Am Mittwoch steht der DAX weiter unter Druck. Das belastet den deutschen Leitindex. Außerdem im Fokus: DHL, 1&1, Öl, KNDS, Puma, Meta, Micron, Gold und Bitcoin.
Nach dem Vortagsrückschlag meiden die Anleger am Mittwoch bei deutschen Aktien weiter das Risiko. Neu belastet von einem Kursrutsch bei den Rheinmetall-Aktien entfernte sich der Dax weiter von der zuletzt umkämpften 25.000-Punkte-Marke. Mit einem Abschlag von einem halben Prozent auf 24.765 Punkte rutschte der deutsche Leitindex auch unter die 21-Tage-Linie, die jetzt bei 24.840 Zählern verläuft. Der MDax gab um 0,4 Prozent auf 32.013 Punkte nach.
Die Rheinmetall-Aktien litten mit bis zu 13 Prozent Minus darunter, dass ein Großauftrag der Bundeswehr für neue Fregatten laut Medienberichten zugunsten des Schiffsbauers TKMS umgeleitet wird. Analyst David Perry von JPMorgan sieht darin einen größeren Rückschlag für den Rüstungskonzern. Die TKMS-Titel dagegen zogen im MDax mächtig an.
Vor dem Hintergrund der jüngsten Korrektur, die am Vortag im Technologiesektor eingesetzt hatte, warten die Anleger auf die nach US-Börsenschluss erwarteten Quartalszahlen des US-Chipkonzerns Micron. Am Vortag waren sie nervös geworden ob der enorm hohen Erwartungen, die als eingepreist gelten. Die Commerzbank sprach von "Zweifeln an der Nachhaltigkeit der KI-getriebenen Aktienrally".
Nachrichten aus Deutschland
Heidelberger Druck übernimmt Service- und Ersatzteilgeschäft von Manroland
Heidelberger Druckmaschinen verstärkt sein Kerngeschäft mit einem Zukauf. Der Maschinenbauer übernehme das Service- und Ersatzteilgeschäft sowie Vertriebsgesellschaften von der Manroland Sheetfed Gruppe mit etwa 600 Mitarbeitern, teilte das SDax-Unternehmen am Mittwoch in Heidelberg mit. Zudem erwerbe der Konzern die Technologie und das geistige Eigentum (Intellecutal Property) für Service und Ersatzteile sowie ausgewählte Vermögenswerte. Hinsichtlich des Kaufpreises wurde laut Angaben von Heidelberger stillschweigen vereinbart.
1&1 und United Internet vorbörslich stark - Barclays empfiehlt
Die Aktien von United Internet und der Tochter 1&1 sind am Mittwochmorgen nach einer Empfehlung von Barclays gesucht. United Internet zogen auf der Handelsplattform Tradegate um gut 3 Prozent über ihren Xetra-Schluss, 1&1 sogar um mehr als 4 Prozent.
Barclays-Experte Ganesha Nagesha stufte beide Aktien auf "Outperform" hoch. Er sieht nicht nur schrittweise Besserung der Fundamentaldaten, sondern auch Konsolidierungsfantasie. Der Mobilfunkanbieter 1&1 stehe enorm gut da, sollte es in der Branche zu Deals kommen. United Internet hält rund 86 Prozent der Anteile von 1&1.
Im Optimalfall hält Nagesha bei 1&1 einen Kurs von 37 Euro für erreichbar. Das Kursziel im Basisszenario liegt nun bei 24 Euro. Bei United Internet seien es im besten Fall 40 Euro, im Basisszenario jetzt 28 Euro. Anteile von 1&1 kosten vorbörslich 21,30 Euro und United-Internet-Papiere 24,58 Euro.
Gesunkene Profitabilität von Fedex lastet auch auf DHL Group
Eine rückläufige Profitabilität von Fedex im vierten Quartal hat den Aktienkurs am Vorabend nachbörslich belastet und am Mittwoch auch die Papiere der DHL Group. Auf Tradegate verloren die Anteile des deutschen Konkurrenten gut ein Prozent auf 50,46 Euro im Vergleich zum Vortagesschluss.
Fedex-Aktien hatten am Dienstag nachbörslich mehr als sechs Prozent eingebüßt und waren erstmals seit Jahresbeginn unter die Marke von 300 US-Dollar gerutscht.
Beim US-Logistikriesen ist die bereinigte Marge auf 8,4 Prozent gesunken, von 9,1 Prozent im Vorjahreszeitraum. Damit blieb Fedex hinter der durchschnittlichen Erwartung von Analysten zurück. Auch die Zielvorgabe für das bereinigte Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr liegt Marktexperten zufolge etwas unter der Konsensschätzung.
Rüstungskonzern KNDS geht in Frankfurt und Paris an die Börse
Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS geht an die Börse. Die Aktien des Herstellers des Kampfpanzers Leopard 2 und der Panzerhaubitze 2000 sollen im Rahmen einer Doppelnotierung in Frankfurt und Paris platziert werden, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Weitere Details, unter anderem der geplante Zeitpunkt der Notierung, sollen mit dem Prospekt zum Börsengang veröffentlicht werden.
Der Schritt zählte bereits im Vorfeld zu den größten europäischen Börsengängen im Verteidigungssektor der vergangenen Jahre. Vorausgegangen war eine Einigung zwischen der deutschen und der französischen Regierung über die künftige Eigentümerstruktur des Unternehmens. Danach erwerben die Bundesrepublik Deutschland und der französische Staat jeweils einen Anteil von 40 Prozent an KNDS. Die verbleibenden 20 Prozent sollen im Zuge des Börsengangs an institutionelle Investoren veräußert werden.
"Der geplante Börsengang ist ein natürlicher nächster Schritt für KNDS", sagte Unternehmenschef Jean-Paul Alary laut Mitteilung. "Er wird unsere strategische Agilität erhöhen und die fortgesetzten Investitionen in Kapazitäten, Innovation und Technologien der nächsten Generation unterstützen. Wir begrüßen außerdem die Absicht der deutschen Regierung, neben dem französischen Staat Ankeraktionär zu werden." Erst vor wenigen Tagen hatte die EU-Kommission den Einstieg des Bundes genehmigt.
KNDS entstand 2015 durch die Fusion von Krauss-Maffei Wegmann und dem französischen Unternehmen Nexter. Aktuell befindet sich KNDS im Besitz der deutschen Familie hinter Krauss-Maffei Wegmann und des französischen Staates. Der Konzern beschäftigt gut 11.000 Menschen und erzielte im Geschäftsjahr einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro, Hauptsitz ist Amsterdam, die deutsche Zentrale sitzt in München.
Deutsche Bank Research belässt Puma SE auf 'Hold' - Ziel 25 Euro
Deutsche Bank Research hat die Einstufung für Puma mit einem Kursziel von 25 Euro auf "Hold" belassen. Der Sportartikelhersteller befinde sich noch in der Anfangsphase seiner Marken-Neuausrichtung, schrieb Adam Cochrane in seinem am Mittwoch vorliegenden Ausblick auf den nächsten Zwischenbericht. Nach einer besseren Umsatzentwicklung im ersten Quartal dürften sich im zweiten Jahresviertel weitere Anzeichen für den Strategiewechsel ergeben.
Internationale Nachrichten
Krypto-Markt unter Druck – Bitcoin-Optionsverfall als Risiko
Bitcoin fiel in den vergangenen 24 Stunden zeitweise auf 62.000 Dollar und verzeichnet im Wochenvergleich ein Minus von rund fünf Prozent, während Altcoins wie Ethereum, XRP und Dogecoin mit Verlusten von bis zu neun Prozent noch deutlicher nachgaben. Die Stimmung bleibt angespannt: Der Fear-and-Greed-Index verharrt bei 23 Punkten im Bereich „extremer Angst", und Bitcoin-ETFs verzeichneten in den vergangenen 30 Tagen Nettoabflüsse von über sechs Milliarden Dollar. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Optionsverfall am Freitag, bei dem Kontrakte im Wert von mehr als zehn Milliarden Dollar auslaufen – sollte Bitcoin dabei unter 60.000 Dollar fallen, könnte sich der Verkaufsdruck weiter verschärfen.
Meta stellt KI-Smartbrille ab 299 Dollar vor
Meta hat eine neue Linie KI-gestützter Smartbrillen vorgestellt, die ab 299 Dollar erhältlich sein sollen – deutlich günstiger als die im Vorjahr eingeführten Ray-Ban-Display-Brillen für 800 Dollar. Die in 26 Stilen angebotenen Geräte werden gemeinsam mit EssilorLuxottica entwickelt, unter Metas eigenem Markennamen vermarktet und sind in Zusammenarbeit mit Influencerin Kylie Jenner entstanden. Mit dem Schritt versucht Meta, KI-Assistenz über Wearables einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
Micron-Aktie bricht vor Quartalszahlen um 13 Prozent ein
Microns Aktie verlor am Dienstag – einen Tag vor der Ergebnisveröffentlichung – rund 13 Prozent auf rund 1.060 Dollar, wobei der Optionsmarkt eine weitere Kursschwankung von etwa 13 Prozent in beide Richtungen einpreist. Analysten erwarten für das dritte Quartal einen Gewinn von 20,28 Dollar je Aktie bei einem Umsatz von 35,25 Milliarden Dollar – ein Anstieg von 279 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Micron hat in den vergangenen zwei Jahren die Erwartungen jedes Quartal übertroffen, doch der vorbörsliche Kursrückgang zeigt, wie hoch die Erwartungslatte für den Ausblick liegt.
Ölpreis fällt auf Tiefstsstand seit März – Hormuz-Schifffahrt nimmt zu
Brent-Rohöl fiel am Mittwoch zeitweise unter 76 Dollar pro Barrel auf den niedrigsten Stand seit Anfang März und notiert damit kaum noch über dem Niveau vor dem Iran-Krieg. Treiber des Rückgangs sind Fortschritte bei den US-Iran-Verhandlungen sowie die Meldung der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation, dass hunderte Schiffe Sicherheitsgarantien erhalten haben und die Straße von Hormuz wieder passieren können. Experten des US-Handelshauses Enverus rechnen zunächst mit einer Bodenbildung um die 75-Dollar-Marke, nachdem der Preis infolge der Hormuz-Blockade im März noch über 120 Dollar geklettert war.
Enthält Material von dpa-AFX
Häufig gestellte Fragen
Warum bricht die Rheinmetall-Aktie um bis zu 13 Prozent ein?
Laut Medienberichten wird ein Großauftrag der Bundeswehr für neue Fregatten zugunsten des Schiffsbauers TKMS umgeleitet und geht damit an Rheinmetall vorbei. JPMorgan-Analyst David Perry wertet das als größeren Rückschlag für den Rüstungskonzern. Die TKMS-Titel zogen im Gegenzug kräftig an. Der Verlust des Auftrags verschärft den ohnehin schwachen Jahrestrend der Rheinmetall-Aktie, die bereits zu den schwächsten DAX-Werten der vergangenen drei Monate zählt.
Was bedeutet der KNDS-Börsengang für Anleger im Rüstungssektor?
Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS, Hersteller des Kampfpanzers Leopard 2, plant eine Doppelnotierung in Frankfurt und Paris. Deutschland und Frankreich erwerben jeweils 40 Prozent der Anteile, die verbleibenden 20 Prozent werden im Rahmen des Börsengangs an institutionelle Investoren veräußert. Das Unternehmen erzielte zuletzt einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro und gilt als einer der größten europäischen Börsengänge im Verteidigungssektor der vergangenen Jahre.
Wie gefährdet ist Bitcoin vor dem Optionsverfall am Freitag?
Bitcoin fiel zuletzt auf rund 62.000 Dollar und verzeichnet im Wochenvergleich ein Minus von rund fünf Prozent. Der Fear-and-Greed-Index liegt bei 23 Punkten im Bereich extremer Angst, und Bitcoin-ETFs verzeichneten in den vergangenen 30 Tagen Nettoabflüsse von über sechs Milliarden Dollar. Am Freitag laufen Optionskontrakte im Wert von mehr als zehn Milliarden Dollar aus – sollte Bitcoin dabei unter die Marke von 60.000 Dollar fallen, könnte sich der Verkaufsdruck weiter verschärfen.