Ein seltsamer Machtkampf hat die Aktie des spanischen Technologiekonzerns unter Druck gesetzt. Analysten sehen eine gute Kaufgelegenheit.

Zwei Brüder, ein Machtkampf der Großaktionäre und natürlich viel Geld. Der spanische Technologiekonzern Indra Sistemas könnte fast schon Vorlage für eine TV-Serie sein. Der vorläufige Höhepunkt: Ángel Escribano, der Vorsitzende des Verwaltungsrats, hat seinen Rücktritt erklärt. Er begründet den Schritt mit „persönlicher Erschöpfung“ und der Sorge, dass die Turbulenzen die Ziele von Indra gefährden könnten.

Auslöser ist der Streit um die inzwischen geplatzte Übernahme des Rüstungskonzerns EM & E. Der gehört der Escribano-Familie. Ángels Bruder Javier führt dort die Geschäfte. Die Verstrickungen gehen sogar tiefer. Die Brüder halten auch 14 Prozent an Indra Sistemas. Es gibt einen weiteren mächtigen Mitspieler: Der spanische Staat, der über die Industrieholding Sepi mit 28 Prozent der Hauptaktionär bei Indra ist, ließ die Übernahme platzen. Ging es wirklich darum, Interessenkonflikte zu vermeiden? Oder will der Staat verhindern, dass die Brüder ihre Macht bei Indra weiter ausbauen? Die Meinungen gehen in diesem Punkt auseinander. Fakt ist, die Nachricht vom Scheitern der Übernahme hat die Aktie Mitte März in der Spitze um 19 Prozent nach unten gedrückt. Seitdem konnte sich der Kurs etwas erholen, hat aber noch nicht das alte Niveau erreicht. Analysten sehen eine Einstiegsgelegenheit. Kernargument für die Aktie sei das organische Wachstum im Rüstungsbereich, argumentiert die UBS.

Infobox + Chart Indra Sistemas

16 Milliarden Euro in den Büchern

Die Rüstungssparte, zu der auch die Raumfahrt gehört, steuerte zuletzt etwas mehr als ein Viertel des Umsatzes und 45 Prozent des operativen Gewinns bei. Im laufenden Jahr dürfte der Anteil am Gewinn auf mehr als 50 Prozent steigen. Spanien, der Hauptkunde, investiert vergleichsweise zögerlich in sein Militär. Indra ist aber international aufgestellt. Zuletzt kamen 45 Prozent der Umsätze der Rüstungssparte aus dem Ausland. Zu den Kernbereichen von Indra gehören Radarsysteme zur Luftraumüberwachung, Systeme zur elektronischen Kampfführung oder auch Anti‑Drohnen‑Systeme. Indra ist unter anderem an der Ausstattung des Eurofighter mit Radartechnik und Selbstschutzsystemen beteiligt. Einer der Kooperationspartner ist Rheinmetall, mit dem sich Indra unter anderem Aufträge für Militärlastwagen sichern will.

Der nach Umsatz mit einem Anteil von 57 Prozent größte Bereich ist die IT-Sparte, hinzu kommen Flugüberwachung und Verkehrsmanagement. Den Umsatz will der Konzern von zuletzt 5,5 Milliarden bis zum Jahr 2030 auf zehn Milliarden Euro steigern. Das Militärgeschäft werde dann rund die Hälfte beisteuern. Der operative Gewinn soll sich laut Konsensschätzung im selben Zeitraum mehr als verdoppeln. Der Auftragsbestand hat sich bereits mehr als verdoppelt auf 16 Milliarden Euro.

Fazit

Ein wachsender Anteil des Rüstungsgeschäfts rechtfertigt steigende Bewertungskennziffern. Eine Spekulation ist, dass die Übernahme von EM & E bald wieder auf die Tagesordnung rückt, was an der Börse gut ankommen dürfte.

Übrigens: Dieser Artikel erschien zuerst in der Heftausgabe von BÖRSE ONLINE. Hier finden Sie weitere spannende Analysen.

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