Trotz voller Auftragsbücher enttäuschten die Quartalszahlen. Analysten sehen dennoch wieder attraktive Einstiegschancen aufgrund des Rüstungsbooms in Europa.

Kursziel runter, Empfehlung rauf: Warburg Research senkte am Montag das Kursziel für die zuletzt angeschlagene Rheinmetall-Aktie von 1.700 auf 1.550 Euro. Jedoch hob Analyst Christian Cohrs die Einstufung von „Halten“ auf „Kaufen“ an, da er den Kursrutsch für überzogen hält. Doch warum ist die Aktie trotz des Rüstungsbooms so stark gefallen? Und könnte der Rücksetzer nun eine attraktive Einstiegschance bieten?

Katerstimmung nach der Mega-Rally

Rheinmetall zählte mit einer Kursperformance von 147 Prozent im Jahr 2025 zu den stärksten Aktien im DAX. Über fünf Jahre summiert sich das Plus sogar auf rund 1.250 Prozent. Hauptursachen für die Rally waren der Ukraine-Krieg und weitere geopolitische Krisen, die den Bedarf an militärischen Gütern enorm erhöhten. Hinzu kommt, dass viele europäische Staaten ihre militärische Abhängigkeit von den USA verringern wollen. Die Folge waren stark steigende Rüstungsausgaben, prall gefüllte Auftragsbücher bei Rheinmetall – und ein Aktienkurs, der regelrecht explodierte.

Dennoch hat sich das Bild zuletzt deutlich eingetrübt: Seit Jahresbeginn liegt die Rheinmetall-Aktie rund 24 Prozent im Minus. Vom Allzeithoch hat die Aktie sogar mehr als 40 Prozent verloren (Stand: 11. Mai 2026). Nach der jahrelangen Rally ist damit spürbar Ernüchterung eingekehrt.

Rheinmetall (WKN: 703000)

Warum stürzte die Rheinmetall-Aktie so stark ab?

Ein erster Grund ist die zuvor extrem hohe Bewertung – in der Spitze lag das KGV des Rüstungskonzerns bei über 100. Damit waren viele der positiven Zukunftsaussichten bereits im Aktienkurs eingepreist. Nach der massiven Rally der vergangenen Jahre sind Gewinnmitnahmen zudem nicht ungewöhnlich.

Ein zweiter Grund sind Schwierigkeiten bei der operativen Umsetzung: Rheinmetall profitiert zwar weiterhin von einem hohen Auftragsbestand infolge der europäischen Aufrüstung. Der Backlog stieg von rund 64 Milliarden Euro Ende 2025 auf 73 Milliarden Euro Ende März 2026. Allerdings lassen sich diese Aufträge nicht beliebig schnell in Umsatz umwandeln. Der Bau neuer Fabriken kann Jahre dauern und ist mit zahlreichen rechtlichen, technischen und organisatorischen Hürden verbunden.

Das zeigt sich auch am weiterhin sehr hohen Book-to-Bill-Ratio von deutlich über 2. Rheinmetall gewinnt aktuell also mehr als doppelt so viele neue Aufträge, wie das Unternehmen abarbeiten kann. Ein Luxusproblem. Für den Aktienmarkt zählen aber nicht nur volle Auftragsbücher, sondern auch die Frage, wie schnell daraus tatsächlich Umsatz und Gewinn werden.

Dieser Widerspruch wurde auch in den aktuellen Quartalsergebnissen deutlich, die am 7. Mai 2026 veröffentlicht wurden. Der Umsatz lag bei 1,94 Milliarden Euro und damit rund 300 Millionen Euro unter den Erwartungen der Analysten – trotz des stark gestiegenen Auftragsbestands. Auch beim operativen Gewinn blieb Rheinmetall hinter den Erwartungen zurück.

Analysten bleiben positiv – Bewertung wieder attraktiver

Genau diese Umsetzungsrisiken sind der Grund, warum Warburg-Analyst Christian Cohrs sein Kursziel für Rheinmetall von 1.700 auf 1.550 Euro gesenkt hat. Das Unternehmen selbst plant für die kommenden Jahre jedoch starke Kapazitätsausweitungen an seinen Standorten in Deutschland und Spanien. Zudem prognostizierte der Rüstungskonzern bei den Quartalszahlen eine „deutliche Beschleunigung des Wachstums im zweiten Quartal“.

Auch die Analysten bleiben optimistisch für die Rheinmetall-Aktie. Das durchschnittliche Kursziel liegt derzeit bei 2.011 Euro und damit rund 63 Prozent über dem aktuellen Kursniveau. Besonders auffällig: Selbst das niedrigste Kursziel von 1.480 Euro würde einer Kurserholung von etwa 26 Prozent entsprechen. Das höchste Kursziel von 2.500 Euro bietet sogar 113 Prozent Aufwärtspotenzial (Stand: 11. Mai 2026).

Auch die Bewertung ist nach dem Kursrückgang wieder deutlich zurückgekommen: Für 2026 liegt das KGV bei rund 34. Damit ist die Aktie zwar weiterhin kein klassischer Value-Titel, wirkt im Vergleich zur früheren Spitzenbewertung von über 100 aber deutlich moderater bewertet.

In Zukunft könnte Rheinmetall auch als Dividendenaktie interessanter werden. Die erwartete Dividendenrendite von rund 1,25 Prozent für 2026 ist zwar noch überschaubar, doch 2028 soll die Ausschüttung laut Prognosen der Analysten bereits doppelt so hoch sein.

Fazit: Langfristiges Wachstumspotential mit kurzfristigen Schwierigkeiten

Rheinmetall bleibt eine interessante Aktie, die langfristig vom europäischen Rüstungsboom profitieren dürfte. Für die weitere Kursentwicklung wird jedoch entscheidend sein, ob das Unternehmen den hohen Auftragsbestand zügig in Umsatz und Gewinn umwandeln kann.

Aus charttechnischer Sicht ist die Lage ebenfalls noch nicht ideal. Die Aktie befindet sich weiterhin in einem intakten Abwärtstrend und notiert deutlich unter der 200-Tage-Linie. Langfristig orientierte Anleger könnten das aktuelle Kursniveau dennoch für den Aufbau einer ersten Position nutzen und bei weiteren Rücksetzern schrittweise nachkaufen.

Der Stabile Werte Index von BÖRSE ONLINE setzt auf etablierte Qualitätsunternehmen mit langfristig robusten Geschäftsmodellen. Auch Rheinmetall ist im Index enthalten – trotz der jüngsten Kursschwäche bleibt der Konzern ein Beispiel für einen starken europäischen Industriewert mit langfristigen Wachstumsperspektiven.

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Häufig gestellte Fragen:

Warum ist die Rheinmetall-Aktie trotz voller Auftragsbücher gefallen?

Die Rheinmetall-Aktie ist vor allem wegen der zuvor sehr hohen Bewertung, Gewinnmitnahmen nach der starken Rally und schwächer als erwarteter Quartalszahlen gefallen. Zudem sorgt der Markt sich, wie schnell Rheinmetall den hohen Auftragsbestand tatsächlich in Umsatz und Gewinn umwandeln kann.

Ist die Rheinmetall-Aktie nach dem Kursrückgang jetzt wieder ein Kauf?

Analysten sehen nach dem deutlichen Rücksetzer wieder attraktive Einstiegschancen, da Rheinmetall langfristig vom europäischen Rüstungsboom profitieren dürfte. Kurzfristig bleibt die Aktie jedoch angeschlagen, weshalb ein schrittweiser Positionsaufbau sinnvoller sein kann als ein sofortiger Voll-Einstieg.

Wie hoch ist das Kursziel für die Rheinmetall-Aktie?

Das durchschnittliche Kursziel für die Rheinmetall-Aktie liegt derzeit bei rund 2.011 Euro und damit 63 Prozent über dem aktuellen Kursniveau. Selbst das niedrigste genannte Kursziel von 1.480 Euro signalisiert laut Analysten noch ein Aufwärtspotenzial von 26 Prozent (Stand: 11. Mai 2026).