Am Freitag reagiert der DAX auf den US-Arbeitsmarktbericht aus den USA. Außerdem im Fokus: Iran, Bitcoin, Broadcom, SpaceX, Antropic, Manchester United und Wacker Chemie.
US-Arbeitsmarktdaten haben den Dax am Freitagnachmittag nur wenig bewegt. Ein positiver Kurstreiber war der Jobbericht zunächst nicht. Der deutsche Leitindex notierte zuletzt prozentual kaum verändert bei 24.942 Punkten. Die 25.000-Punkte-Marke bleibt im Blick, erweist sich aber als Widerstand.
Auf Wochensicht zeichnet sich für den Dax ein Minus von 0,6 Prozent ab. KI-Sorgen gegen Ende der Woche und nach wie vor zähe Verhandlungen im Iran-Krieg hielten die Anleger etwas zurück.
Der MDax mit den mittelgroßen Börsenunternehmen sank am Nachmittag um 0,19 Prozent auf 32.738 Punkten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gab ebenfalls leicht nach.
Laut der Helaba überraschte im Mai das Stellenplus in den USA deutlich. Insgesamt zeigten die Zahlen eine solide Verfassung des US-Arbeitsmarktes. Zinserhöhungserwartungen bezüglich der US-Notenbank Fed würden in der Tendenz wohl verstärkt.
Nachrichten aus Deutschland
Wacker Chemie
Die US-Bank Citigroup hat das Kursziel für Wacker Chemie von 68 auf 95 Euro angehoben, die Aktien aber von "Neutral" auf "Sell" abgestuft. Wacker sei nach mehreren Maßstäben die teuerste Aktie, schrieb Sebastian Satz in seiner am Freitag veröffentlichten Analyse europäischer diversifizierter Chemieunternehmen. Der Markt überschätze wohl die Chancen im Halbleitergeschäft. Zölle und die US-Solar-Pläne von Tesla seien immense Risiken, auch wenn er hier letztlich kaum mit Belastungen rechne.
RWE
Das Analysehaus Jefferies hat das Kursziel für RWE von 61 auf 63 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen. Nach dem jüngsten Rückschlag böten die Aktien der Essener dasselbe Wachstum zu einem günstigeren Preis, schrieb Ahmed Farman am Donnerstagabend. Er rechnet mit einer Gewinnsteigerung von im Schnitt etwa 10 Prozent per annum bis 2029.
Auto1
Die Aktien von Auto1 haben sich am Freitag mit rund 4 Prozent Plus wieder ihrem Monatshoch bei 23,38 Euro genähert. Im laufenden Jahr liegen die Papiere des Gebrauchtwagenhändlers noch gut 15 Prozent im Minus. Der neue Analyst von Goldman Sachs, Adam Berlin, ist allerdings mit seinem Kursziel von 35 Euro sehr optimistisch. Er rechnet nach seiner Auswertung der europäischen Internet- und Medienbranche mit starkem Wachstum bei Auto1 und sieht noch Spielraum für die Markterwartungen. Er hält Auto1 für unterschätzt - unter anderem hinsichtlich der Wettbewerbsposition.
Internationale Nachrichten
Anthropic warnt: Menschen könnten zur Engstelle der KI-Entwicklung werden
Zwei Anthropic-Gründer haben in einem Blogpost davor gewarnt, dass KI-Modelle so schnell besser werden, dass Menschen bald nicht mehr in der Lage sein könnten, die von KI produzierte Arbeit – etwa Code – schnell genug zu überprüfen. Bereits heute schreibt Claudes KI mehr als 80 Prozent des bei Anthropic eingepflegten Codes, und Ingenieure liefern achtmal so viel Code pro Quartal wie noch vor wenigen Jahren. Die Autoren schlagen eine vorübergehende Verlangsamung der KI-Entwicklung vor, räumen aber ein, dass dies ohne eine Art internationales Abkommen – vergleichbar mit einem Atomwaffensperrvertrag – nicht durchsetzbar wäre.
S&P 500 verweigert Sonderregeln für SpaceX-Aufnahme
S&P Global hat klargestellt, dass es seine Aufnahmekriterien für den S&P 500 nicht für Mega-Cap-Börsengänge wie SpaceX anpassen wird – Unternehmen müssen weiterhin mindestens zwölf Monate börsennotiert sein und GAAP-Gewinne ausweisen. Damit bleibt SpaceX, das zuletzt einen Verlust von rund 4,9 Milliarden Dollar auswies, vorerst von einer S&P-500-Aufnahme ausgeschlossen. Im Gegensatz dazu hat der Nasdaq bereits seine Regeln gelockert, um SpaceX und Anthropic eine schnellere Aufnahme in den Nasdaq 100 zu ermöglichen.
Bitcoin-Treasury-Firmen verlieren 62 Milliarden Dollar an Marktwert
Die Aktien von Unternehmen, die Bitcoin als primäres Anlageprodukt halten – darunter Strategy, Marathon Digital und Riot Platforms – haben seit ihrem Höchststand im Oktober kombiniert rund 62 Milliarden Dollar an Marktwert verloren, da Bitcoin selbst in dieser Woche um rund 14 Prozent auf Viermonatstiefstniveaus gefallen ist. Analysten warnen, dass bei weiter fallenden Kursen viele dieser Firmen vor der Wahl stehen, entweder ihre Bitcoin-Bestände zu verkaufen oder ihre Schulden nicht bedienen zu können. Strategy hatte zuletzt erstmals seit 2022 Bitcoin verkauft, was die Abwärtsdynamik beschleunigte.
Broadcom-Ausblick enttäuscht – Aktie zieht Chipsektor mit nach unten
Broadcoms Kursrückgang von 12,6 Prozent nach seinem Quartalsbericht – trotz solider Zahlen – riss eine Reihe weiterer Chip-Aktien mit, darunter ARM, Micron und AMD mit Verlusten von bis zu 7,7 Prozent, und lastete auf dem gesamten Nasdaq. Kern der Enttäuschung: Das Unternehmen erhöhte die KI-Umsatzprognosen für 2026 und 2027 nicht, obwohl Analysten genau das erwartet hatten – nach einer Verdreifachung des Kurses seit April 2025 lag die Messlatte schlicht zu hoch. Mehrere Experten, darunter JPMorgan, sehen den Rücksetzer dennoch als Kaufgelegenheit und zeigen sich für 2027 optimistisch.
Manchester United springt nach Glazer-Verkaufsgerüchten um 13,5 Prozent
Berichte, wonach einige Mitglieder der Eigentümerfamilie Glazer über einen Verkauf ihrer Anteile am englischen Fußballclub Manchester United diskutieren, trieben die in New York gehandelte Aktie auf den höchsten Stand seit August 2023. Eine abschließende Entscheidung der Familie steht noch aus, doch Kaufinteressenten aus dem Nahen Osten und wohlhabende US-Investoren sollen bereits im Gespräch sein. Der Club, dessen Börsenwert zuletzt unter vier Milliarden Dollar lag, kehrt in der kommenden Saison in die Champions League zurück – was die Attraktivität für potenzielle Käufer erhöht.
Enthält Material von dpa-AFX
Häufig gestellte Fragen
Warum stockt die KI-Rally bei Halbleiterwerten gerade?
Nach dem enttäuschenden Ausblick von Broadcom – trotz starker Quartalszahlen – gerieten Chip-Aktien wie ARM, Micron und AMD unter erheblichen Druck. Das Kernproblem: Der Markt hatte nach der Kursverdreifachung seit April 2025 eine weitere Anhebung der KI-Umsatzprognosen erwartet, die ausblieb. Hinzu kommen Gewinnmitnahmen in den USA, Japan und Südkorea sowie die Warnung von Anthropic, dass KI-Modelle bald in der Lage sein könnten, sich ohne menschliches Eingreifen selbst zu verbessern – was neue Regulierungsrisiken aufwirft.
Was bedeutet Anthropics Warnung vor einer KI-Verlangsamung für die Branche?
Zwei Anthropic-Gründer warnen, dass Menschen künftig nicht mehr schnell genug in der Lage sein könnten, von KI produzierte Arbeit zu überprüfen. Bereits heute schreibt Claudes KI mehr als 80 Prozent des bei Anthropic eingepflegten Codes. Die Autoren schlagen eine vorübergehende Verlangsamung der KI-Entwicklung vor, räumen aber ein, dass dies ohne ein internationales Abkommen – vergleichbar mit einem Atomwaffensperrvertrag – kaum durchsetzbar wäre. Für Anleger bedeutet das: Regulierungsrisiken für den KI-Sektor nehmen zu.
Warum bleibt SpaceX vorerst aus dem S&P 500 ausgeschlossen?
S&P Global hat klargestellt, seine Aufnahmekriterien nicht für Mega-Cap-Börsengänge anzupassen. Unternehmen müssen weiterhin mindestens zwölf Monate börsennotiert sein und GAAP-Gewinne ausweisen – Bedingungen, die SpaceX mit einem zuletzt ausgewiesenen Verlust von rund 4,9 Milliarden Dollar derzeit nicht erfüllt. Der Nasdaq hingegen hat seine Regeln bereits gelockert, um SpaceX und Anthropic eine schnellere Aufnahme in den Nasdaq 100 zu ermöglichen.