Microsoft hat sich aus einem mehrere Milliarden US-Dollar schweren Mietvertrag für ein Rechenzentrum von Oracle zurückgezogen. Der Grund sind offenbar Bedenken um die Datensicherheit für US-Behörden. Beide Aktien reagierten darauf deutlich.
Microsoft hat Verhandlungen über die Anmietung eines Rechenzentrums von Oracle abgebrochen. Wie das Wirtschaftsmagazin Business Insider unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, war der Wert des Deals auf mehr als drei Milliarden US-Dollar veranschlagt worden. Der Abbruch der Gespräche wurde schon am Dienstag bekannt und ließ die Kurse beider Unternehmen sinken. Am Mittwoch setzten beide Aktien die Talfahrt fort.
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Sicherheitskonzept der Knackpunkt
Kern des Konflikts war laut dem Bericht eine Anforderung von Microsoft, die Oracle nicht erfüllen wollte: Microsoft hatte verlangt, dass das Rechenzentrum mit einem speziellen Sicherheitskonzept ausgestattet wird, das für den Umgang mit Daten der US-amerikanischen Bundesregierung erforderlich ist. Oracle soll dies abgelehnt haben. Für Cloud-Anbieter, die Behördenkunden bedienen wollen, gelten in den USA strenge Zertifizierungs- und Sicherheitsanforderungen – etwa im Rahmen des sogenannten FedRAMP-Programms, das den Schutz staatlicher Daten in Cloud-Umgebungen regelt. Ohne entsprechende Infrastruktur ist eine Nutzung solcher Rechenzentren für Regierungsaufträge nicht möglich.
Microsoft sucht Alternativen
Microsoft prüfe nach dem gescheiterten Deal nun andere Optionen für den Ausbau seiner Rechenzentrumskapazitäten, heißt es. Das Unternehmen gehört zu den größten Investoren im Bereich der KI-Infrastruktur und ist maßgeblich am Stargate-Projekt beteiligt, einem großen, staatlich unterstützten Rechenzentrumsvorhaben von OpenAI und Oracle in Texas. Der Rückzug aus dem Oracle-Mietvertrag bedeutet nicht zwangsläufig eine Abkühlung dieser übergeordneten Zusammenarbeit – zeigt aber, dass selbst zwischen eng verbundenen Technologiepartnern erhebliche Differenzen entstehen können, wenn es um konkrete Sicherheitsanforderungen geht.
Ungünstiger Zeitpunkt für Oracle
Für Oracle kommt die Meldung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Der Konzern hatte erst vor wenigen Tagen anlässlich seiner Quartalszahlen mit der Ankündigung einer milliardenschweren Kapitalerhöhung für Aufsehen gesorgt. Anleger betrachten schon länger mit Skepsis, dass Oracle negative freie Cashflows und eine wachsende Verschuldung meldet. Der Verlust eines potenziellen Drei-Milliarden-Dollar-Vertrags verstärkt nun die Sorgen, ob Oracle seinen ehrgeizigen KI-Ausbauplan dauerhaft in dem geplanten Tempo finanzieren und vermarkten kann.
Das Thema Datensicherheit in Zusammenhang mit KI-Modellen treibt auch Unternehmenskunden um. Sollten hier Zweifel entstehen, würde das ihre Bereitschaft, solche Rechenzentren zu nutzen, sicherlich negativ beeinflussen.
Häufige Fragen zum Thema
Was ist das Stargate-Projekt?
Die US-Regierung unter Donald Trump will mit einem milliardenschwere Infrastruktur-Initiative unter dem Namen "Stargate" die USA als führenden Standort für Anwendungen rund um die Künstliche Intelligenz (KI) etablieren. Dazu soll ein gigantischen Netzwerk von Rechenzentren und Rechenleistung aufgebaut werden. Zu den Hauptakteuren und Geldgebern von Stargate gehören Technologiekonzerne wie OpenAI, Oracle, SoftBank, Nvidia, Microsoft und der Staatsfonds von Abu Dhabi (MGX). Über einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren sind Investitionen von bis zu 500 Milliarden US-Dollar geplant.
Warum ist neben Texas auch Wyoming zu einem Zentrum des KI-Booms geworden?
Der US-Bundesstaat Wyoming hat sich aufgrund seiner extrem günstigen Energieverfügbarkeit, den vergleichsweise kühlen klimatischen Bedingungen und eines äußerst investorenfreundlichen regulatorischen Umfelds zu einem Zentrum für KI-Rechenzentren entwickelt. In dem dünn besiedelten Flächenstaat sind die Grundstückspreise zudem relativ niedrig.
Welche KI-Strategie verfolgt Oracle?
Oracles KI-Strategie basiert auf der vollständigen Integration von Künstlicher Intelligenz in den gesamten eigenen Technologie-Stack. Dabei will das Unternehmen seine führende Rolle bei Unternehemnssoftware (ERP) nutzen, um vor allem Geschäftskunden für seine KI-Anwednungen zu gewinnen. Das geschäftsmodell reicht von Infrastruktur über die Datenbanken bis hin zu den Unternehmensanwendungen.
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Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Microsoft.
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