „Wirtschaftswoche".
Medienberichten zufolge wolle der abtrünnige Großkunde seine Batterien künftig aus China beziehen. Nach Informationen der „FAZ" und der „Augsburger Allgemeinen" soll es sich dabei um Apple handeln. Dies wollte der Varta-Sprecher laut dpa nicht kommentieren. Die „FAZ" berichtet unter Berufung auf das Umfeld von Varta, dass der Preis für die Entscheidung ausschlaggebend gewesen sei. Qualitativ seien die Deutschen „auf Augenhöhe und besser gewesen", so die unbekannte Quelle.
Neuaufstellung de facto gescheitert
Varta, das seinen Hauptsitz im schwäbischen Ellwangen hat, war 2022 in schwieriges Fahrwasser geraten. Um die Pleite zu verhindern, hatte das Unternehmen im Juli 2024 ein Sanierungsverfahren im Rahmen des Restrukturierungsgesetzes (StaRuG) angemeldet, in dessen Zuge sämtliche Altaktionäre aus dem Unternehmen gedrängt wurden. Ihre Aktien wurden für wertlos erklärt. Einsprüche von Aktionären vor Gericht scheiterten. Danach stiegen der bisherige Großaktionär Michael Tojne und die Porsche AG zu je 50 Prozent mit frischem Geld neu ein.
2024 hatte Varta erneut rote Zahlen geschrieben. Allerdings fiel der Verlust mit einem Minus von 64,5 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr deutlich geringer aus. Im April 2025 hatte Varta mitgeteilt, dass die monatelange Neuaufstellung nun abgeschlossen sei.
Porsche hat seine Pläne für eine eigene Batteriefertigung mittlerweile aufgegeben. Damit scheint die geplante Neuaufstellung rund um die E-Auto-Fantasie de facto gescheitert.
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