Auf Social-Media-Plattformen wie „X“ kursiert seit ein paar Tagen eine Meldung, die Schweizer Großbank UBS habe sich mit „naked short“-Positionen auf Silber verzockt – und müsse diese nun bis zum 10. Februar abwickeln. BÖRSE ONLINE erklärt, was dahintersteckt.

„UBS hält derzeit eine Short-Position in Silber von rund 5,2 Milliarden Feinunzen. Das ist mehr als das Achtfache der weltweiten Jahresproduktion und übersteigt das Kernkapital der Bank um über 200 Prozent.“

Diese Meldung ging am Mittwoch auf der Plattform „X“ viral. Sofort sprangen dutzende Kommentatoren auf das Thema auf. Kein Wunder, denn es klingt nach dem perfekten Szenario für einen Short-Squeeze. Zumal die ungenannte Quelle behauptet, die UBS sei von der Schweizer Notenbank SNB gezwungen worden, 80 Prozent dieser Silber-Kontrakte bis zum 10. Februar 2026 abzuwickeln – und zwar um jeden Preis.

Steht ein historischer Short-Squeeze bevor?

Damit müsste sich die UBS in einem Markt eindecken, der derzeit ohnehin von Knappheiten geprägt ist. Das Resultat wäre ein Short-Squeeze bisher unbekannten Ausmaßes. Ein Szenario wie gemalt für die Silber-Bullen.

Schon am Mittwochmittag sprangen auch erste deutsche Websites auf das Thema: „Silber als Systemsprenger: Droht dem Finanzsystem der finale Kollaps?“ fragte der Edelmetallhändler Kettner.

Silber (WKN: 965310)

Doch stimmt das alles?

Zunächst einmal: Woher kommt die Meldung überhaupt? Der Ursprung ist offenbar ein Video, das am 11. Januar 2026 auf dem Youtube-Kanal „Bullion Watch“ veröffentlicht wurde. Darin spricht ein Youtuber, der sich „The Asian Guy“ nennt, von einem internen Risikoreport der UBS, der auf den Schreibtisch von Rohstofftradern und Großbanken gelandet sei und dort für Alarmstimmung gesorgt habe. In dem Video werden auch die 5,2 Millionen Unzen und der 10. Februar genannt.

Beweise legt der „Asian Guiy“ keine vor. Das Video zeigt zwar ein Dokument mit der Überschrift „Urgent – Executive Board immediate Action required“ – doch tatsächlich ist das erste Wort bei genauem Hinsehen falsch geschrieben: „URlGENT“ steht dort. Dass dieses Papier von der UBS stammen soll, ist auch nicht erkennbar. Kurz darauf folgt ein Ausschnitt aus einer unbekannten Zeitung mit der Headline: „Silver position threatens UBS and Swiss banking system“. Diese Zeile enthält jedoch mittendrin auch ein ungewöhnliches, chinesisch anmutendes Schriftzeichen. Wieso?

Der Youtuber "The Asian" Guy verbreitet Gerüchte über die UBS
Foto: Screenshot youtube.com/@BullionWatch

Die wahre Geschichte hinter dem Enthüller auf Youtube

Die Erklärung ist einfach: Die Bilder sind KI-generiert – so wie der ganze „Asian Guy“. Es handelt sich um einen KI-Klon, der seit Tagen mit immer neuen Sensationsmeldungen zum Silberpreis auf sich aufmerksam macht. Wer die Videos ein paar Minuten ansieht, merkt sofort, dass die Person nicht echt ist – und sämtliche Bilder oder Dokumente in den Videos mithilfe von KI erstellt wurden. Das erklärt auch, warum die Großbank J.P. Morgan in einem Video vom 14. Januar mal als JP. Morgon eingeblendet wird und ein anderes Mal als JP Morson.

Kurz gesagt: Nichts an dem Kanal „The Asian Guy“ ist echt. Das gilt auch für den Partnerkanal „Bullion Watch“. Der „Asian Guy“ ging schon am 16. Oktober 2025 live, "Bullion Watch" gibt es erst seit dem 10. Dezember. Man bekommt den Eindruck, dass sich hier ein findiger KI-Experte – zugegebenermaßen schicke – Bühne geschaffen hat, um Nachrichten über den Silbermarkt zu verbreiten. Doch zu welchem Zweck?

Die Tatsache, dass mittlerweile nicht nur User auf Social Media die angeblichen Meldungen verbreiten, sondern auch Websites wie Kettner, lässt Böses erahnen. Selbst Grok, das KI-Modell von Elon Musk, spuckt die falschen Informationen schon aus, wenn man es nach UBS und Silber fragt.

Könnte nicht trotzdem etwas dran sein an dem UBS-Gerücht?

Unwahrscheinlich. Zum einen hat die UBS selbst gerade erst in einem Report die Ansicht geäußert, dass Silber schon bald über 100 Dollar steigen dürfte. Würde die Bank so ein Kursziel ausgeben, wenn sie sich selbst damit in Schwierigkeiten brächte? Außerdem ist schon die Idee, eine Großbank wie die UBS sei „naked short“ in Silber, sei also eine Wette auf fallende Kurse eingegangen, ohne sich dagegen abzusichern, sehr weit hergeholt. Spätestens seit der Finanzkrise haben regulatorische Maßnahmen solche offenen Positionen bei Investmentbanken weitgehend unterbunden. Hinzu kommt: Da so eine immense, für die Bank existenzbedrohende Position auch intern kaum zu verheimlichen wäre, hätte das Risikomanagement der Bank längst früher eingegriffen.

Auch die Dimension der genannten Kontrakte macht keinen Sinn: 5,2 Milliarden Feinunzen Silber hätten bei einem Preis von 90 Dollar je Unze einen Gesamtwert von 468 Milliarden Dollar. Das wären zehn Prozent der weltweit überhaupt verfügbaren Silberbestände, deren Wert auf fünf Billionen Dollar geschätzt wird. Damit ist Silber übrigens seit kurzem das zweit-wertvollste Asset weltweit nach Gold, noch vor dem KI-Riesen Nvidia.

Zwar kritisieren Experten seit Jahren, dass an den Terminmärkten weit mehr Silber gehandelt wird als an den Spotmärkten verfügbar ist. Aber dieser Vorwurf bezieht sich auf die dort angebotenen Mengen. Niemand würde Terminkontrakte auf mehr Silber abschließen als es überhaupt gibt – schon gar nicht als Shortposition.

Die Aktie der UBS ... reagiert überhaupt nicht

Letzter Beweis: der Aktienkurs der UBS. Wären Rohstofftrader und andere Banken alarmiert, dass bei der UBS eine Schieflage droht, hätten die Kreditausfallversicherungen (CDS) auf UBS-Anleihen und auch die Aktie selbst längst reagiert. Haben sie aber nicht.

Das alles zeigt: Das Gerücht um die offene Silber-Position bei der UBS ist ein gut gemachter Fake. Aber wer steckt dahinter? Eine Privatperson? Ein Short-Seller? Oder ein Hedge-Fonds? Das lässt ich bisher nicht auflösen. Es bleibt aber zu hoffen, dass die Markteilnehmer nicht darauf anspringen und den “Asian Guy“ künftig kritischer sehen. Auch auf „X“.

UBS Group (WKN: A12DFH)

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