Seit Ende März hat der S&P 500 um 13 Prozent zugelegt. Damit zählt die Bewegung zu den stärksten Rallys seit 1980. Viele Anleger fragen sich daher: Ist der Markt inzwischen zu heiß gelaufen?

Ende März konnten sich wohl nur die wenigsten Anleger vorstellen, dass der S&P 500 nicht einmal drei Monate später erstmals die Marke von 7.500 Punkten knacken würde. Und das, obwohl der Iran-Konflikt weiterhin ungelöst ist und der Ölpreis auf einem erhöhten Niveau verharrt.

Mit den steigenden Kursen nehmen jedoch auch die Sorgen zu, dass sich am Aktienmarkt eine Blase ähnlich wie zur Dotcom-Zeit bilden könnte. Im Zuge dessen hat Goldman Sachs am Freitag einen Report veröffentlicht, in dem die Bank ihre aktuelle Einschätzung zum Markt mitteilt. Sie sieht zwar Anzeichen einer kurzfristigen Überhitzung, von einer irrationalen Blasenbildung ist der Markt aber noch entfernt. Das sind die Gründe:

Grund 1: Viel Optimismus, aber noch keine Überhitzung

Goldman Sachs hat in seinem Report neun Indikatoren aus vier Bereichen untersucht: Kursentwicklung, Handelsaktivität, Anlegerstimmung und Unternehmensaktivität. Demnach liegen die Euphorie-Indikatoren im 86. Perzentil der historischen Werte seit 1995.

Das ist zwar ein deutlich erhöhtes Niveau, aber noch kein Extremwert. Während der Dotcom-Blase erreichten diese Indikatoren das 100. Perzentil. Am Markthoch im Jahr 2021 lagen sie bei 95 Prozent.

Wichtig: Der Report wurde am Freitag veröffentlicht und dürfte die schwache Marktreaktion zum Ende der Handelswoche noch nicht vollständig berücksichtigen. Nach den überraschend starken Arbeitsmarktdaten verlor der Nasdaq-100 rund fünf Prozent an nur einem Handelstag. Durch diesen Rücksetzer dürfte bereits ein Teil der vorherigen Euphorie wieder abgebaut worden sein. Aus dieser Perspektive könnte die Korrektur sogar als gesunde Abkühlung nach der starken Rally gewertet werden.

Grund 2: Starke Gewinnentwicklung als Haupttreiber der Rally

Ein entscheidender Unterschied zu vielen spekulativen Marktphasen ist die Gewinnentwicklung: Laut Goldman Sachs sind die Gewinnerwartungen für den S&P 500 in diesem Jahr bereits um 16 Prozent gestiegen. Der Index selbst hat im gleichen Zeitraum nur um 8 Prozent zugelegt. Das bedeutet, dass die Bewertungen im Vergleich zum Anfang des Jahres sogar gesunken sind.

Goldman Sachs erwartet zudem ein weiterhin starkes Gewinnwachstum. Für 2026 prognostiziert die Bank einen Gewinn je Aktie von 340 Dollar im S&P 500. Das wäre ein Anstieg von 24 Prozent gegenüber 2025.

Grund 3: Es gibt Spekulation, aber auch viel Skepsis

Der Handel in hoch bewerteten Aktien hat laut Goldman Sachs zuletzt deutlich zugenommen. Besonders Titel mit einem Enterprise-Value-to-Sales-Verhältnis von mehr als 10 werden inzwischen wieder sehr stark gehandelt. Die Aktivität liege nahe an den höchsten Werten der vergangenen Jahrzehnte und wurde nur im Jahr 2000 noch übertroffen. Das ist zweifellos ein Warnsignal.

Gleichzeitig zeigt der Markt aber weiterhin ein hohes Maß an Skepsis. Die Short-Quote der durchschnittlichen S&P-500-Aktie liegt aktuell bei 3,2 Prozent der Marktkapitalisierung. Das ist deutlich mehr als bei den Hochs in den Jahren 2000 und 2021.

Auch die Anlegerumfragen liefern kein eindeutig euphorisches Bild. In der aktuellen AAII-Umfrage überwiegen die Pessimisten mit 37 Prozent sogar leicht. Nur 36 Prozent der befragten Anleger sind bullish.

Dazu passt auch der CNN Fear & Greed Index. Nach dem Abverkauf am Freitag liegt dieser erstmals seit fast zwei Monaten wieder im Bereich „Furcht“. Auch das spricht nicht gerade für eine irrationale Blasenbildung.

Grund 4: Emissions-Aktivität nicht übertrieben

Goldman Sachs erwartet, dass 2026 in absolutem Dollarvolumen gemessen ein Rekordjahr für Aktienemissionen wird. Gemessen an der gesamten Marktkapitalisierung soll das Emissionsvolumen jedoch ungefähr auf dem Durchschnittsniveau der Jahre 2015 bis 2019 liegen. Zudem erwartet die Bank, dass Aktienrückkäufe das neue Angebot weiterhin übersteigen.

Auch die IPO-Aktivität ist weit von früheren Extremwerten entfernt. Während 1999 fast 400 Börsengänge stattfanden, dürfte die Zahl in diesem Jahr eher dem langfristigen Durchschnitt von rund 100 IPOs entsprechen.

Fazit: Erste Warnsignale, aber noch keine Blase

Goldman Sachs sieht am US-Aktienmarkt klare Anzeichen für gestiegene Euphorie und Spekulation. Dennoch ist die Rally von stark ansteigenden Gewinnerwartungen untermauert. Solange die Unternehmen die hohen Erwartungen in den kommenden Quartalen tatsächlich erfüllen, spricht wenig für eine irrationale KI-Blase.

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Häufig gestellte Fragen:

Ist die steigende IPO-Aktivität ein Warnsignal?

Nur bedingt. Zwar nimmt die Emissions-Aktivität zu, relativ zur gesamten Marktkapitalisierung bleibt sie laut Goldman Sachs aber ungefähr auf normalem Niveau. Auch die Zahl der IPOs liegt weit unter den Extremwerten von 1999.

Warum spricht die Gewinnentwicklung gegen eine Blase?

Laut Goldman Sachs sind die Gewinnerwartungen für den S&P 500 in diesem Jahr stärker gestiegen als der Index selbst. Dadurch sind die Bewertungen sogar gesunken.

Ist der Abverkauf am Freitag bereits im Bericht enthalten?

Vermutlich nicht vollständig. Da der Report am Freitag veröffentlicht wurde, dürfte der starke Rücksetzer zum Ende der Handelswoche noch nicht komplett berücksichtigt sein. Dadurch könnte bereits ein Teil der vorherigen Euphorie abgebaut worden sein.

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