Die Nervosität an den US-Aktienmärkten hat in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen. Eine massive Verkaufswelle institutioneller Investoren belastete die Kurse und schürt die Sorge vor einer möglichen Kapitulation. Goldman Sachs gibt folgenden Rat.

Vor allem Hedgefonds haben ihre Engagements drastisch reduziert und damit die Abwärtsdynamik verstärkt. Daten von Goldman Sachs zeigen, dass professionelle Anleger bereits die sechste Woche in Folge US-Aktien per Saldo verkauft haben – und das mit der höchsten Intensität seit rund einem Jahr. Auffällig ist dabei nicht nur die Dauer, sondern auch das Ausmaß der Verkäufe. Auf Sicht von sechs Wochen gehört die aktuelle Abgabewelle zu den größten der vergangenen zehn Jahre. Besonders deutlich wird dies im Vergleich mit früheren Stressphasen wie während der Corona-Marktturbulenzen im Jahr 2020. Damals wie heute deutet vieles darauf hin, dass institutionelle Anleger in großem Stil Positionen liquidieren, Risiken abbauen und zunehmend defensiv agieren.

Fakten zur stärksten Verkaufswelle seit zehn Jahren

Getrieben wird diese Entwicklung durch mehrere Faktoren. Zum einen lösen viele Hedgefonds bestehende Long-Positionen auf, um Gewinne zu sichern oder Verluste zu begrenzen. Zum anderen bauen sie verstärkt Short-Positionen auf, um von weiter fallenden Kursen zu profitieren. Auch systematische Strategien wie Risikoparitäts- oder Volatilitätsmodelle haben ihre Aktienquote reduziert und damit zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugt. Besonders zyklische Sektoren wie Industriewerte stehen unter Druck, da sie sensibel auf Konjunkturängste reagieren.

Parallel dazu hat sich auch das makroökonomische Umfeld verschlechtert. Der anhaltende Krieg im Nahen Osten, steigende Energiepreise und die damit verbundenen Inflationsrisiken belasten die Erwartungen an Wachstum und Geldpolitik. Die Folge: Anleger ziehen Kapital aus risikoreichen Anlagen ab und suchen verstärkt Sicherheit. Genau dieses Verhalten gilt an den Märkten oft als typisches Zeichen einer Kapitulationsphase.

Und genau hier sehen Strategen von Goldman Sachs eine mögliche Chance. Denn obwohl die Marktstimmung aktuell ausgesprochen negativ ist, warnen sie ausdrücklich davor, jetzt auf weiter fallende Kurse zu setzen. Ihrer Einschätzung nach könnte der Großteil des Verkaufsdrucks bereits hinter dem Markt liegen. Diese Ausgangslage birgt ein erhebliches Aufwärtspotenzial. Denn wenn viele Marktteilnehmer bereits auf fallende Kurse setzen, kann schon eine moderate Verbesserung der Nachrichtenlage eine Gegenbewegung auslösen. Kommt es beispielsweise zu einer Entspannung im geopolitischen Umfeld oder stabilisieren sich die Konjunkturerwartungen, könnten Short-Positionen schnell aufgelöst werden. Ein solcher Short-Squeeze würde die Kurse zusätzlich nach oben treiben.

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Goldman Sachs sieht mehr Chancen als Risiken

Hinzu kommen technische Faktoren, die den Markt kurzfristig stützen könnten. So erwarten die Goldman-Sachs-Experten Zuflüsse von institutionellen Investoren wie Pensionsfonds zum Monatsende, die zusätzliche Nachfrage nach Aktien erzeugen könnten. Gleichzeitig haben Privatanleger ihre Aktienquote bislang kaum reduziert, was darauf hindeutet, dass die breite Marktteilnahme weiterhin intakt ist. Auch langfristig orientierte Investoren halten weiterhin vergleichsweise hohe Aktienpositionen. Das bedeutet: Sobald sich die Unsicherheit etwas legt, könnte schnell wieder Kapital in den Markt fließen. In Kombination mit der bereits erfolgten Bereinigung der Positionierungen ergibt sich daraus ein asymmetrisches Chancen-Risiko-Verhältnis – mit mehr Chancen als Risiken.

Zwar bleibt die Unsicherheit angesichts der geopolitischen Lage hoch, doch genau solche Phasen waren in der Vergangenheit häufig Wendepunkte an den Märkten. Wenn die Angst ihren Höhepunkt erreicht und die Mehrheit der Anleger bereits verkauft hat, fehlen oft die Verkäufer für weitere starke Rückgänge. Stattdessen kann bereits eine leichte Verbesserung der Rahmenbedingungen ausreichen, um eine kräftige Erholung auszulösen.

Fazit: Die aktuellen Turbulenzen an den Aktienmärkten tragen laut Goldman Sachs klare Züge einer Kapitulationsphase. Doch gerade diese extreme Positionierung könnte die Grundlage für die nächste Aufwärtsbewegung bilden. Anleger sollten daher nicht nur die Risiken im Blick behalten, sondern auch die Chancen, die sich aus einer möglichen Marktstabilisierung ergeben könnten.

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