Seit Ende Februar geriet eine DAX-Aktie über Wochen hinweg unter Druck. Im Mai folgte dann der Turnaround und die Papiere legten endlich wieder zu. Am Mittwoch verteuerten sie sich erneut um fast fünf Prozent und lösten damit ein Kaufsignal aus. Ein bekannter Analyst sieht sogar noch deutlich mehr Potenzial.
Der Flugverkehr in Deutschland schwächelt. Eine Kostenexplosion beim Kerosin sorgt für ein stagnierendes Sitzplatzangebot, wie das Handelsblatt vor einigen Tagen berichtete. Sprich: Die Fluggesellschaften streichen Flüge. Der Markt fürchtet, dass das bald zu einer sinkenden Nachfrage nach neuen Flugzeugen führt - und das belastet Aktien von Zulieferern wie dem Triebwerksbauer MTU.
Allerdings sinken die Rohölpreise seit Mai, was die MTU-Aktie zuletzt deutlich antrieb und ihr den höchsten Wert seit Mitte April bescherte. Am Mittwoch notierten die Papiere bei rund 353 Euro mit einem Plus von 4,5 Prozent. David Perry, Analyst bei JP Morgan, sieht sogar ein zusätzliches Gewinnpotenzial von 40 Prozent.
Analyst bestätigt Kursziel für MTU-Aktie
Der Experte hat am Mittwoch sein Kursziel von 465 Euro und das Votum "Overweight" bestätigt. Dabei nannte er mehrere Gründe für seine Prognose. Allen voran sieht Perry die sinkenden Treibstoffkosten der Airlines als Kurstreiber. Diese wirkten sich positiv auf die zivile Luftfahrt aus, was am Ende auch MTU zugutekommt. Zusätzlich profitiert das Unternehmen derzeit von der Rally des US-Dollars im Vergleich zum Euro. Weil die Dollar-Umsätze wegen des Wechselkurseffekts zu höheren Einnahmen führen, die Kosten in Euro aber zunächst gleich bleiben, steht unter dem Strich ein höherer Gewinn.
Analyst Perry traf sich jüngst persönlich mit MTU-Chef Johannes Bussmann. Dabei erhielt er nach eigener Aussage Signale zum GTU-Getriebe. Gemeint ist ein Getriebefan-Programm (Geared Turbofan) von Pratt & Whitney, an dem MTU seit einigen Jahren mit 18 Prozent beteiligt ist. Dort gab es zuletzt Probleme und auch 2026 sorgen Ausfälle ganzer Flugzeugflotten und Lieferengpässe, die mit dem Triebwerk in Zusammenhang stehen, weiterhin für Sorgenfalten. Perry berichtet nun etwa nebulös von einer "positiven Aussage" zu dem Thema, die er nicht weiter spezifiziert. Immerhin lässt das auf Besserung hoffen.
Sind Ihnen Währungsschwankungen und geopolitische Krisen im Depot zu gefährlich, finden Sie im "Stabile Werte"-Index einige Aktien, die selbst in schwierigen Zeiten noch spannend sind.
Sollten Anleger jetzt wieder zugreifen?
Fliegen weniger Menschen, ist auch der Reparaturbedarf bei Flugzeugen geringer. Gleichzeitig sinkt die Nachfrage nach Triebwerken. Das drückte zuletzt den MTU-Kurs. Dass die aktuellen Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran jedoch den Rohölpreis pro Barrel wieder deutlich sinken lassen, hilft dem Kurs. Hinzu kommt der deutlich erstarkte Dollar, der aufgrudn der oben erklärten Kausalkette der MTU-Aktie starken Auftrieb verleiht.
Vor wenigen Tagen hat der Aktienkurs die 50-Tage-Linie durchstoßen und löste damit ein erstes, kleines Kaufsignal aus. Mit der aktuellen Kursentwicklung konnte nun auch die 200-Tage-Linie zurückerobert werden und löste damit ein zweites, starkes Kaufsignal aus, Das macht Hoffnung, dass die Aktie ihren Ende Mai begonnenen Aufwärtstrend fortsetzen kann.
Bereits im April hat BÖRSE ONLINE die MTU-Aktie in Heft 18/26 empfohlen. Leser, die seitdem ein starkes Nervenkostüm bewiesen haben, können sich jetzt freuen. Möchten Sie ebenfalls wissen, ob sich ein Einstieg lohnt, können Sie hier noch nachträglich das E-Paper zu Ausgabe 18/26 lesen.
Häufig gestellte Fragen
Warum profitieren Flugzeugzulieferer von sinkenden Kerosinpreisen?
Wenn Airlines weniger für Treibstoff zahlen, verbessert sich meist ihre Profitabilität. Das kann dazu führen, dass sie Wartung, Flottenmodernisierung und Ersatzteile eher nachfragen, wovon Zulieferer wie MTU profitieren können.
Was bedeutet ein Kursziel von 465 Euro für die MTU-Aktie?
Ein Kursziel ist die Einschätzung eines Analysten, wo eine Aktie in einem bestimmten Zeitraum liegen könnte. Es ist keine Garantie, sondern eine begründete Prognose auf Basis von Markttrends, Unternehmensdaten und Bewertung.
Warum spielt der US-Dollar für MTU eine wichtige Rolle?
Wenn ein Unternehmen viele Umsätze in Dollar erzielt, aber einen großen Teil der Kosten in Euro hat, kann ein starker Dollar den Gewinn erhöhen. Genau dieser Währungseffekt kann die Marge verbessern und die Aktie zusätzlich stützen.
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