Zum Wochenstart steht der DAX heftig unter Druck. Das belastet den deutschen Leitindex jetzt. Außerdem stehen die folgenden Themen im Fokus: Iran, Porsche, Öl, Meta, Monte Paschi und die IPO-Welle.
Die jüngste Talfahrt des Dax dürfte sich am Montag wegen schlechter globaler Vorgaben und der wieder eingetrübten Lage im Nahen Osten nochmals etwas verschärfen. Der Broker IG taxierte den deutschen Leitindex vor dem Xetra-Start 1,2 Prozent tiefer auf 24.462 Punkte. Er wird damit wohl deutlich unter die 21-Tage-Linie fallen, die aktuell bei 24.700 Zählern verläuft.
Die Gewinnmitnahmen an den US-Börsen hatten sich am Freitagabend nach dem US-Arbeitsmarktbericht beschleunigt und dies spiegelte sich zu Wochenbeginn auch im asiatischen Handel wider - vor allem an den technologielastigen Börsen in Tokio, Taiwan und Südkorea, die zuletzt stark von KI-Fantasie profitiert hatten. "Wenn sich der heißeste Tummelplatz plötzlich in eine hektische Fluchtsituation verwandelt, bleibt das den Händlern nicht verborgen", erklärte Stephen Innes, Managing Partner bei SPI Asset Management.
Als Belastung kommt die erneute Eskalation des Konflikts zwischen dem Iran und Israel hinzu. Beide Länder vermeldeten zuletzt gegenseitigen Raketenbeschuss - obwohl US-Präsident Donald Trump den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu Medienberichten zufolge dazu aufforderte, auf eine Vergeltung neuer Angriffe des Irans zu verzichten. Israels Luftwaffe hat Ziele im Westen und im Zentrum des Irans angegriffen. Die Ölpreise legten deswegen zum Wochenstart deutlich zu.
Nachrichten aus Deutschland
UBS hebt Porsche AG auf 'Buy' - Ziel 60 Euro
Die Schweizer Großbank UBS hat das Kursziel für die Aktien der Porsche AG von 40 auf 60 Euro angehoben und die Papiere von "Neutral" auf "Buy" hochgestuft. "Die Ikone schlägt zurück", schrieb Patrick Hummel in seiner am Montag veröffentlichten Kaufempfehlung. Der Turnaround zu alter Stärke sei zwar eine Frage von Jahren, jetzt sei allerdings aus seiner Sicht der Zeitpunkt zum Einstieg gekommen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Schätzungen für 2030 liege mit 11 weniger als halb so hoch wie aktuell mit 25.
Partners-Group-Gründer will nach Kurseinbruch besser kommunizieren
Nach den jüngsten Turbulenzen und dem massiven Kurseinbruch der Partners-Group-Aktie hat Firmenmitgründer Fredy Gantner eine aktivere Kommunikation gegenüber Anlegern angekündigt. "Wir müssen definitiv besser und proaktiver kommunizieren", sagte er in einem am Samstag veröffentlichten Gespräch mit der "SonntagsZeitung". Er sprach von einer "schmerzhaften Lektion".
Gantner bezeichnete die heftige Marktreaktion auf die jüngsten Entwicklungen als Branchenproblem und als "massive Überreaktion". Es sei offensichtlich, dass der Irankrieg tiefe Spuren hinterlasse und nicht so verlaufe, wie es sich US-Präsident Donald Trump erhofft habe. Die Unsicherheit bleibe hoch, und das wirke sich auf die Kapitalmärkte aus.
Vom Unternehmen zeigte sich der Mitgründer weiterhin überzeugt. "Partners Group hat ein Rekordjahr hinter sich, ist gut unterwegs im laufenden Jahr und handelt nun an einer rund 7-prozentigen Dividendenrendite", bekräftigte er. Trotz der Rücknahmen im Privatkundengeschäft sei der Trend bei den Kundengeldern positiv. Für 2026 erwartet die Gesellschaft weiterhin Bruttoneugeldzuflüsse von 26 bis 32 Milliarden US-Dollar.
Lufthansa und TUI wegen Ölpreisen schwach
Angesichts der wieder steigenden Ölpreise zeigen sich am Montag vorsbörslich vor allem die Aktien der Reisekonzerne Lufthansa und TUI schwach.
Nachrichten international
Intesa will Konkurrenten Monte Paschi für 30,6 Milliarden Euro übernehmen
Die italienische Großbank Intesa Sanpaolo will den heimischen Konkurrenten Banca Monte dei Paschi di Siena für etwas mehr als 30 Milliarden Euro übernehmen. Den Monte-Paschi-Aktionären werden ein Euro in bar sowie 1,6 eigene Aktien geboten, wie die Intesa am Montag in Turin mitteilte. Damit werde eine Monte-Paschi-Aktie mit etwas mehr als zehn Euro bewertet. Das sei eine Prämie von 12,5 Prozent im Vergleich zum Schlusskurs vom Freitag. Die Offerte bewertet die Monte-Paschi-Aktien insgesamt mit rund 30,6 Milliarden Euro.
Damit kontert die Intesa einen Vorstoß der deutlich kleineren Banco BPM, die am Wochenende mitgeteilt hat, mit der Monte Paschi zusammengehen zu wollen. Die Banco BPM hatte keinen Wert der potenziellen Offerte für die Monte Paschi genannt. Es hatte lediglich geheißen, dass die fusionierte Bank auf einen gemeinsamen Börsenwert von mehr als 50 Milliarden Euro kommt. Die Banco BPM kommt lediglich auf eine Marktkapitalisierung von rund 20 Milliarden Euro.
Die Intesa ist wiederum mit einem Börsenwert von knapp 100 Milliarden Euro deutlich größer
Meta erwägt milliardenschwere Kapitalerhöhung - Aktie verliert
Der Facebook-Konzern Meta erwägt einem Pressebericht zufolge eine Kapitalerhöhung im Umfang von mehreren zehn Milliarden US-Dollar. Das Geld solle in die Entwicklung der KI-Infrastruktur fließen, berichtete die "Financial Times" am Freitag auf ihrer Onlineseite. Meta hatte Ende April Investitionen von 125 und 145 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Die vorherige Spanne hatte bei 115 bis 135 Milliarden Dollar gelegen. 2025 gab der Konzern vor allem für den Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz gut 72 Milliarden Dollar aus. Die Ankündigung hatte den Aktienkurs deutlich belastet. Am Freitag verlor das Papier in einem ohnehin schwierigen Marktumfeld bis zu sieben Prozent.
Meta-Chef Mark Zuckerberg hat große Ambitionen, Rivalen wie den ChatGPT-Entwickler OpenAI sowie Google und Elon Musks KI-Firma xAI bei Künstlicher Intelligenz zu überflügeln. Dafür ist er bereit, viele Milliarden auszugeben - selbst mit dem Risiko, zu viele Rechenzentren-Kapazitäten aufzubauen.
Die Google-Konzernmutter Alphabet hatte am Dienstag eine Kapitalerhöhung über 80 Milliarden Dollar angekündigt. Diese dürfte damit eine der größten aller Zeiten sein. Im Zuge des Geschäfts übernimmt auch die Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway von US-Investorenlegende Warren Buffett Papiere für 10 Milliarden Dollar.
Eli Lilly zeigt Wirksamkeit neues Abnehmmedikament bei Frauen in allen Menopausephasen
Neue Auswertungen aus zwei klinischen Spätphasenstudien zeigen, dass Lillys experimentelles Abnehmmittel Foundayo bei über 1.500 Frauen unabhängig von ihrem Menopausestatus zu deutlichen Gewichtsreduktionen von bis zu 14 Prozent geführt hat. In der Studie ohne Diabetesdiagnose verloren Frauen durchschnittlich zwischen 28 und 30 Pfund, wobei 80 bis 83 Prozent der Teilnehmerinnen den klinisch relevanten Schwellenwert von mindestens 5 Prozent Gewichtsverlust erreichten. Die Ergebnisse könnten Lillys Adipositas-Franchise erheblich erweitern, da Menopause als Behandlungszielgruppe in bisherigen Studien kaum untersucht wurde – Foundayo ist noch nicht zugelassen.
Iran beschießt Israel – Ölpreise springen über 95 Dollar
Der Iran hat nach einem israelischen Luftangriff auf Beirut, der auf Hisbollah-Ziele abzielte, mehrere Raketenwellen auf Israel abgefeuert – das erste derartige Angriff seit dem Waffenstillstand im April. Israel erklärte, alle Raketen abgefangen zu haben, und antwortete seinerseits mit Luftschlägen auf militärische Ziele in Iran, darunter in Teheran, Tabris und Isfahan. Brent-Öl stieg in der Folge auf über 95 Dollar pro Barrel, während Trump Iran und Netanjahu öffentlich zur Zurückhaltung aufrief, offenbar ohne Erfolg.
KI-IPO-Welle könnte Marktgleichgewicht verschieben
Die bevorstehenden Börsengänge von SpaceX, OpenAI und Anthropic könnten laut Bloomberg-Analysen bis zu eine Billion Dollar an neuen Aktien auf den Markt bringen und damit Kapital aus bisherigen KI-Profiteuren wie Nvidia, Broadcom oder Tesla abziehen, die bisher als indirekter Zugang zu privaten KI-Giganten fungierten. Goldman Sachs schätzt, dass durch ablaufende Haltefristen bis 2027 rund eine Billion Dollar an zusätzlichem Aktienangebot entstehen könnte, was Bewertungen unter Druck setzen dürfte. Besonders Tesla könnte leiden, da SpaceX künftig als direktes börsennotiertes Vehikel für Elon-Musk-Exposure zur Verfügung steht.
Enthält Material von dpa-AFX
Häufig gestellte Fragen
Warum gerät der DAX zum Wochenstart so stark unter Druck?
Gleich mehrere Belastungsfaktoren treffen zusammen: Gewinnmitnahmen an den US-Börsen nach dem Arbeitsmarktbericht, schwache Vorgaben aus Tokio, Taiwan und Südkorea sowie eine erneute Eskalation im Nahen Osten. Iran und Israel lieferten sich gegenseitigen Raketenbeschuss, was die Ölpreise auf über 95 Dollar je Barrel trieb und risikoreichere Anlagen wie Aktien unter Druck setzte. Der DAX fiel damit deutlich unter seine 21-Tage-Linie bei 24.700 Punkten.
Was bedeutet die geplante KI-IPO-Welle mit SpaceX, OpenAI und Anthropic für bestehende KI-Aktien?
Die bevorstehenden Börsengänge könnten laut Bloomberg-Analysen bis zu eine Billion Dollar an neuen Aktien auf den Markt bringen und damit Kapital aus bisherigen KI-Profiteuren wie Nvidia, Broadcom oder Tesla abziehen. Goldman Sachs schätzt, dass durch ablaufende Haltefristen bis 2027 rund eine weitere Billion Dollar an zusätzlichem Aktienangebot entstehen könnte. Besonders Tesla könnte leiden, da SpaceX künftig als direktes börsennotiertes Elon-Musk-Investment zur Verfügung steht.
Warum plant Meta eine milliardenschwere Kapitalerhöhung und was bedeutet das für Aktionäre?
Meta erwägt laut Financial Times eine Kapitalerhöhung im Umfang von mehreren zehn Milliarden Dollar, um seine KI-Infrastruktur weiter auszubauen – on top der bereits angekündigten Investitionen von bis zu 145 Milliarden Dollar für 2026. Für bestehende Aktionäre bedeutet eine Kapitalerhöhung eine Verwässerung ihrer Anteile, was den Kurs kurzfristig belastet. Langfristig setzt CEO Mark Zuckerberg darauf, KI-Rivalen wie OpenAI, Google und xAI zu überflügeln – ob diese Strategie aufgeht, bleibt abzuwarten.