Am Mittwochabend hat der Halbleiterspezialist Nvidia seine Quartalszahlen gemeldet. So reagiert der DAX darauf, nachdem es zusätzlich noch neue Hoffnung auf ein Ende des Iran-Krieges gibt. Außerdem im Fokus: eine Reihe von wichtigen Unternehmensmeldungen.
Am Mittwochabend hat Nvidia seine Quartalszahlen gemeldet (die Ergebnisse lesen Sie hier). Im Anschluss zeigte sich die Aktie volatil und verlor ein Prozent. Den von vielen Anlegern erhofften Impuls für die Börsen gab es nicht.
Zur Mittagszeit konnte sich der deutsche Leitindex dennoch mit einem halben Prozent auf 24.860 Punkte ins Plus vorarbeiten. Er steuert damit auf seinen vierten Gewinntag in Folge zu. Vom Iran-Krieg gab es keine neuen Störfeuer. Schwache Wirtschaftssignale aus Europa nahmen die Anleger hin.
Der MDax mit den mittelgroßen deutschen Werten bewegte sich zur Mittagszeit auch mit 0,7 Prozent im Plus bei 32.077 Punkten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx hat es außerdem mit 0,4 Prozent ins Plus geschafft. In New York zeichnete sich derweil nur wenig Bewegung ab. Da einige Leitindizes dort eine Rekordrally hinter sich haben, sehen Anleger in Europa offenbar weiteren Aufholbedarf.
"Die Investoren ignorieren weiterhin die schwächeren Indikationen aus der deutschen Wirtschaft", sagte Marktbeobachter Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets mit Blick auf veröffentlichte Einkaufsmanagerindizes. Die Stimmung in den Unternehmen der Eurozone ist im Mai wegen der Folgen des Iran-Kriegs auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren gesunken.
Iran-Krieg Status: Laut US-Präsident Donald Trump sind die Verhandlungen mit dem Iran in der "Endphase". Dies schürte an den Märkten die Hoffnung, dass die für die Weltwirtschaft wichtige Straße von Hormus bald wieder befahrbar sein könnte.
Nachrichten aus Deutschland
RWE
Die Aktien von RWE haben am Donnerstagmorgen mit Verlusten auf einen Analystenkommentar reagiert. Auf der Handelsplattform Tradegate rutschten sie um ein Prozent unter ihren Xetra-Schluss auf 56 Euro. Ende April hatten die Papiere der Essener mit 62 Euro noch den höchsten Stand seit sechzehn Jahren erreicht - nach einem Jahresplus von 37 Prozent.
Analyst Harry Wyburd von Exane BNP Paribas strich aus Bewertungsgründen seine Empfehlung und rechnet mit einer anhaltenden Verschnaufpause. Die RWE-Aktien befänden sich auf der Hälfte des Weges vom teuren integrierten Versorger zum günstigen Erneuerbare-Ernergien-Konzern. Stand heute seien sie fair bewertet mit Blick auf Geschäftsmix und Aussichten.
Infineon
Verhaltene Reaktionen auf die jüngsten Resultate des US-Chipkonzerns Nvidia bremsen am Donnerstag nicht das Anlegerinteresse an Infineon. Die Titel des deutschen Halbleiterherstellers gehörten am Morgen mit einem Anstieg um zwei Prozent zu den Favoriten im Dax. Der Kurs näherte sich der 70-Euro-Marke, die letztmals im Jahr 2000 auf der Kurstafel gestanden hatte. Unterstützung kam auch von positiven Nachtrichten aus der Branche.
Nvidia bewegten sich im vorbörslichen US-Handel nicht groß von der Stelle, nachdem mit starken Zahlen die hohen Erwartungen erfüllt oder sogar übertroffen wurden. Etwas gestützt wurde Infineon aber durch eine gute Branchenstimmung, die aus Asien überschwappte. Der Experte Jim Reid von der Deutschen Bank verwies dort auf einen Kurssprung bei LG Electronics in Südkorea, den er mit Signalen des Nvidia-Chefs Jensen Huang hinsichtlich KI und Robotik in Zusammenhang brachte.
In Asien waren außerdem die Titel des Tech-Investors Softbank über Nacht um 20 Prozent hochgeschnellt wegen der Fantasie für einen Börsengang des amerikanischen KI-Pioniers OpenAI. Der ChatGPT-Entwickler dürfte einem Pressebericht zufolge mit mehr als einer Billion US-Dollar bewertet werden.
Bayer
Die DZ Bank hat den fairen Aktienwert für Bayer von 44 auf 51 Euro angehoben und die Papiere von "Halten" auf "Kaufen" hochgestuft. Peter Spengler begründete seine Empfehlung am Dienstag mit dem starken Jahresstart des Pharma- und Agrarchemiekonzerns und verbesserten Perspektiven. Die Rechtsrisiken seien gesunken.
Rheinmetall
Die Schweizer Großbank UBS hat das Kursziel für Rheinmetall von 2200 auf 1600 Euro gesenkt und die Einstufung auf "Buy" belassen. Auf die Frage, ob Rheinmetall "mehr wie Kodak oder mehr wie Netflix" sei, würde er mit "irgendwas dazwischen" antworten, schrieb Sven Weier am Mittwochabend. Die Anleger sorgten sich inzwischen zunehmend um die Stellung der Düsseldorfer in einem Rüstungsmarkt der Zukunft angesichts ihrer Fokussierung auf Munition und Fahrzeuge. Weier sieht zwar die Rüstungsausgaben längerfristig immer mehr in neue Technologien fließen, Rheinmetall könne aber in der Zwischenzeit immer noch von hybriden Lösungen profitieren. Dies sei aber im deutlich korrigierten Kursniveau überhaupt nicht mehr eingepreist. Der Kurs berücksichtige kein Wachstum im Munitionsgeschäft über dieses Jahr hinaus und habe auch den Transporter Boxer ausgepreist.
Internationale Nachrichten
Intuit übertrifft Erwartungen – streicht aber 17 Prozent der Stellen
Der Finanzsoftware-Konzern Intuit hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen Umsatz von 8,6 Milliarden Dollar erzielt und dabei sowohl Umsatz- als auch Gewinnschätzungen übertroffen, woraufhin das Management die Jahresprognose erneut angehoben hat. Gleichzeitig kündigte CEO Sasan Goodarzi den Abbau von 17 Prozent der Belegschaft an – rund 3.000 Stellen – mit dem erklärten Ziel, Führungsebenen zu verschlanken und Doppelstrukturen abzubauen. Schatten auf die Ergebnisse warf das schwächere Abschneiden im Massenmarkt der Steuerplattform TurboTax, wo einkommensschwächere Nutzer zunehmend auf günstigere Konkurrenzangebote ausweichen.
Trump plant Erlass zu KI-Aufsicht – freiwilliger Rahmen geplant
US-Präsident Trump will noch heute eine Präsidialverfügung zur KI-Regulierung unterzeichnen, die KI-Entwickler dazu auffordert, ihre leistungsfähigsten Modelle 90 Tage vor der Veröffentlichung der Regierung zur Sicherheitsüberprüfung vorzulegen – auf freiwilliger Basis. Der Erlass gilt als Kompromiss zwischen Teilen der MAGA-Bewegung, die verpflichtende Sicherheitstests fordern, und der KI-Industrie, die eine zu starke staatliche Einmischung ablehnt. Google, xAI und Microsoft haben dem Vernehmen nach bereits zugesagt, ihre Modelle entsprechenden Prüfungen zu unterziehen.
JPMorgan-Chef Dimon: Bank wird künftig mehr KI-Spezialisten einstellen
JPMorgan-CEO Jamie Dimon hat auf dem China-Summit der Bank in Shanghai bekräftigt, dass der Konzern langfristig mehr KI-Fachkräfte und weniger klassische Banker beschäftigen werde, da die Technologie bestimmte Tätigkeiten ersetzen werde. Er betonte jedoch, dass JPMorgan Mitarbeiter umschulen, intern versetzen oder in den Vorruhestand schicken könne, um betriebsbedingte Kündigungen zu minimieren. Die Aussagen reihen sich in einen branchenweiten Trend ein: Auch andere Großbanken wie Standard Chartered haben in den vergangenen Tagen angekündigt, durch KI-Automatisierung tausende Stellen in Bereichen wie Compliance und Risikomanagement abzubauen.
Anthropic mietet SpaceX-Rechenzentrum für 45 Milliarden Dollar
Der KI-Konzern Anthropic hat einen Vertrag mit SpaceX geschlossen, der Zahlungen von rund 1,25 Milliarden Dollar monatlich über drei Jahre vorsieht – insgesamt fast 45 Milliarden Dollar – für den Zugang zu Rechenkapazität im xAI-Rechenzentrum „Colossus 1" in Memphis, Tennessee, das über mehr als 220.000 Nvidia-GPUs verfügt. Der Deal wurde im Rahmen von SpaceX' IPO-Unterlagen öffentlich und zeigt, wie dramatisch der Bedarf an Rechenkapazität für KI-Anwendungen gestiegen ist. Für xAI stellt das Abkommen eine wesentliche Einnahmequelle dar, da das Unternehmen seine überschüssige Infrastruktur monetarisiert.
AMD investiert 10 Milliarden Dollar in Taiwan
AMD hat Investitionen von über 10 Milliarden Dollar im taiwanesischen Technologie-Ökosystem angekündigt, um die Fertigung fortschrittlicher Chip-Packaging-Technologien für KI-Infrastruktur auszubauen. Im Mittelpunkt stehen neue 2,5D-Verbindungstechnologien gemeinsam mit taiwanesischen Partnern sowie die Skalierung der Helios-Rack-Plattform, die auf AMDs Instinct MI450X-KI-Chips setzt. Die Auslieferung der Helios-Plattform ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant.
Generali meistert Rekordkatastrophenschäden dank Prämienanstieg
Der italienische Versicherer Generali musste im ersten Quartal Naturkatastrophenschäden von 426 Millionen Euro verkraften – neunmal mehr als im Vorjahr –, was hauptsächlich auf ein schweres Ereignis in Portugal zurückzuführen ist. Dank gestiegener Prämieneinnahmen von rund 28,2 Milliarden Euro sowie starker Lebensversicherungsgewinne stieg der operative Konzerngewinn dennoch um acht Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Der Nettüberschuss sank leicht um zwei Prozent, während die kombinierte Schaden-Kosten-Quote mit 90,5 Prozent weiterhin komfortabel unter der kritischen Marke von 100 Prozent liegt.
Tesla startet FSD Supervised in China – volle Autonomie noch offen
Tesla hat bekanntgegeben, dass seine Fahrassistenzfunktion FSD Supervised ab sofort auch in China verfügbar ist – ein System, das aktive Fahrerüberwachung erfordert und keine vollständige Autonomie bietet. Die Genehmigung für ein vollständig autonomes System steht noch aus; Tesla arbeitet mit chinesischen Behörden auf eine Zulassung im dritten Quartal hin und hat diese Woche dafür dringend Testingenieure und Datenfachkräfte in neun chinesischen Städten ausgeschrieben. Elon Musk hatte China zuletzt als Teil einer US-Wirtschaftsdelegation unter Präsident Trump besucht, was den diplomatischen Hintergrund der Marktzulassung unterstreicht.
Enthält Material von dpa-AFX
Häufig gestellte Fragen
Warum fällt der DAX?
Der DAX fällt am Donnerstag, nachdem klare Impulse durch die Nvidia-Zahlen ausgeblieben sind.
Wie fielen die Nvidia-Zahlen aus?
Nvidia konnte auf dem Papier die Erwartungen durch die Bank schlagen, allerdings hatten sich einige Investoren vor allem beim Ausblick mehr erhofft.
Was plant Trump bei der KI-Aufsicht?
US-Präsident Trump will noch heute eine Präsidialverfügung zur KI-Regulierung unterzeichnen, die KI-Entwickler dazu auffordert, ihre leistungsfähigsten Modelle 90 Tage vor der Veröffentlichung der Regierung zur Sicherheitsüberprüfung vorzulegen – auf freiwilliger Basis.