Die geplante Übernahme der Commerzbank nimmt Fahrt auf. Am Dienstag will Unicredit ihr offizielles Übernahmeangebot vorlegen. Doch kurz zuvor nennen die Italiener selbst in einem Dokument für ihre Aktionäre erhebliche Risiken – von Kundenverlusten bis hin zu Integrationsproblemen.
Das Ringen um eine Übernahme der Commerzbank steuert diese Woche auf einen neuen Höhepunkt zu. Unicredit-Chef Andrea Orcel wirbt seit Monaten für den Deal und sieht darin die Chance, einen führenden europäischen Bankenplayer zu schaffen. Am Montag sollen die Aktionäre der italienischen Großbank eine Kapitalerhöhung beschließen, um den deutschen Konkurrenten in einem Aktientausch zu übernehmen. Für Dienstag wird dann das offizielle Angebot erwartet. Doch plötzlich gibt es erste Zwiefel am Sinn der Übernahme: Wie das „Handelsblatt“ berichtet, warnt Unicredit in einem Dokument für die eigene Hauptversammlung überraschend deutlich vor erheblichen Risiken eines Zusammenschlusses.
Papier listet Reihe von Risiken auf
In dem veröffentlichten Informationspapier listet Unicredit zahlreiche Unsicherheiten auf. So könnte es etwa zu einem Verlust wichtiger Commerzbank-Kunden kommen, wenn diese durch die Fusion verunsichert werden oder sich bewusst breiter aufstellen wollen. Auch der Abgang von erfahrenen Mitarbeitern wird als ernstes Risiko beschrieben.
Ein zentrales Problem ist die Integration beider Banken. Die Zusammenführung von IT-Systemen, Geschäftsbereichen und Unternehmenskulturen gilt als komplex und zeitaufwendig. Unicredit räumt ein, dass das Management dadurch stark gebunden sein und sich weniger auf das laufende Geschäft konzentrieren könnte. Zudem besteht das Risiko, dass die erwarteten Vorteile – etwa Kosteneinsparungen oder zusätzliche Erträge durch Synergien – nicht wie geplant eintreten.
Commerzbank und Bundesregierung lehnen Übernahme weiter ab
Bemerkenswert ist, dass sich viele dieser Punkte mit den Argumenten der Commerzbank decken, die sich klar gegen eine Übernahme stellt. Auch die Bundesregierung als Großaktionär lehnt den Deal bislang ab. Besonders kritisch wird gesehen, dass sich Überschneidungen im Firmenkundengeschäft ergeben könnten. In solchen Fällen müssten Kredite reduziert werden, um Klumpenrisiken zu vermeiden – also eine zu starke Konzentration von Risiken bei einzelnen Großkunden.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor sind die Aktionäre. Für weitreichende Maßnahmen wie einen vollständigen Börsenrückzug oder einen sogenannten „Squeeze-out“ – also das Herausdrängen von Minderheitsaktionären – wären sehr hohe Zustimmungsquoten nötig. Diese könnten schwer zu erreichen sein, insbesondere wenn Großaktionäre ihre Anteile nicht verkaufen.
Anlger sollten nicht überstürzt zustimmen
Auch Anleger sollten das Angebot genau studieren und nicht zu schnell zuschlagen. Experten erwarten, dass das geplante Umtauschangebot für Commerzbank-Aktien zunächst unter dem aktuellen Börsenkurs liegen könnte. Das würde die Attraktivität für Aktionäre deutlich senken. Gleichzeit ist aber zu erwarten, dass die Italiener ihre Offerte noch mindestens einmal nachbessern.
Viel wird davon abhängen, wie sich die Bundesregieurng im Übernahmepoker verhält. Ein Statement ist nicht vor Ende der Woche zu erwarten. Am Freitag legt die Commerzbank ihrerseits Quartalszahlen vor. Dann wird sich auch Bankchefin Bettina Orlopp zum Unicredit-Angebot äußern.
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Häufige Fragen zum Thema
Wieviel bietet Unicredit für die Commerzbank?
Unicredit hat am 16. März ein frewilliges Angebot für die Commerzbank per Pressemitteililung kommuniziert - aber nie offiziell eingereicht. Danach bietet Unicredit 0,485 eigene Aktien für eine Commerzbank-Aktie. Eine Barkomponente gibt es nicht. Auf Basis eines Unicredit-Kurses von 65 Euro (Stand 30.4.2026) entspricht das 31,52 Euro je Commerzbank-Aktie.
Wann wird Unicredit sein offizielles Angebot abgeben?
Unicredit lässt sich von seinen Aktionären am 4. Mai auf der Hauptversammlung eine Kapitalerhöhung genehmigen. Mit diesen neuen Aktien soll dann das Commerzbank-Angebot bezahlt werden. dDs offizielle Übernahemangebot wird einen Tag später, am 5. Mai erwartet.
Wie reagiert der Markt?
Die Commerzbank-Aktie notiert seit Wochen über dem rechnerischen Angebotspreis von Unicredit. Deshalb rechnen Analysten udn Investoren mit einer Anhebung der Offerte.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.