Am Dienstag schwächelt der DAX erneut - das lässt den Leitindex nach dem guten Wochenstart wieder fallen. Außerdem im Fokus: Brenntag, RWE, VW, BASF, IBM, Bitcoin, Vonovia, Tesla und BYD.

Der Dax bleibt auf Schlingerkurs um die runde Marke von 25.000 Punkten. Knapp eine Stunde vor Handelsbeginn deutet sich am Dienstag nach einer Korrektur an den Asien-Börsen auch in Deutschland ein erneuter Rückschlag ab. Der X-Dax als außerbörslicher Indikator für den Dax stand ein Prozent tiefer bei 24.888 Punkten.

Gewinnmitnahmen in Japan und Südkorea nehmen auch dem Dax wieder den Wind aus den Segeln. Dabei lag der Fokus weiter auf der Technologiebranche. Auch europäische Chipwerte könnten am Dienstag diese Bewegung nachvollziehen. Infineon zum Beispiel wird vorbörslich mehr als vier Prozent tiefer gehandelt. Auch bei den Chip-Zulieferern Suss, Aixtron und Siltronic bahnt sich eine Korrektur an.

Von den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran kommt am Dienstag kein Störfeuer. Die Gespräche über ein Rahmenabkommen zur endgültigen Beendigung des Kriegs gehen momentan auf technischer Ebene weiter, wie US-Vizepräsident JD Vance bestätigte. Nach seinen Angaben will der Iran auch wieder Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ins Land lassen. Einen Zeitplan dafür gebe es aber noch nicht.

"Wir sehen einen in höchstem Maße stimmungsgetriebenen Handel. Gerade in der Nähe von Rekordnotierungen werden Anleger schnell nervös, wenn sich die Rally dann nicht direkt mit Schwung nach oben fortsetzt", schrieb am Morgen der Marktbeobachter Jochen Stanzl von der Consorsbank. Zum Wochenstart hatte der Dax mit 25.176 Punkten zwischenzeitlich ein Hoch seit Anfang Juni erreicht. Dem Rekord vom Januar hatte sich der Leitindex dabei bis auf 330 Punkte genähert.

DAX (WKN: 846900)

Nachrichten aus Deutschland

Brenntag nach Prognoseerhöhung gegen den Dax-Trend stark

Die Aktien von Brenntag haben am Dienstagmorgen in einem schwachen Marktumfeld von der Prognoseerhöhung des Chemikalienhändlers profitiert. Sie zogen auf der Handelsplattform Tradegate um 3,5 Prozent über ihren Xetra-Schluss. Am Vorabend hatten sie auf Tradegate allerdings noch etwas stärker reagiert.

Die Essener hoben nach einem starken zweiten Quartal ihre Ziele für das Gesamtjahr. Der Konzern führt den starken Lauf auf die robuste Nachfrage und verbesserte Margen durch die Marktverwerfungen infolge des Nahost-Kriegs zurück.

Bezüglich dieser Sonderkonjunktur traten einige Experten zuletzt aber bereits auf die Euphoriebremse - zuletzt am Morgen Chetan Udeshi von JPMorgan. In Europas Chemiebranche übernehme der strukturelle Gegenwind bei nachlassendem Auftrieb durch die Kriegsfolgen wieder die Oberhand, schrieb er. Brenntag zählt sogar zu den von ihm am schwächsten eingeschätzten Werten.

JPMorgan belässt BASF auf 'Underweight'

Die US-Bank JPMorgan hat die Einstufung für BASF auf "Underweight" belassen. In Europas Chemiebranche übernehme der strukturelle Gegenwind wieder die Oberhand, nachdem der durch den Nahost-Krieg bedingte Auftrieb nachlasse, schrieb Chetan Udeshi am Dienstag. Die Aktien von BASF gehören zu den am schwächsten eingeschätzten Werten.

Barclays senkt Ziel für Volkswagen auf 120 Euro - 'Overweight'

Die britische Investmentbank Barclays hat das Kursziel für Volkswagen von 125 auf 120 Euro gesenkt, aber die Einstufung auf "Overweight" belassen. Analyst Henning Cosman bestätigte die Aktie der Wolfsburger als seine Top-Idee in Europa - trotz und wegen der Underperformance gegenüber dem europäischen Branchenindex im bisherigen Jahresverlauf. Das Umfeld sei schwierig, aber das Kurs/Gewinn-Verhältnis sowie die Renditen auf Cashflow und Dividende spiegelten das Potenzial nicht wider.

Vonovia will Wandelanleihen über 750 Millionen Euro begeben

Der Immobilienkonzern Vonovia will über die Ausgabe von Wandelanleihen 750 Millionen Euro bei institutionellen Investoren einsammeln. Die Papiere sollen in einer beschleunigten Privatplatzierung Interessenten außerhalb der USA angeboten werden, wie das Dax-Unternehmen am Dienstag in Bochum mitteilte. Das Bezugsrecht bestehender Aktionäre werde dabei ausgeschlossen.

Die bis zum 30. Juni 2031 laufenden Papiere werden ohne laufende Verzinsung mit einem Nennwert von 100.000 Euro pro Stück begeben. Sie können in Vonovia-Aktien gewandelt oder alternativ in bar zurückgezahlt werden. Dabei werde die Anleihe mit einer Wandlungsprämie von 35 bis zu 40 Prozent auf den Referenzkurs der Aktie angeboten. Ohne Wandlung, Rückkauf oder Zurückzahlung ergebe sich bis zur Fälligkeit eine Rendite von 1,625 bis zu 2,125 Prozent pro Jahr. Der Rückzahlungsbetrag liegt je nach endgültiger Ausgestaltung zwischen 108,43 und 111,15 Prozent des Nennwerts, wie es weiter hieß.

Den Nettoerlös will Vonovia für allgemeine Unternehmenszwecke sowie zur Refinanzierung von Schulden verwenden. Die endgültigen Konditionen sollen noch im Tagesverlauf festgelegt werden. Die Anleihen sollen dann voraussichtlich am letzten Tag des laufenden Monats Juni ausgegeben werden.

RWE will Mehrheit an Amprion - Milliardenschwere Kapitalerhöhung

Der Energiekonzern RWE will die Mehrheit am Übertragungsnetzbetreiber Amprion übernehmen. Der Preis für die Aufstockung der Amprion-Anteile auf 55 Prozent liege bei rund 3,6 Milliarden Euro, teilte RWE am Montag nach Börsenschluss in Essen mit. Verkäufer ist ein Konsortium aus Versorgungswerken und institutionellen Investoren aus der Versicherungsbranche. RWE besorgte sich für den Deal noch am Abend brutto rund vier Milliarden Euro am Aktienmarkt und will Milliarden in den Netzausbau investieren.

Für die RWE-Aktie ging es nach einem bisher positiven Jahresverlauf im nachbörslichen Handel jedoch abwärts. So verlor das Papier auf der Plattform Tradegate im Vergleich zum Xetra-Schlusskurs am Abend zuletzt rund 2,4 Prozent an Wert. RWE wird an der Börse mit rund 41 Milliarden Euro bewertet.

Nach eigenen Angaben hat RWE Vereinbarungen mit den Anteilseignern der M31 Beteiligungsgesellschaft erzielt, um deren indirekte Anteile an Amprion zu erwerben. Zu den Verkäufern zählen unter anderem Meag Munich Ergo und Talanx.

Amprion betreibt den Angaben zufolge ein 11.000 Kilometer langes Höchstspannungsnetz, mit dem Strom von der Nordsee bis zu den Alpen transportiert wird. Im Zuge der Energiewende ist in den kommenden Jahren ein umfangreicher Ausbau des Übertragungsnetzes nötig. Die hierfür erforderlichen hohen Investitionen wird RWE nach eigenen Angaben mitfinanzieren.

Schon jetzt hält RWE über ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Finanzinvestor Apollo 25,1 Prozent an Amprion. Durch die Aufstockung soll der mittelbare Anteil des Konzerns an dem Übertragungsnetzbetreiber auf 55 Prozent steigen. Dazu beteiligt sich RWE selbst an dem Konsortium M31. Vollzogen werden soll der Deal den Plänen zufolge bis Ende September.

Das nötige Geld brachte eine Kapitalerhöhung. Dazu platzierte RWE am Abend rund 74,4 Millionen Aktien zum Stückpreis von 54 Euro bei institutionellen Anlegern. Davon kamen knapp die Hälfte aus einer Kapitalerhöhung und gut die Hälfte aus dem Verkauf von Anteilen im eigenen Bestand - zusammen etwa zehn Prozent des Grundkapitals. Das Bezugsrecht bisheriger Aktionäre war dabei ausgeschlossen. Vom Bruttoerlös in Höhe von rund vier Milliarden Euro gehen noch Provisionen und Kosten ab.

RWE-Chef Markus Krebber verspricht sich von der Aufstockung bei Amprion und der Bereitstellung zusätzlicher Mittel zum Ausbau des Übertragungsnetzes in Deutschland attraktive Wachstumsmöglichkeiten für den Konzern. "Mit Umsetzung der angekündigten Kapitalmaßnahme sind auch die zusätzlichen Investitionen bis 2031 abgesichert", sagte er. Die Deals sollen das Ergebnis pro Aktie ab dem ersten Tag steigern. "Für 2031 wollen wir unser Ziel von 4,40 Euro auf 4,55 Euro je Aktie erhöhen", sagte er.

Amprion-Chef Christoph Müller beteuerte, dass der Übertragungsnetzbetreiber trotz des erhöhten Anteils von RWE unabhängig bleibe - gemäß den gesetzlichen Entflechtungsvorschriften. "Das Unternehmen wird weiterhin unter seiner bestehenden Marke und mit seinem bestehenden Management-Team operieren." RWE werde die Beteiligung an Amprion weiterhin nach der At-Equity-Methode bilanzieren, sprich nicht voll in seine Geschäftszahlen aufnehmen.

Den Angaben zufolge will RWE bis zum Jahr 2031 weiterhin 35 Milliarden Euro netto bis 2031 für den Ausbau des globalen Portfolios an Erneuerbaren Energien, Batteriespeichern und flexibler Erzeugung investieren. Zudem hält die Konzernspitze an ihrem Dividendenziel von 1,32 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2026 fest und bekräftigt ihre Absicht, die Dividende jährlich um 10 Prozent zu steigern.

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Internationale Nachrichten

IBM und OpenAI bündeln Kräfte für KI-Cybersicherheit in Unternehmen

IBM ist dem OpenAI-Partnerprogramm „Daybreak Cyber" beigetreten und wird fortschrittliche KI-Modelle in seine Unternehmenssicherheitslösungen integrieren, um Kunden bei der schnelleren Erkennung und Eindämmung von Cyberbedrohungen zu unterstützen. Das Angebot baut auf dem gemeinsamen Projekt Lightwell auf, das menschliche Ingenieure und KI kombiniert, um Open-Source-Software abzusichern – hinterlegt mit einer 5-Milliarden-Dollar-Zusage von IBM und Red Hat. Die IBM-Aktie legte nach der Ankündigung im nachbörslichen Handel um rund 5 Prozent zu.

Shopify verbannt E-Zigaretten von seiner Plattform

Nach Druck einer parteiübergreifenden Koalition von 25 US-Staatsanwälten will Shopify noch diese Woche sämtliche Vapes von seiner Plattform ausschließen, da ein Großteil des US-Marktes für E-Zigaretten – geschätzt auf 9 Milliarden Dollar – aus nicht zugelassenen oder anderweitig illegalen Produkten besteht. Shopify betonte, illegale Aktivitäten schon immer verboten zu haben und seine Durchsetzung an rechtliche Veränderungen anzupassen. Der Schritt gilt als bislang bedeutendster Erfolg der Behörden im Kampf gegen den illegalen Online-Vape-Handel.

Tesla und BYD gewinnen Marktanteile in Europa – Traditionsmarken unter Druck

Die EU-Neuzulassungen stiegen im Mai um 3,2 Prozent auf rund 955.000 Einheiten – der vierte Wachstumsmonat in Folge – wobei Elektroautos ihren Marktanteil auf 20 Prozent ausgebaut haben, gegenüber 15,3 Prozent im Vorjahr. Tesla konnte seine Verkäufe im Jahresvergleich mehr als verdoppeln und erreichte einen Marktanteil von 2,3 Prozent, während BYD seinen Anteil von 1,1 auf 2,7 Prozent mehr als verdoppelte. Etablierte Hersteller wie Volkswagen, Stellantis und Renault verloren dagegen weiter an Boden.

US-Senat verabschiedet CBDC-Verbot bis 2030 – Franklin Templeton gründet Krypto-Einheit

Der US-Senat stimmte mit 85 zu 5 Stimmen für ein Wohnungsbaugesetz, das ein Verbot einer digitalen Zentralbankwährung durch die Fed bis mindestens 2030 enthält – Stablecoins sind ausdrücklich ausgenommen, und danach wäre für jede CBDC-Initiative eine explizite Genehmigung des Kongresses erforderlich. Parallel dazu hat Franklin Templeton die Übernahme des Krypto-Asset-Managers 250 Digital abgeschlossen und eine eigene Krypto-Investmenteinheit namens Franklin Crypto gegründet, deren tokenisiertes Vermögensportfolio im vergangenen Jahr von 768 Millionen auf über 2,5 Milliarden Dollar gewachsen ist. Unterdessen droht Binance der Entzug seiner EU-Lizenz in Griechenland kurz vor Ablauf der MiCA-Übergangsfrist am 1. Juli – allerdings macht Euro-Handel nur rund 1 Prozent des globalen Binance-Volumens aus.

Enthält Material von dpa-AFX

Häufig gestellte Fragen

1. Warum fällt der DAX trotz des positiven Wochenstarts wieder zurück?

Der DAX gerät aufgrund von Gewinnmitnahmen an den asiatischen Börsen sowie einer schwächeren Stimmung im Technologiesektor unter Druck. Besonders Chipwerte wie Infineon, Aixtron und Siltronic belasten den deutschen Leitindex. Zudem sorgt die Nervosität der Anleger nahe den Rekordständen für erhöhte Schwankungen.

2. Warum hebt Brenntag seine Jahresprognose an?

Brenntag profitiert von einer robusten Nachfrage und verbesserten Margen im zweiten Quartal. Das Unternehmen führt die positive Entwicklung unter anderem auf Marktverwerfungen infolge des Nahost-Konflikts zurück. Aufgrund der starken Geschäftsentwicklung hat der Chemikalienhändler seine Prognose für das Gesamtjahr angehoben.

3. Weshalb stehen Tesla und BYD in Europa besonders im Fokus?

Tesla und BYD konnten ihre Marktanteile auf dem europäischen Automarkt deutlich ausbauen. Während Tesla seine Verkäufe im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelte, steigerte BYD seinen Marktanteil ebenfalls erheblich. Gleichzeitig verlieren etablierte Hersteller wie Volkswagen, Renault und Stellantis Marktanteile, insbesondere im wachsenden Elektroauto-Segment.