Während europäische Rüstungsaktien seit Monaten auf nahezu jeder Watchlist auftauchen, agiert ein weiterer, potenzieller Profiteur aus Fernost bei vielen Anlegern unter ferner liefen. Beim seinem jüngsten Prestige-Coup stach er sogar die deutsche TKMS aus. 

Der japanische Industrie- und Rüstungskonzern Mitsubishi Heavy Industries (MHI) hat gerade einen echten Prestige-Coup gelandet. Laut CNBC hat MHi am Montag eine Vereinbarung mit Australien finalisiert: Die Japaner sollen drei „General Purpose“-Fregatten bauen. Für Japan ist der Deal zudem historisch, denn es handelt sich um das erste Kriegsschiff-Exportprojekt des Landes überhaupt. Die Auslieferung an die Royal Australian Navy ist für 2029 geplant.

An der Börse kam die Nachricht sofort an: Die MHI-Aktie sprang um fast 4 Prozent, über die vergangenen zwölf Monate hinweg liegt das Papier bereits rund 75 Prozent im Plus – eine Performance, die eropäische Rüstungswerte zuletzt nicht mehr liefern konnten.

Mitsubishi Heavy Industries (WKN: 853314)

Warum der Auftrag aus Australien so wichtig ist

Der neue vertrag hat einen Umfang von zehn Milliarden australischen Dollar (umgerechnet 6,1 Milliarden Euro). Spannend für MHI ist, dass Australien eigentlich eine Flotte von elf dieser Fregatten plant und dafür laut CNBC insgesamt bis zu 20 Milliarden Australische Dollar ausgeben will. Nach den ersten drei könnten also weiter Bestellungen folgen.

Technisch basiert das Projekt auf der sogenannten Mogami-Klasse von MHI. In Australien sollen die neuen Schiffe die bisherige ANZAC-Klasse ersetzen, die schon seit den 1980er-Jahren im Dienst ist. Sie basieren auf Entwürfen der deutschen Werft Blohm + Voss für dei MEKO-Klasse und wurden von Tenix Defence Systems gebaut. Mittlerweile gehören dei MEKO-Fregatten zum Portfolio von ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS). Auch diesmal hatte sich TKMS um den Auftrag beworben. Doch dei Deutschen zogen gegen MHI den Kürzeren. Damit erwächst der ThyssenKrupp-Tochter in Fernost etwas überraschend ein neuer, starker Konkurrent.

TKMS (WKN: TKMS00)

Auch andere Japan-Werte profitieren vom Großauftrag

Laut CNBC profitieren von dem Großauftrag auch weitere, bekannte japanische Konzerne aus dem Nikkei-Index, darunter NEC, Mitsubishi Electric und Hitachi. Sie liefern unter anderem Radar- und Antennentechnik. Entsprechend reagierten auch ihre Kurse positiv auf die Nachricht. Nur NEC-Aktien gaben am Montag leicht nach.

Politik gibt grünes Licht für Rüstungsexporte

Schon länger gab es Berichte, dass Japan seine Restriktionen für Waffenlieferungen lockern könnte, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gelten. Der MHI-Deal ist dafür die bisher eindeutigste Bestätigung. Australien wiederum sieht in Chinas wachsender Macht und militärischen Fähigkeiten einen zentralen Faktor für die Sicherheitslage im Indo-Pazifik. Am 16. April wurde deshalb eine neue National Defence Strategy veröffentlicht, in der Canberra den strategischen Rahmen für sein Militär neu steckt. Der Fregatten-Auftrag ist die erste Folge daraus.

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