Meta will auf Arbeitsrechnern seiner Beschäftigten Klicks und Tastatureingaben mitschneiden, um damit eine KI zu trainieren. Intern gibt es Kritik und Sorgen um sensible Daten. Meta ist sich keines Problems bewusst.
Nach übereinstimmenden Berichten des US-Börsensenders CNBC und der Nachrichtenagentur Reuters will Meta, der Muttterkonzern von Facebook, Instagram und WhatsApp, im Rahmen eines neuen Projekts erfassen, wie seine Mitarbeiter am Computer arbeiten. Es sei geplant, Mausbewegungen, Klicks und sogar Tastatureingaben zu tracken. Mit den Daten sollen KI-Systeme trainiert werden, die dann später eigenständig typische Aufgaben am Rechner erledigen können – etwa Programme bedienen oder Arbeitsschritte nachmachen. Betroffen sind nicht nur interne Angebote von Meta, sondern auch der Zugriff der Mitarbeiter auf andere Web-Dienste wie Google, LinkedIn und Wikipedia. Auch GitHub, Slack und Atlassian werden in dem Memo genannt.
Das Vorhaben läuft über ein neues Werkzeug mit dem internen Namen „Model Capability Initiative“. Reuters hatte zuvor über ein neues Mitarbeiter-Überwachungswerkzeug berichtet. Meta bestätigt das Projekt grundsätzlich, nennt aber nicht im Detail, welche Seiten auf der Liste stehen.
Trainiert die KI schon für die nächste Entlassungswelle?
Beobachter vermuten, dass das Projekt nicht ganz zufällig gerade jetzt gestartet wird: Wie Reuters berichtet, plant Meta einen neue Entlassungsrunde zum 20. Mai 2026. Dabei sollen Gerüchten zufolge zehn Prozent der Belegschaft entlassen werden, das entspricht rund 8000 Mitarbeitern. Der Verdacht liege nahe, dass das Management plane, ihre Aufgaben durch KI zu ersetzen. Träfe das zu, würden die Mitarbeiter also gerade selbst die Programme trainieren, die ihren Job im Mai obsolet machen.
Meta verteidigt das Vorgehen mit einem einfachen Argument: Wenn man Programme bauen wolle, die Menschen am Computer wirklich helfen, brauche man echte Beispiele dafür, wie Menschen Rechner bedienen. Das umfasse auch scheinbar banale Dinge wie das Navigieren in Menüs oder das Klicken auf Schaltflächen. Der Konzern sagt, es gebe Schutzmaßnahmen, um sensible Inhalte zu sichern, und die Daten würden für keinen anderen Zweck genutzt.
Andere glauben das nicht: „Was sie bauen, ist ein Software-Arbeiter, der das Dashboard öffnet, die Zahlen liest, die E-Mail entwirft, den Termin bucht und nie eine Kaffeepause braucht“, schreibt ein Insider auf der Plattform „X“. „Die Trainingsdaten für diesen Arbeiter sind ein leitender Meta-Mitarbeiter, der all das tut, auf Metas Lohnliste, einen Monat vor seinem letzten Tag.“
Warum braucht Meta solche Daten?
Die Stimmung bei Meta sei angespannt, berichtet CNBC. Mehrere Beschäftigte sollen das Projekt in internen Nachrichten als „dystopisch“ beschrieben haben. Andere befürchten, dass beim Tracking unbeabsichtigt auch sehr heikle Informationen sichtbar werden könnten: zum Beispiel Passwörter, Details zu neuen Produkten oder persönliche Angaben etwa zu Gesundheit, Familie oder Aufenthaltsstatus.
KI-Experten sehen noch einen anderen, aus Industriesicht ebenfalls beunruhigenden Grund dafür, dass Meta auf Daten seiner eigenen Mitarbeiter zugreift: Im öffentlich zugänglichen Internet geht den KI-Unternehmen langsam frisches Material aus, um ihre Modelle zu füttern. Nach Prognosen der Marktforscher von Epoch AI, einer Non-Profit-Organisation, wird der Vorrat an hochwertigem, menschengeschriebenem Text im Web bis spätestens 2032 aufgebraucht sein. In der Branche wird auch von der „Datenmauer“ gesprochen.
Ob und was genau an den an den Entlassungsplänen dran ist und welche Rolle die KI dabei spielen wird, könnten Anleger schon kommende Woche erfahren: Meta wird am 29. April seine Zahlen für das erste Quartal 2026 veröffentlichen.
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Häufige Fragen zum Thema
Welches KI-Modell gehört zu Meta?
Die erste Generation von KI-Modellen bei Meta trug den Namen „Llama“. Anfang April 2026 kündigte Mark Zuckerberg an, Meta werde seine KI-Strategie nun mit dem neuen Modell „Muse Spark“ vorantreiben. Das neue System soll in den kommenden Wochen die bisherigen Llama-Modelle auf WhatsApp, Instagram, Facebook und in den Datenbrillen ersetzen.
Wie gut ist „Muse Spark“?
Folgt man den Ergebnissen von Benchmark-Vergleichen wie LLM Stats https://llm-stats.com/models/muse-spark liegt die Performance von Muse Spark noch relativ weit hinter Modellen wie Claude. ChatGPT, Gemini oder Kimi zurück.
Wofür nutzt Meta KI?
Meta entwickelt KI-Modelle aus verschiedenen Gründen. Kurzfristig sollen sie der Verbesserung der eigenen Apps dienen und das Geschäft mit Werbung befeuern: So nutzen etwa Kunden die KI-Tools, um Werbeformate zu optimieren, was zu höheren Werbeeinnahmen führt. KI-Assistenten sollen auch in WhatsApp, Instagram und Facebook die Nutzererfahrung verbessern. Im eigenen Unternehmen nutzt Meta KI-Tools, um interne Arbeitsprozesse zu beschleunigen und die Produktivität der Mitarbeiter zu erhöhen.
Als einer der wenigen Player im KI-Markt verfolgt Meta einen Open-Source-Ansatz. Ziel ist es, einen Standard für KI-Modelle zu setzen, um so zum Rückgrat für KI-Projekte zu werden.