Viele hatten auf Besserung gehofft, doch die Probleme bei Volkswagen sind offenbar noch tiefgreifender als bisher gedacht. Während Mercedes am Mittwoch mit einem geringeren Gewinnrückgang überrascht hatte als befürchtet, setzt sich die Talfahrt bei Volkswagen unvermindert fort. Im ersten Quartal ist der VW-Konzern unter anderem wegen der Kosten für die US-Einfuhrzölle bei der Profitabilität weiter unter Druck geraten. Die operative Marge lag bei 3,3 Prozent, rund 0,4 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert, wie der DAX-Konzern am Donnerstag in Wolfsburg mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit 3,7 Prozent gerechnet. Laut Finanzchef Arno Antlitz erzielte Europas größter Autobauer vor Sondereffekten eine Marge von 4,3 Prozent. Das sei jedoch ein weiterhin viel zu niedriges Niveau, sagte er.
Das operative Ergebnis ging insgesamt um gut 14 Prozent auf 2,46 Milliarden Euro zurück, der Umsatz sank um 2,5 Prozent auf 75,7 Milliarden Euro. Unter dem Strich rutschte das Ergebnis nach Steuern gegenüber dem Vorjahr noch einmal um gut 28 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro ab.
Vorstandschef sieht „spürbare Fortschritte“
VW-Chef Oliver Blume sieht dennoch „spürbare Fortschritte“. „Im Segment Pkw und leichte Nutzfahrzeuge liegt das operative Ergebnis um rund 43 Prozent über Vorjahr. Unsere Produktoffensive kommt bei unseren Kundinnen und Kunden an. Unsere Kostenarbeit trägt Früchte.“ Das finanzielle Ergebnis zeige, dass VW sein Geschäftsmodell konsequent weiterentwickeln müsse. „Produkte, Technologien und Wertschöpfung richten wir noch regionaler aus. Vor allem verschaffen wir uns aus dem globalen Geschäft entscheidende Vorteile im Innovationswettlauf – auf unserem Weg zum globalen Technologietreiber der Automobilindustrie“, sagte Blume.
Noch schlägt sich das allerdings nicht in steigenden Absatzzahlen nieder: Im ersten Quartal verkaufte der Volkswagen-Konzern zwei Millionen Fahrzeuge, sieben Prozent weniger als ein Jahr zuvor (2,1 Millionen). Immerhin sei der Auftragsbestand im Konzern in Europa gegenüber Jahresende 2025 um rund 15 Prozent gestiegen.
Großbaustelle Audi
Eine große Baustelle bleibt weiterhin Audi: In der Konzerngruppe Progressive, zu der vor allem die Premiumtochter gehört, ging der Umsatz sogar um 8,1 Prozent zurück, das operative Ergebnis lag mit 0,6 Milliarden Euro aber über dem Vorjahr. Die operative Umsatzrendite von 4,2 Prozent ist für einen Premium-Anbieter weiterhin indiskutabel.
Bereits am Mittwochabend hatte die Sportwagentochter Porsche Zahlen gemeldet. Sie konnte Marge und Ergebnis leicht steigern.
Trotz des Rückschlags hat VW seine Jahresprognose bestätigt. Demnach plant der Vorstand mit einem weitgehend stagnierenden Umsatz (plus 0 bis 3 Prozent), einer operativen Rendite von vier bis 5,5 Prozent und einem Netto-Cashflow von drei bis sechs Prozent.
Was das für die Aktie bedeutet
Mit den erneut enttäuschenden Zahlken schrumpfen die Hoffnungen auf einen baldigen Turnaround, die viele Aktionäre angesichts des scheinbar günstigen KGVs von gerade mal vier bisher noch bei der Stange gehatlen haben. Auch die Börse nahm die Zahlen eher mit Fatslismus auf - obwohl sie durch erste Vorab-Ergebnisse im März schon vorgewarnt war: Die VW-Vorzugsaktie, die bereits am Vortag infolge der steigenden Ölpreises gefallen war, fiel am Donnerstag im Vormittagshandel um drei Prozent unter die Marke 84 Euro.
Was den Kurs derzeit noch stabilisiert ist die Dividende: Nach der Hauptversammlung am 18. Juni wird VW für jede Vorzugsaktie 5,26 Euro ausschütten, für die Stämme 5,20 Euro. Das entspricht auf Basis des heutigen Kurses einer Dividendenrendite von 6,26 Prozent - vorausgesetzt, die Aktie kann ihr Kursniveau danach bis zum Ausschüttungstermin im nächsten Jahr halten.
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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor und der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, sind unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz..
Häufige Fragen zun Thema
Wie hoch fällt im Jahr 2026 die Dividende auf VW-Aktien aus?
Volkswagen schüttet für das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 5,20 Euro je Stammaktie und 5,26 Euro je Vorzugsaktie aus.
Wie hoch ist die Dividendenrendite bei Volkswagen?
Bezogen auf die Vorzugsaktie bedeuten 5,26 Euro Dividende zum aktuellen Kurs von 84 Euro eine Rendite von 6,26 Prozent (Stand 30.4.2026).
Wann schüttet VW die Dividende aus?
Die Dividende muss noch auf der Hauptversammlung am 18. Juni 2026 von den Aktionären beschlossen werden. Die Ausschüttung soll am 23. Juni auf den Konten der Aktionär eingehen.