Der europäische Chemiesektor profitiert derzeit von den Spannungen rund um den Iran-Krieg und den Lieferschwierigkeiten der asiatischen Konkurrenz. Jetzt passt Goldman Sachs die Kursziele für deutsche Chemieaktien wie BASF, Lanxess oder Evonik an. Grund dafür ist die ausbleibende Sonderkonjunktur.

Analystin Georgina Fraser prognostiziert einen Abschwung des erstarkten Sektors. Sie hat mehrere Chemieaktien umgestuft: Evonik, Symrise und Lanxess sieht sie nun pessimistischer, bei BASF bleibt sie hingegen optimistisch. Die ausbleibende Sonderkonjunktur in Verbindung mit den sinkenden Nachfragen und dem Exportdruck aus China würden die vermeintlichen Marktchancen auffressen, so Fraser. Die Aktien des gesamten Sektors gaben daraufhin nach.

Goldman Sachs stuft Chemieaktien neu ein

Der europäische Chemiesektor konnte in den letzten Wochen zulegen und zählt in 2026 zu den stärksten Branchen an der Börse. Trotz der Kursrally bleibt die tatsächliche Nachfrage im Chemiesektor jedoch schwach. Bisher überstrahlten steigende Preise und gute Quartalszahlen dieses Defizit. Doch eine Branchenstudie der US-Großbank Goldman Sachs belastet nun den Sektor . In der Branche seien die Fähigkeiten sehr unterschiedlich verteilt, wie gut die einzelnen Akteure mit einer schwächeren Nachfrage und höheren Kosten umgehen können, so die Analystin. Daher bevorzugt Fraser nun defensivere Chemieaktien mit stärkerer Preismacht.

Infolgedessen änderte sie Empfehlungen bei einigen Chemie-Titeln. Hier sind die überarbeiteten Kursziele für die Branche:

Aktie Aktueller Kurs (Stand: 8. Juni 2026, 15:38 Uhr) Kursziel alt Kursziel neu Empfehlung (alt) Empfehlung (neu)
Evonik 15,50 € (- 1,77 %) 20,00 € 19,00 € Buy Neutral
Lanxess 15,22 € (- 5,58 %) 13,00 € 13,00 € Sell Sell
Symrise 75,76 € (- 0,68 %) 79,00 € 75,00 € Buy Neutral
BASF 48,90 € (- 3,54 %) 65,00 € 63,00 € Buy Buy
Givaudan 2.891,00 CHF (+ 0,77 %) 2.900,00 CHF 3.500,00 CHF Sell Buy
Air Liquide 165,74 € (- 9,36 %) 182,00 € 197,00 € Buy Buy

Wachstumschancen bei Air Liquide und die nach ihrer Ansicht verkannten Wachstums- und Margenaussichten bei Givaudan führten dazu, dass Fraser die Kursziele bieder Titel nach oben korrigierte. Das MDAX-Schlusslicht Lanxess hingegen erhielt lediglich eine Bestätigung der ohnehin schon niedrigen Einschätzung. Bei BASF behält die Analystin ihre Kaufempfehlung bei, senkt aber das Kursziel. Bei Evonik und Symrise sinken nicht nur die Kursziele, sondern auch die Empfehlungen. Die meisten Chemieaktien verloren am Montag, wobei ausgerechnet die von Fraser positiv beurteilte Air Liquide europaweit am schwächsten abschnitt.

Lanxess (WKN: 547040)

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Der Chemiesektor ist zwar nicht von einer einzelnen Analystin abhängig, doch ihre Einschätzung hat unter Investoren Gewicht. Der gesamte europäische Chemie-Sektor hat mittlerweile über ein Prozent verloren, somit stehen jetzt seit Jahresbeginn noch knapp neun Prozent Kursplus zu Buche.

Der Iran-Krieg und die infolgedessen steigenden Rohstoff-Kosten beeinträchtigen die Kurse von Chemieaktien deutlich. Kommt es am Persischen Golf zu einem Waffenstillstand oder einer generellen Entspannung der geopolitischen Lage, würde allerdings auch die asiatische Konkurrenz wieder verstärkt auf den europäischen Markt drängen, was zu weiteren Problemen führen könnte. 

Einen echten Absturz müssen Anleger angesichts der relativ konservativen Gerschäftsmodelle zwar nicht fürchten. Dennoch sollten sie sich weiterhin auf volatile Kurse von Chemieaktien einstellen.

Übrigens: Ähnlich wie Georgina Fraser sieht auch die BÖRSE ONLINE-Redaktion in der BASF-Aktie einen der solideren Titel der Branche und rät zum Kauf. Möchten Sie mehr darüber erfahren, sollten Sie sich hier die hier die Heftausgabe 23/26 als E-Paper kaufen.

Weiterführende Links

FAQ

Warum passt Goldman Sachs die Kursziele für Chemiewerte an?

Goldman Sachs reagiert damit auf die ausbleibende Sonderkonjunktur und die wieder schwächer werdende Nachfrage im europäischen Chemiesektor.

Welche Aktien wurden von Georgina Fraser abgestuft?

Evonik, Symrise und Lanxess wurden pessimistischer bewertet, während BASF, Givaudan und Air Liquide teils besser eingestuft wurden.

Ist der europäische Chemiesektor jetzt in Gefahr?

Ein Absturz gilt aktuell nicht als wahrscheinlich, aber die Kurse dürften wegen geopolitischer Risiken und Nachfrageunsicherheit volatil bleiben.

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Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: BASF.

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