Am 16. Juni um Mitternacht läuft das Übernahmeangebot der Unicredit für die Commerzbank ab - kurz zuvor liegt die Offerte aus Mailand erstmal über dem Börsenkurs. Doch der zweitgrößte Aktionär erteilt Unicredit eine Absage. So geht es weiter.
Die Commerzbank wehrt sich seit sechs Wochen mit allen Mitteln gegen das Übernahmeangebot der Unicredit. Zuletzt rief der Vorstand die Börsenaufsicht Bafin zu Hilfe, der Betriebsrat kündigte gar eine Strafanzeige wegen Marktmanipulation gegen die Italiener an.
Ungeachtet dessen stockt Unicredit ihren Anteil immer weiter auf. Mittlerweile hat die italienische Großbank Zugriff auf gut 37 Prozent der Aktien und Stimmrechte. Offenbar hatte Unicredit-Chef Andrea Orcel, ein gelernter Investmentbanker, den Angriff im Vorfeld geschickt über Derivatekonstruktionen vorbereitet, sodass ihm nun von den Partnerbanken stetig kleinere Aktienpäckchen überlassen werden, die seinen Anteil an der Commerzbank erhöhen.
Bund lehnt Angebot ab
Doch seit Dienstagfrüh ist klar: Der zweitgrößte Aktionär der Commerzbank lehnt die Offerte ab. Der Bund, der noch rund zwölf Prozent an der Commerzbank hält, wird seine Aktien nicht zum Tausch anbieten, teilte die Finanzagentur des Bundes am Dienstag mit. Man unterstütze die Strategie der Eigenständigkeit der Commerzbank und lehne „das aggressive Vorgehen“ der Unicredit ab. „Die Commerzbank AG spielt eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft und des deutschen Mittelstands“, hieß es. „Sie ist als bedeutender Arbeitgeber zudem zentral für den Finanzstandort Frankfurt. Beides gilt es auch in Zukunft sicherzustellen.“
Plötzlich ist das Angebot mehr wert als die Commerzbank-Aktie
Hätte die Bundesregierung als größter Anteilseigner nach Unicredit nachgegeben, wäre das ein Signal gewesen. Doch ein Tausch war bisher nicht zu empfehlen, da das Angebot von 0,485 Unicredit -Aktien pro Commerzbank-Aktie wochenlang unter dem Börsenkurs der Commerzbank lag.
Heute ändert sich das plötzlich: Die Unicredit-Aktie steigt auf 76,66 Euro, so dass ihr Angebot damit 37,18 Euro je Coba-Aktie wert ist. Deren Kurs steht aber nur bei 36,49 Euro. Damit würde sich kurz vor Schluss plötzlich doch ein Tausch lohnen – auch wenn der Aufschlag mit 69 Cents oder 1,8 Prozent pro Anteil gering wäre.
Was wird nun passieren?
Unicredit könnte das Angebot um vier Wochen verlängern. Das ist bei Übernahmen nicht unüblich, allerdings würde es wohl kaum etwas ändern, wenn Unicredit nicht auch die Konditionen seines Angebots nachbessert. Das erwarte offenbar der Markt, denn die Börse hat eine höhere Prämie für die Commerzbank von Anfang an eingepreist.
Die andere Alternative: Unicredit lässt die Frist auslaufen und bläst die Übernahme vorerst ab. Dann würde der Commerzbank-Kurs womöglich zunächst wieder fallen, da die Fantasie einer Preisaufstockung wegfällt. Unicredit könnte dann trotzdem am Markt weitere Commerzbank-Aktien aufkaufen. Allerdings müsste sich Orcel dafür zunächst Geld leihen, denn seine Aktionäre hatten ihm die jüngste Kapitalerhöhung nur für den geplanten Aktientausch mit der Commerzbank freigegeben.
Coba-Management in der Zwickmühle
Das Problem für die Commerzbank: Seine bereits erworbenen Aktien würde der Unicredit-Chef vermutlich nicht mehr hergeben. Mit mittlerweile 37 Prozent der Anteile – und damit der Stimmrechte – hätten die Italiener bei dem deutschen Geldhaus de facto schon das Sagen, denn das dürfte locker für die Mehrheit auf kommenden Hauptversammlungen reichen – dort zählt nämlich nur die Präsenz, also die Zahl der vor Ort vertretenen Stimmrechte. Dazu passt, dass Unicredit in dieser Woche bereits offen mit einem Austausch von Aufsichtsrat und Vorstand der Commerzbank gedroht hatte für den Fall, dass man dafür auf einer Hauptversammlung genügend Unterstützung von Aktionären erhalten würde.
Auf Übernahmen an deutschen Börsen setzen
Mit dem Index-Zertifikat "German M&A", zusammengestellt von der BÖRSE-ONLINE-Redaktion.
Häufige Fragen zum Thema
Wie viel bietet Unicredit für die Commerzbank?
Unicredit bietet 0,485 eigene Aktien je Commerzbank-Aktie. Eine Barkomponente gibt es nicht. Deshalb schwankt der Angebotspreis täglich mit dem Wert der Unicredit-Aktie.
Warum notierte die Commerzbank-Aktie wochenlang über dem Angebotspreis?
Viele Marktbeobachter und Investoren gehen davon aus, das Unicredit noch einmal nachlegen und das Angebot erhöhen wird, um tatsächlich die Mehrheit an der Commerzbank zu erhalten.
Warum hat Unicredit nicht von vornherein mehr geboten?
Manche Experten glauben, das Unicredit das freiwillige Angebot nur abgegeben hat, um zunächst einmal problemlos über die 30-Prozent-Schwelle zu kommen. Sobald diese Beteilgungshöhe erreicht wird, ist nach deutschem Recht ein Pflichtangebot fällig. Dieses hätte im Fall der Commerzbank höher ausfallen müssen, weil es den Durchschnittskurs in den Wochen vor dem Angebot berücksichtigen muss. Unicredit konnte das Pflichtangebot mit seiner freiwilligen Offerte umgehen.
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Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.
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