Der DAX kann am Freitag deutlich gewinnen - das treibt den deutschen Leitindex an. Im Fokus außerdem: SpaceX, Fraport, Adobe, Friedrich Vorwerk, Adyen, Bitcoin, OpenAI und der Iran-Krieg.
Der von US-Präsident Donald Trump abgeblasene Angriff auf den Iran hat am Freitag zu fallenden Ölpreisen geführt und dem deutschen Aktienmarkt zur Eröffnung erheblichen Rückenwind beschert. Der Dax stieg in den ersten Handelsminuten um 1,4 Prozent auf 24.540 Punkte. Der Leitindex setzte sich damit wieder von der 200-Tage-Trendlinie ab, die er tags zuvor zeitweise unterschritten hatte.
Der MDax gewann am Freitagmorgen 1,6 Prozent auf 31.956 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 1,3 Prozent aufwärts.
Auch wenn die Nachricht von einem bevorstehenden Friedensabkommen zwischen den USA und Iran in den vergangenen Wochen überstrapaziert worden sei, nähmen die Anleger eine potenzielle Einigung vorweg und griffen am Aktienmarkt zu, bemerkte Analyst Andreas Lipkow von CMC Markets.
Nachrichten Deutschland
Friedrich Vorwerk weiter auf Erholungskurs - Asien-Auftrag stützt
Die Aktien von Friedrich Vorwerk <DE000A255F11> bleiben am Freitag vorbörslich auf Erholungskurs. In den vergangenen Tagen hatten sie sich schon etwas von ihrem Einjahrestief erholt und nun ging diese Bewegung auf der Plattform Tradegate weiter. Dort wurden sie am Morgen zu 63,30 Euro gehandelt, was 3,7 Prozent über ihrem Xetra-Schlusskurs vom Vortag lag. Von ihrem Rekordhoch im Oktober, das bei gut 109 Euro lag, hatten sie sich in den vergangenen Monaten mit dem Rückfall bis auf 55 Euro ungefähr halbiert.
Etwas Rückenwind brachte wohl eine Mitteilung über einen bedeutenden internationalen Auftrag mit sich. Demnach liefert eine Tochtergesellschaft des Pipeline- und Anlagenbauers Pipeline-Schweißtechnologie für ein Energieinfrastrukturprojekt, das laut Mitteilung zu den derzeit wichtigsten Zentralasiens zählt. Demnach wird die Tochter am Bau einer zweiten Linie einer Gasfernleitung in der Republik Kasachstan beteiligt.
Fraport vorbörslich gefragt nach Verkehrszahlen und Iran-Hoffnung
Die Aktien von Fraport dürften am Freitag von Verkehrszahlen des Flughafenbetreibers und der Hoffnung auf ein baldiges Rahmenabkommen der USA mit dem Iran profitieren. Im vorbörslichen Geschäft auf der Handelsplattform Tradegate stiegen sie zuletzt um 2,7 Prozent auf 68,28 Euro und stoppten damit ihre jüngste Talfahrt. Im Xetra-Handel waren die Papiere seit Ende Mai um rund neun Prozent abgerutscht. Fraport steigerte die Zahl der Passagiere am Frankfurter Flughafen im Mai um 2,7 Prozent.
Siemens-Energy-Chef warnt vor Rückstand bei Rechenzentren
Siemens-Energy-Chef Christian Bruch warnt davor, dass Deutschland beim Aufbau von Rechenzentren den Anschluss verpasst. "Wenn wir die Rechenzentren und die dazugehörige Wertschöpfung nicht ins Land holen, wird das Konsequenzen für unseren Wohlstand haben", sagte Bruch. Siemens Energy baut keine Rechenzentren, ist aber ein Zulieferer der Branche.
In Maintal bei Frankfurt hatte der US-Konzern Edgeconnex vor kurzem den Plan gestoppt, ein Rechenzentrum zu errichten. Im Mittelpunkt der Kritik einer Bürgerinitiative stand das Vorhaben, ein Gaskraftwerk zu errichten, das den Strom für das Rechenzentrum erzeugen sollte. Über den Streit und den Stopp sagte Bruch in Hamburg: "Solche Dinge machen mich ehrlich gesagt ratlos."
Bruch sagte, wer zu spät komme, den bestrafe das Leben. "Diese Gefahr sehe ich ganz konkret beim Thema Rechenzentren und KI." Der Konzernchef glaubt nach eigener Aussage, dass Europa im KI-Bereich eine Chance haben kann. "Dafür müssen wir aber auch bereit sein, die notwendige Infrastruktur wie Rechenzentren tatsächlich zu bauen."
Internationale Nachrichten
SpaceX-Börsengang: Größter IPO der Geschichte zum Preis von 135 Dollar
SpaceX startet mit einer Bewertung von fast 1,8 Billionen Dollar an die Börse, obwohl der Konzern im vergangenen Jahr bei knapp 19 Milliarden Dollar Umsatz tiefrote Zahlen schrieb – das Verhältnis von Bewertung zu Umsatz liegt damit bei über 90, deutlich höher als bei Nvidia (rund 20) oder Apple (rund 10). Größter Erlösbringer ist der Satelliteninternet-Dienst Starlink mit rund 11 Milliarden Dollar Umsatz und über zehn Millionen Kunden, während SpaceX künftig zusätzlich über die KI-Tochter xAI am geschätzten 22-Billionen-Dollar-Markt für Unternehmens-KI teilhaben will. Privatanleger erhielten mit rund einem Fünftel der Aktien einen ungewöhnlich großen Anteil, Musk behält mit über 80 Prozent Stimmrechtsanteil die volle Kontrolle und wird durch den Börsengang zum ersten Menschen mit einem Vermögen von über einer Billion Dollar.
Bitwise: Finanzberater interessieren sich zunehmend für Stablecoins statt Bitcoin
Laut Bitwise-CIO Matt Hougan richten Finanzberater ihren Blick derzeit verstärkt auf Stablecoins und Tokenisierung statt auf Bitcoin, obwohl er den Bitcoin-Kurs oberhalb von 60.000 Dollar selbst als „unglaublich attraktiv" für langfristige Investoren bezeichnet. Als mögliche Profiteure eines wachsenden Beraterinteresses nennt er unter anderem Ethereum, Solana, Chainlink, Coinbase und Circle. Da Finanzberater weltweit Vermögen von über 175 Billionen Dollar verwalten, könnte eine verstärkte Hinwendung dieser Gruppe zu Krypto-Anwendungen einen entscheidenden Wendepunkt für den Markt darstellen.
SpaceX begrenzt Privatanleger-Quote – Graumarkt erwartet 35 Prozent Kurssprung
SpaceX wird laut CNBC nur rund 20 Prozent seiner IPO-Aktien an Privatanleger ausgeben, weniger als die zuvor erwarteten 30 Prozent. Derivate des Brokers IG International preisen zum Handelsstart bereits eine Bewertung von 2,4 Billionen Dollar ein – ein Plus von über 35 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis von 135 Dollar und einer IPO-Bewertung von 1,77 Billionen Dollar.
Adyen-Aktie erholt sich nach Übernahme von US-Startup Orb
Die Aktie des niederländischen Zahlungsabwicklers Adyen legte um 4,3 Prozent zu, nachdem das Unternehmen das US-Startup Orb übernommen hat, das eine Plattform für nutzungsbasierte Abrechnungen betreibt – ein Trendthema abseits klassischer Abo-Modelle. Jefferies-Analyst Hannes Leitner sieht den Deal positiv und hält mit einem Kursziel von 1.166 Euro deutlich mehr für möglich als der aktuelle Kurs von 819 Euro. Trotz der Erholung bleibt Adyen mit einem Jahresverlust von über 40 Prozent der schwächste Wert im EuroStoxx 50.
Adobe hebt Prognose an – Abgang des Finanzchefs verschreckt Anleger
Adobe erwartet für das dritte Quartal einen Umsatz von mindestens 6,7 Milliarden Dollar und übertraf damit die Erwartungen, doch die Aktie fiel nachbörslich um 6 Prozent auf 207 Dollar, nachdem Finanzchef Dan Durn seinen Wechsel zu Marvell Technology angekündigt hatte. Es ist bereits der zweite hochrangige Abgang nach der im März verkündeten Demission von Langzeit-CEO Shantanu Narayen, während das Unternehmen noch nach einem Nachfolger für die Konzernspitze sucht. Adobes Aktie hat im laufenden Jahr bereits über ein Drittel an Wert verloren, da Investoren das traditionelle Abo-Geschäftsmodell durch aufkommende KI-Tools zunehmend gefährdet sehen.
Enthält Material von dpa-AFX
FAQ
Wie verläuft der SpaceX-Börsengang am 12. Juni und wie wird die Aktie bewertet?
SpaceX startet heute mit einer Bewertung von fast 1,8 Billionen Dollar an die Börse – trotz tiefroter Zahlen bei rund 19 Milliarden Dollar Umsatz im Vorjahr. Das Verhältnis von Bewertung zu Umsatz liegt damit bei über 90, deutlich höher als bei Nvidia oder Apple. Graumarkt-Derivate preisen zum Handelsstart bereits eine Bewertung von 2,4 Billionen Dollar ein, ein Plus von über 35 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis von 135 Dollar. Sollte sich dieser Sprung bestätigen, würde Elon Musk durch den Börsengang zum ersten Menschen mit einem Vermögen von über einer Billion Dollar.
Warum fiel die Adobe-Aktie trotz angehobener Prognose?
Adobe übertraf mit einem erwarteten Umsatz von mindestens 6,7 Milliarden Dollar im dritten Quartal die Erwartungen, doch die Aktie fiel nachbörslich um 6 Prozent. Grund war die Ankündigung des Finanzchefs Dan Durn, zu Marvell Technology zu wechseln – bereits der zweite hochrangige Abgang nach der Demission von Langzeit-CEO Shantanu Narayen im März. Anleger sind zudem besorgt, dass aufkommende KI-Tools Adobes traditionelles Abo-Geschäftsmodell gefährden könnten, was die Aktie im laufenden Jahr bereits über ein Drittel an Wert verlieren ließ.
Warum profitiert der DAX so stark vom abgeblasenen Iran-Angriff?
Die Entscheidung von US-Präsident Trump, einen geplanten Angriff auf den Iran abzublasen, führte zu deutlich fallenden Ölpreisen und gab dem deutschen Aktienmarkt erheblichen Rückenwind. Der DAX stieg um 1,4 Prozent und setzte sich wieder von der wichtigen 200-Tage-Trendlinie ab, die er zuvor zeitweise unterschritten hatte. Anleger nehmen damit eine mögliche dauerhafte Entspannung im Nahost-Konflikt vorweg, auch wenn ähnliche Hoffnungen in den vergangenen Wochen bereits mehrfach enttäuscht wurden.