Der Pharmakonzern hat gute Chancen, den Glyphosat-­Albtraum zu vertreiben. Die Rheinländer haben die Krise für Reformen genutzt

Aufbruchstimmung bei Bayer: Bis Juni könnten die Rheinländer die größte Krise ihrer Konzerngeschichte erheblich eindämmen. Bis dahin dürfte der Oberste US-Gerichtshof im Glyphosat-Rechtsstreit ein wegweisendes Urteil fällen. Im Kern geht es um einen fundamentalen Widerspruch: Die nationale Umweltbehörde ist der Ansicht, dass Glyphosat bei sachgerechter Anwendung nicht gesundheitsgefährdend ist, und Bayer darum Nutzer nicht mit einem Hinweis auf der Verpackung warnen muss. Trotzdem wurde der DAX-Konzern in mehreren Bundesstaaten zu hohen Schadenersatzzahlungen verurteilt, weil er eine solche Warnung versäumt habe. Analysten sehen gute Chancen, dass der Gerichtshof im Sinne von Bayer dem Bundesrecht Vorrang gewährt. Rund 80 Prozent der Glyphosat-Klagen seien mit Verweis auf fehlende Warnhinweise eingereicht worden, schätzt JP Morgan.

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Christoph Hardt/Panama Pictures/picture alliance/dpa
Bayer-Kreuz: Die Aussichten des DAX-Konzerns hellen sich auf

Bayer dürfte im Erfolgsfall versuchen, mit einer außergerichtlichen Einigung reinen Tisch zu machen. Mehr als zehn Milliarden Dollar hat der Konzern bereits an Kläger gezahlt. Dieses Geld lässt sich nicht zurückholen. Weitere 7,6 Milliarden Dollar beziehungsweise 6,5 Milliarden Euro standen Ende September als Rückstellung in der Bilanz. Ein Teil davon könnte im positiven Szenario aufgelöst werden. Es geht aber nicht nur um Geld. Der Rechtsstreit überlagert in der Wahrnehmung der Aktienmärkte die Fortschritte im Tagesgeschäft. 

Bayer hat die Krise für interne Veränderungen genutzt. Konzernchef Bill Anderson hat die Bürokratie gestutzt, um Prozesse zu beschleunigen. Die Pharma­sparte hat ihre Pipeline aufgefüllt. Dort hat sich Bayer zu lange auf seine beiden Topseller Xarelto und Eylea verlassen. Deren Umsatz aber schrumpft. Inzwischen hat Bayer Nachfolger parat. Fünf potenzielle Blockbuster, also Medikamente mit der Aussicht auf jährliche Spitzenumsätze von mehr als einer Milliarde Dollar, hat der Vorstand ausgemacht. Dem Krebsmedikament Nubeqa traut Bayer in der Spitze sogar mehr als fünf Milliarden Euro zu. Das ist in den Konsensschätzungen noch nicht voll verarbeitet. Analysten kalkulieren, dass der Umsatz der Pharmasparte ab dem kommenden Jahr wieder wächst. In der Agrarsparte mit Monsanto dürfte es bereits 2026 aufwärtsgehen.

Die Preisfrage

Die Aktie ist seit November stark gestiegen. Börsianer setzen also bereits auf ein positives Ende des Glyphosat-Streits. Ein Erfolg vor Gericht ist der wahrscheinliche, aber nicht garantierte Ausgang. Unterschätzt sein dürfte dagegen das Potenzial im operativen Geschäft. Nimmt man den bereinigten Gewinn als Basis, liegt das KGV noch immer im einstelligen Bereich. Auch das spricht dafür, dass sich die Aktie noch immer in der ersten Hälfte des Momentum-Zyklus befindet.

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Diser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe von BÖRSE ONLINE

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