Der Softwareriese Microsoft hat am Mittwochabend nach Börsenschluss in den USA Zahlen zu seinem dritten Geschäftsquartal gemeldet. Nachdem die Aktie seit Jahresanfang in Dollar gerechnet schon elf Prozent verloren hatte, waren die Erwartungen enorm.
Microsoft hat mit seinen Zahlen zum1. Quartal die Erwartungen der Börse übertroffen.
- Der Windows-Konzern meldet einen Umsatz von 82,9 Milliarden Dollar (+18 Prozent gegenüber Vorjahr, 81,46 Milliarden Dollar erwartet)
- Der operative Gewinn erreichte 38,4 Milliarden Dollar, erwartet worden waren nur 36,9 Milliarden Dollar.
- Auch beim Gewinn liegt Microsoft deutlich über dem Markt. Der Nettogewinn stieg auf 31,9 Milliarden Dollar oder 4,27 Dollar je Aktie, das sind 5,7 Prozent mehr als die im Konsens erwarteten 4,04 Dollar je Aktie.
Den Investoren schmeckten die Zahlen jedoch auf den zweieten Blick nicht: Die Aktie fiel nachbörslich in New York um 2,3 Prozent (Stand 22:50 Uhr). Hauptgrdn dafür sind die immer noch seher langsam wachsenden Abozahlen für KI-Assistenten Copilot sowie überraschend rückläufige Lizenzverkäufe im Windows-Segment.
Einen Ausblick auf das vierte Quartal will Microsoft erst im Analystencall geben, der später am Abend stattfindet.
Im Fokus der Investoren stehen bei Microsoft naturgemäß die Cloud-Umsätze rund um Azure, zu denen auch innerbetriebliche Filesharing-Anwendungen wie Sharepoint gehören, sowie die KI-Anwendungen, die Microsoft als Abomodell im sogenannten „Copilot“ vermarktet. Im letzten Quartal hatte das Unternehmen allerdings einräumen müssen, dass nur etwa drei Prozent seiner Nutzer von Office-Software auch für den Copilot zahlten.
Erst am Dienstag hatte Microsoft bekanntgegeben, dass die Modelle von OpenAI nicht mehr exklusiv für Azure verfügbar sein werden und Microsoft im Gegenzug keinen Anteil der Einnahmen aus der Nutzung dieser Modelle mehr an OpenAI abführen wird.
Die Anleger werden außerdem darauf achten, ob das Unternehmen schnell genug zusätzliche Rechenzentrumskapazitäten bereitstellen kann, um von der Nachfrage nach Cloud- und KI-Diensten zu profitieren.
Analysten unterscheiden daher neuerdings zwischen „Microsoft Cloud“ und „Intelligent Cloud“.
Fast alle Kenngrößen liegen über den Erwartungen
„Wir haben bei Umsatz, Betriebsergebnis und Gewinn pro Aktie Ergebnisse erzielt, die die Erwartungen übertroffen haben. Dies spiegelt unsere erfolgreiche Umsetzung und die wachsende Nachfrage nach der Microsoft Cloud wider“, sagte Amy Hood, Executive Vice President und Chief Financial Officer von Microsoft in der Mitteilung.
Der Umsatz im Cloudgeschäft rund um Azure stieg um 40 Prozent und damit etwas mehr als die erwarteten 39 Prozent. Auch der Cloud-Umsatz lag mit 34,68 Milliarden Dollar über den Erwartungen von 34,32 Milliarden Dollar (Quelle der Schätzungen: Bloomberg).
Microsoft hat seinem dritten Geschäftsquartal, das am 31. März endete, außerdem 31,9 Milliarden Dollar in Rechenzentren und Leasingverträge investiert. Das sind 49 Prozent mehr als im Vorjahr, aber weniger als die von Analysten erwartete Summe von 34,9 Milliarden Dollar.
Hinweis: Weitere Quartalszahlen vom Mittwochabend finden Sie hier
Anstieg der Copilot-Abonnements
Im Vorquartal waren Analysten enttäuscht darüber, dass Microsoft bis dato nur drei Prozetn seiner Office-Kunden zu einem Abonnement für den KI-Assistenten Copilot bewegen konnte. Diese Zahl scheint im letzten Quartal deutlich angestiegen zu sein. Microsoft meldet nun mehr als 20 Millionen kommerzielle Lizenzen für den „365 Copilot“. Zuletzt hatte das Unternehmen noch 15 Millionen Lizenzen angegeben.
Der Geschäftsbereich „More Personal Computing“ von Microsoft, zu dem das Windows-Betriebssystem, Xbox, Surface-Geräte und Bing-Suchwerbung gehören, trug 13,19 Milliarden US-Dollar zum Umsatz bei, ein Rückgang um ein Prozent. Die Konsensschätzung lag bei 12,73 Milliarden US-Dollar. Der annualisierte Umsatz aus dem KI-Geschäft beläuft sich nun insgesamt auf 37 Milliarden US-Dollar, was einen Anstieg von 123 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet.
Windows schwächelt etwas
Der Umsatz mit Windows-Lizenzen ging jedoch um zwei Prozent zurück. Dsa ist eine Enttäuschung, denn der Technologie-Marktforscher Gartner hatte geschätzt, dass die PC-Auslieferungen im Quartal um vier Prozent gestiegen sind.
Ein weiters, neues Thema rund um Microsoft sind die verbleibenden Leistungsverpflichtungen im gewerblichen Bereich, die damit nicht realisierte Umsätze und Beträge abbildxen. Diese Größe spielt auch bei Softwareunternehemn wie SP oder Salesforce ein Rolle, die ihre Lizenzen seit jeher in Abomodellen oder Lizenzen pro "Seat" vertreiben. Bei Microsoft steht diese Größe nun bei 627 Milliarden US-Dollar, ein Ansteg um zwei Milliarden Dollar gegenüber dem Vorquartal.
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Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Microsoft.