Der Softwareriese SAP geht beim Thema KI in die Offensive und hat binnen weniger Tage gleich drei Zukäufe in verkündet. In den wohl spannendste Neuzugang– aus Freiburg – will SAP binnen vier Jahren über eine Milliarde Euro investieren. 

Große Sprachmodelle können vieles – aber sie tun sich schwer mit strukturierten Geschäftsdaten. Tabellen, Zahlen, Statistiken: Hier stoßen die klassischen KI-Modelle schnell an ihre Grenzen, wie viele Anwender schon leidvoll erfahren haben. Genau diese Lücke hat das Freiburger Start-up Prior Labs geschlossen. Ihr Modell mit dem Namen „TabPFN“, veröffentlicht in der renommierten Fachzeitschrift Nature, schlägt klassische maschinelle Lern-Pipelines ohne stundenlangen Einrichtungsaufwand – mit einem einzigen Modell. Über drei Millionen Downloads belegen die Relevanz der Technologie.

Auf die Fehlereanfälligkeit herkömmlicher Large Language Modelle (LLM) bei Zahlen, nciht nur aus Excel-Tabellen, hatte jüngst auch der Technolgie-Experte Thomas Rappold im Youtube-Interview mit BÖRSE ONLINE hingewiesen. 

Prior-Mangement ein Who ist Who der Branche

Hinter Prior Labs stehen keine Unbekannten, wie das „Handelsblatt“ berichtet: Gründer Frank Hutter gilt als weltweit meistzitierter Forscher im Bereich des automatisierten maschinellen Lernens, Co-Gründer Noah Hollmann kommt von Google. Im Beirat sitzt Yann LeCun, der ehemalige Leiter des KI-Teams bei Meta. Das Unternehmen wurde erst Ende 2024 gegründet und erhielt im Februar 2025 in seiner einzigen Finanzierungsrunde rund neun Millionen Euro.

Das Tempo, das Prior Labs vorlegt, nötigt dem Tech-Investor Frank Thelen höchsten Respekt ab. In einem Post auf LinkedIn schrieb Thelen: „Gut ein Jahr nach der einzigen Finanzierungsrunde über neun Millionen Euro im Februar 2025 folgt jetzt ein €1B+ Exit mit mehr als einer halben Milliarde Dollar Cash upfront an die Gründer. Für ein Team, das eine völlig neue KI-Kategorie aus dem Nichts gebaut hat.“

SAP investiert über eine Milliarde Euro

Nun übernimmt SAP das Freiburger Start-up und verpflichtet sich, in den kommenden vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro zu investieren. Ziel ist es, Prior Labs zu einem weltweit führenden KI-Forschungslabor auszubauen. Der Kaufpreis dürfte nach Informationen des „Handelsblatts“ aus Branchenkreisen im mittleren dreistelligen Millionenbereich liegen und eine Vorabauszahlung von mehr als einer halben Milliarde Dollar an die Gründer enthalten. Ein beeindruckender Exit für ein Unternehmen, das erst gut ein Jahr alt ist.

Prior Labs soll dabei auch im SAP-Konzern als vollständig eigenständige Einheit weitergeführt werden – mit eigener Forschungsagenda, eigenem Team und eigener Geschwindigkeit. Das Modell erinnert an die Integration von DeepMind bei Google. SAP liefert das Kapital, die Daten und den Zugang zu über 400.000 Unternehmenskunden weltweit.

Drei Übernahmen für die KI-Offensive

Prior Labs ist nicht die einzige Akquisition, mit der SAP seine KI-Strategie in der vergangenen Woche untermauert hat. Parallel übernahm der DAX-Konzern Dremio, einen Spezialisten für die direkte Abfrage von Daten aus verschiedenen Systemen. Das passiert nach Firmenangaben ohne Kopieren oder Umformatieren, im Fachjargon als „Data Lakehouse“ bekannt. Zuvor hatte SAP bereits die Übernahme von Reltio angekündigt, einem Anbieter für Datenmanagement.

Alle drei Akquisitionen stehen noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen. Gemeinsam sollen sie die Datengrundlage für SAPs KI-Agenten schaffen. Damit sendet der Softwareriese ein starkes Signal an die Konkurrenz und bricht gleichzeitig eine Lanze für den KI-Standort Europa.

Jetzt muss nur noch der Kurs nachziehen.

SAP (WKN: 879535)

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Häufige Fragen zum Thema

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BÖRSE ONLINE rät bei den Aktien von SAP nicht zum Kauf.

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Die Analysten raten bei der Aktie von SAP überwiegend zum Kauf und sehen vom aktuellen Niveau 54 Prozent Kurspotenzial.

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Die Dividendenrendite bei SAP liegt bei 1,8 Prozent.