Am Freitag dürfte der DAX rote Vorzeichen zeigen. Das bewegt den deutschen Leitindex. Außerdem im Fokus: Iran, Bitcoin, Broadcom, SpaceX, Antropic, Manchester United und Wacker Chemie.

Bei schwachen Vorgaben aus Asien dürfte der Dax seine Vortagesgewinne am Freitag wieder abgeben. Knapp eine Stunde vor Handelsbeginn signalisierte der X-Dax als außerbörslicher Indikator für den deutschen Leitindex ein Minus von 0,3 Prozent auf 24.861 Punkte. Damit kommt die 21-Tage-Linie bei 24.695 Punkten wieder ins Spiel.

Vor allem Halbleiterwerte leiden nach ihrer KI-Rally unter Gewinnmitnahmen - zunächst in den USA und nun auch in Japan und Südkorea. Für Broadcom-Aktien ging es am Vortag zweistellig abwärts, nachdem der Ausblick die inzwischen exorbitant hohen Erwartungen der Anleger enttäuscht hatte. Der US-Branchenindex für Halbleiterwerte verlor auf seinem Rekordniveau deutlich, bevor einige Mutige wieder neue Chancen suchten.

Auf dem deutschen Parkett gaben vorbörslich auf Tradegate Chipwerte nochmals nach. Infineon weiteten ihren Verlust im Vergleich mit dem Xetra-Schluss aus. Die KI-Rally stockt. Laut dem "Wall Street Journal" fordert das KI-Unternehmen Anthropic eine weltweite Pause bei der KI-Entwicklung und warnt vor den Risiken der Selbstoptimierung. KI-Modelle könnten bald in der Lage sein, sich ohne menschliches Eingreifen selbst zu verbessern.

Marktexperte Stephen Innes weist zudem unter Bezugnahme auf eine Analyse der BNP Paribas auf die Bedeutung des bevorstehenden Börsengangs von SpaceX hin. Die dahin fließende Liquidität könne zum echten Lackmustest für die KI-Rally werden.

Am Nachmittag steht in den USA der Arbeitsmarktbericht für Mai an. Für die Experten der ING ist momentan vor allem die Arbeitslosenquote interessant. Sie erwarten sie bei weiter niedrigen 4,3 Prozent. Dann könne der Markt einen Haken hinter den Bericht machen.

DAX (WKN: 846900)

Nachrichten aus Deutschland

Wacker Chemie

Die US-Bank Citigroup hat das Kursziel für Wacker Chemie von 68 auf 95 Euro angehoben, die Aktien aber von "Neutral" auf "Sell" abgestuft. Wacker sei nach mehreren Maßstäben die teuerste Aktie, schrieb Sebastian Satz in seiner am Freitag veröffentlichten Analyse europäischer diversifizierter Chemieunternehmen. Der Markt überschätze wohl die Chancen im Halbleitergeschäft. Zölle und die US-Solar-Pläne von Tesla seien immense Risiken, auch wenn er hier letztlich kaum mit Belastungen rechne.

RWE

Das Analysehaus Jefferies hat das Kursziel für RWE von 61 auf 63 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen. Nach dem jüngsten Rückschlag böten die Aktien der Essener dasselbe Wachstum zu einem günstigeren Preis, schrieb Ahmed Farman am Donnerstagabend. Er rechnet mit einer Gewinnsteigerung von im Schnitt etwa 10 Prozent per annum bis 2029.

Internationale Nachrichten

Anthropic warnt: Menschen könnten zur Engstelle der KI-Entwicklung werden

Zwei Anthropic-Gründer haben in einem Blogpost davor gewarnt, dass KI-Modelle so schnell besser werden, dass Menschen bald nicht mehr in der Lage sein könnten, die von KI produzierte Arbeit – etwa Code – schnell genug zu überprüfen. Bereits heute schreibt Claudes KI mehr als 80 Prozent des bei Anthropic eingepflegten Codes, und Ingenieure liefern achtmal so viel Code pro Quartal wie noch vor wenigen Jahren. Die Autoren schlagen eine vorübergehende Verlangsamung der KI-Entwicklung vor, räumen aber ein, dass dies ohne eine Art internationales Abkommen – vergleichbar mit einem Atomwaffensperrvertrag – nicht durchsetzbar wäre.

S&P 500 verweigert Sonderregeln für SpaceX-Aufnahme

S&P Global hat klargestellt, dass es seine Aufnahmekriterien für den S&P 500 nicht für Mega-Cap-Börsengänge wie SpaceX anpassen wird – Unternehmen müssen weiterhin mindestens zwölf Monate börsennotiert sein und GAAP-Gewinne ausweisen. Damit bleibt SpaceX, das zuletzt einen Verlust von rund 4,9 Milliarden Dollar auswies, vorerst von einer S&P-500-Aufnahme ausgeschlossen. Im Gegensatz dazu hat der Nasdaq bereits seine Regeln gelockert, um SpaceX und Anthropic eine schnellere Aufnahme in den Nasdaq 100 zu ermöglichen.

Bitcoin-Treasury-Firmen verlieren 62 Milliarden Dollar an Marktwert

Die Aktien von Unternehmen, die Bitcoin als primäres Anlageprodukt halten – darunter Strategy, Marathon Digital und Riot Platforms – haben seit ihrem Höchststand im Oktober kombiniert rund 62 Milliarden Dollar an Marktwert verloren, da Bitcoin selbst in dieser Woche um rund 14 Prozent auf Viermonatstiefstniveaus gefallen ist. Analysten warnen, dass bei weiter fallenden Kursen viele dieser Firmen vor der Wahl stehen, entweder ihre Bitcoin-Bestände zu verkaufen oder ihre Schulden nicht bedienen zu können. Strategy hatte zuletzt erstmals seit 2022 Bitcoin verkauft, was die Abwärtsdynamik beschleunigte.

Broadcom-Ausblick enttäuscht – Aktie zieht Chipsektor mit nach unten

Broadcoms Kursrückgang von 12,6 Prozent nach seinem Quartalsbericht – trotz solider Zahlen – riss eine Reihe weiterer Chip-Aktien mit, darunter ARM, Micron und AMD mit Verlusten von bis zu 7,7 Prozent, und lastete auf dem gesamten Nasdaq. Kern der Enttäuschung: Das Unternehmen erhöhte die KI-Umsatzprognosen für 2026 und 2027 nicht, obwohl Analysten genau das erwartet hatten – nach einer Verdreifachung des Kurses seit April 2025 lag die Messlatte schlicht zu hoch. Mehrere Experten, darunter JPMorgan, sehen den Rücksetzer dennoch als Kaufgelegenheit und zeigen sich für 2027 optimistisch.

Manchester United springt nach Glazer-Verkaufsgerüchten um 13,5 Prozent

Berichte, wonach einige Mitglieder der Eigentümerfamilie Glazer über einen Verkauf ihrer Anteile am englischen Fußballclub Manchester United diskutieren, trieben die in New York gehandelte Aktie auf den höchsten Stand seit August 2023. Eine abschließende Entscheidung der Familie steht noch aus, doch Kaufinteressenten aus dem Nahen Osten und wohlhabende US-Investoren sollen bereits im Gespräch sein. Der Club, dessen Börsenwert zuletzt unter vier Milliarden Dollar lag, kehrt in der kommenden Saison in die Champions League zurück – was die Attraktivität für potenzielle Käufer erhöht.

Enthält Material von dpa-AFX

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Häufig gestellte Fragen

Warum stockt die KI-Rally bei Halbleiterwerten gerade?

Nach dem enttäuschenden Ausblick von Broadcom – trotz starker Quartalszahlen – gerieten Chip-Aktien wie ARM, Micron und AMD unter erheblichen Druck. Das Kernproblem: Der Markt hatte nach der Kursverdreifachung seit April 2025 eine weitere Anhebung der KI-Umsatzprognosen erwartet, die ausblieb. Hinzu kommen Gewinnmitnahmen in den USA, Japan und Südkorea sowie die Warnung von Anthropic, dass KI-Modelle bald in der Lage sein könnten, sich ohne menschliches Eingreifen selbst zu verbessern – was neue Regulierungsrisiken aufwirft.

Was bedeutet Anthropics Warnung vor einer KI-Verlangsamung für die Branche?

Zwei Anthropic-Gründer warnen, dass Menschen künftig nicht mehr schnell genug in der Lage sein könnten, von KI produzierte Arbeit zu überprüfen. Bereits heute schreibt Claudes KI mehr als 80 Prozent des bei Anthropic eingepflegten Codes. Die Autoren schlagen eine vorübergehende Verlangsamung der KI-Entwicklung vor, räumen aber ein, dass dies ohne ein internationales Abkommen – vergleichbar mit einem Atomwaffensperrvertrag – kaum durchsetzbar wäre. Für Anleger bedeutet das: Regulierungsrisiken für den KI-Sektor nehmen zu.

Warum bleibt SpaceX vorerst aus dem S&P 500 ausgeschlossen?

S&P Global hat klargestellt, seine Aufnahmekriterien nicht für Mega-Cap-Börsengänge anzupassen. Unternehmen müssen weiterhin mindestens zwölf Monate börsennotiert sein und GAAP-Gewinne ausweisen – Bedingungen, die SpaceX mit einem zuletzt ausgewiesenen Verlust von rund 4,9 Milliarden Dollar derzeit nicht erfüllt. Der Nasdaq hingegen hat seine Regeln bereits gelockert, um SpaceX und Anthropic eine schnellere Aufnahme in den Nasdaq 100 zu ermöglichen.