Die italienische Regionalbank gilt als exzellent aufgestelltes Finanzhaus am Rande der Po-Ebene. Analysten trauen der Aktie mehr zu als den Mailänder Branchenriesen.
Branchenriesen wie Unicredit, Monte dei Paschi und Intesa Sanpaolo beherrschen im turbulenten italienischen Bankenmarkt das Terrain. Zu den verborgenen Perlen zählt dagegen die kleine italienische Regionalbank Credito Emiliano mit Sitz in der norditalienischen Provinzhauptstadt Reggio Emilia.
Credem, wie sich das Institut selbst nennt, betreibt Privat- und Firmenkundengeschäft sowie Vermögensverwaltung und Versicherungen. Die Gruppe mit Wurzeln bis ins Jahr 1910 hat rund eine Million Kunden und ist mit 600 Filialen in ganz Italien aktiv. Die Aktie notiert im FTSE Italia Mid Cap Index. Regionales Kuriosum: Das Institut lagert Parmigiano-Reggiano-Käselaibe als Sicherheit für Kredite.
Value-Perle vor der Rallye?
Auch sonst fristet das Institut weit abseits der Bankenmetropole Mailand auf den ersten Blick ein eher beschauliches Dasein. Mit den auf Kosteneffizienz getrimmten Branchenriesen kann Credem mit einer Cost-Income-Ratio von 54,5 Prozent derzeit noch nicht schritthalten.
Das Institut zählt laut den Analysten von Kepler Cheuvreux dennoch zu den am besten aufgestellten Banken Italiens. Der tadellose Ruf beruht demzufolge auf der hervorragenden Qualität seiner Vermögenswerte, auf den branchenweit niedrigsten Risikokosten sowie stabilem organischem Wachstum und kontinuierlichen Marktanteilsgewinnen.
Credem ist zudem mit einer harten Kernkapitalquote von 15,8 Prozent gut ausgestattet — und könnte angesichts der Konsolidierung des italienischen Bankensektors auch selbst Übernahmen im niedrigen Milliardenvolumen stemmen, um Skaleneffekte zu erzielen und IT-Investitionen umzusetzen.
Kepler spielt derartige Übernahmeszenarien an zwei Beispielen durch, die das Potenzial gut verdeutlichen. Ein mögliches Institut, auf das es Credem demnach abgesehen haben könnte, ist die Banca Asti mit Sitz in Asti/Piemont. Italienische Medien hatten darüber bereits spekuliert, auch wenn die Eigentümer der Banca Asti derzeit nicht verkaufen wollen. Kepler errechnete dennoch bei einer möglichen Transaktion hohe Synergieeffekte. Das gilt ebenso für ein weiteres potenzielles Übernahmeziel, der ebenfalls im Piemont angesiedelten Banca Sella. Auch dort gibt es vonseiten der Eigentümerfamilie derzeit noch keine Verkaufsabsicht.
Dass Credito Emiliano selbst zum Zielobjekt werden könnte, halten die Analysten für eher unwahrscheinlich. Nicht zuletzt angesichts des Großaktionärs, der Credem Holding, die 80 Prozent an Credito Emiliano hält und mit ihrem Investment offenbar sehr zufrieden ist. Strategisch sinnvoll erscheint ohnehin nur eine Übernahme durch eine französische Großbank wie BNP Paribas oder Credit Agricole, die damit ihre regionale Präsenz in Italien ausbauen könnte.
Fazit
Credem ist ein solide aufgestelltes, wachstumsstarkes Regionalinstitut. Die moderat bewertete Aktie bietet deutliches Kurspotenzial.