Am Montag sorgte die Anpassung einiger Chemiewerte durch die US-Großbank Goldman Sachs an den Börsen für Nervosität. Während Titel wie Lanxess und Evonik eine schlechtere Bewertung erhielten, konnte ein Chemiekonzern mit Rückenwind entgegen dieser Prognosen hervorgehen - und verzeichnete am Dienstagmittag ein Plus von mehr als sechs Prozent.
Symrise trotzt der Goldman-Sachs-Prognose und steigt deutlich. Aufgrund einer Branchenbewertung durch Goldman Sachs stufte Analystin Georgina Fraser einige Aktien des europäischen Chemiesektors ab. Nicht nur Symrise erhielt eine Korrektur: Auch Lanxess und Evonik zählten zu den Verlierern. Doch der Hersteller von Aromen und Duftstoffen stellte sich gegen den Trend und erhält durch Analysten von JP Morgan Rückenwind. Am Dienstagvormittag notierte die Aktie bereits bei 79,66 Euro, was einem Gewinn von 5,1 Prozent entsprach.
Symrise-Aktie mit deutlichem Kursplus
Somit hat der Titel die 21-Tage-Linie durchbrochen, die als technischer Indikator für den kurzfristigen Trend dient. Auch die 80-Euro-Marke stellte kein Hindernis dar und so lag der Kurs am 9. Juni um 14:16 Uhr bereits bei 80,22 Euro. Mit einem Plus von 6,11 Prozent führte sie am Dienstag den DAX an.
JPMorgan-Analyst Edward Hockin rechnet mit positiven Quartalszahlen, die das Unternehmen Ende Juli vorlegen will. Er geht von einem organischen Umsatzwachstum auf drei Prozent aus. Laut dem Experten profitiert Symrise von einer soliden Entwicklung in den Geschäften rund um Parfüm sowie Lebensmittel und Getränke. Auch eine solide Entwicklung in weiteren Geschäftsbereichen spricht für die positive Äußerung des Experten. Somit hält Hockin an seinem Kursziel von 100 Euro fest und bewertet die Symrise-Aktie weiterhin mit "Overweight". Dennoch sieht auch er die Margen weiterhin unter Druck, weshalb er die Gewinne pro Aktie kaum veränderte.
Georgina Fraser ging hingegen von einem erneuten Abschwung des europäischen Chemiesektors aus und stufte Symrise auf "Neutral" ab. Sie setzte stattdessen auf ein Unternehmen aus der Schweiz, bei dem die außerordentlichen Wachstums- und Margenaussichten verkannt würden.
Abhängigkeiten verringern
Der Chemiesektor ist stark abhängig von geopolitischen Spannungen. Anders sieht das bei den Titeln aus, die Anleger im "Stabile-Werte-Index" von BÖRSE ONLINE finden. Wer nach Aktien sucht, die sich nicht so leicht beeinflussen lassen, sollte sich den Index genauer anschauen.
Givaudan-Aktie als Schweizer Alternative mit Aufwärtspotenzial
Givaudan legte am Dienstag ebenfalls mehr als sechs Prozent zu. Die Aktie erhielt jedoch nicht nur Rückenwind durch Fraser, sondern auch von der Analystin Virginie Boucher-Ferte von der Deutschen Bank. Die Nachfrage bleibe solide und dürfte bei den Herstellern das organische Wachstum antreiben, sagte die Expertin. Auch die steigenden Kosten könnten an die Kunden weitergegeben werden, was die Profitabilität für die meisten Unternehmen der Branche absichere. Analystin Celine Pannuti erwartet bei Givaudan weitere positive Kurstreiber und verpasste dem Titel den Stempel "Positive Catalyst Watch".
Die Expertin erwartet für das Schweizer Unternehmen mit 4,1 Prozent sogar ein höheres organisches Wachstum, als ihr Kollege es bei Symrise sieht. Beide Titel liefern ein positives Signal, trotz der Bedenken von Goldman Sachs. Sie trotzen den Prognosen und könnten weiteren Rückenwind erhalten, sollte Hockin mit seiner Annahme zu den Quartalszahlen von Symrise recht behalten.
Den richtigen Moment erwischen
Givaudan- und Symrise-Kurse erleben derzeit einen kurzfristigen positiven Trend. Das korrekte Momentum abzupassen, ist an den Märkten elementar, wenn Sie kein Geld verlieren möchten. Im Aktienreport "Momentum-Könige" analysiert BÖRSE ONLINE drei weitere Werte, die kurz vor einem deutlichen Kurssprung stehen könnten.
FAQ zu Symrise, Givaudan und Chemieaktien
Was macht Symrise eigentlich?
Symrise ist ein internationaler Hersteller von Duft-, Geschmacks- und Inhaltsstoffen für Konsumgüter. Das Unternehmen beliefert vor allem die Parfüm-, Lebensmittel- und Getränkeindustrie und verdient damit an Produkten, die im Alltag oft unsichtbar, aber wirtschaftlich sehr wichtig sind.
Warum reagieren Chemieaktien so stark auf Analystenstimmen?
Chemieaktien gelten als zyklisch und sind deshalb besonders empfindlich gegenüber Konjunkturerwartungen, Margenprognosen und Branchenratings. Wenn große Banken wie Goldman Sachs oder JPMorgan ihre Einschätzungen ändern, kann das die Stimmung im gesamten Sektor schnell drehen.
Was bedeutet das Kursziel von 100 Euro bei Symrise?
Das Kursziel ist die Einschätzung eines Analysten, welchen fairen Aktienkurs er innerhalb eines bestimmten Zeitraums für realistisch hält. Ein Kursziel von 100 Euro signalisiert, dass der Analyst bei Symrise weiteres Aufwärtspotenzial sieht, auch wenn kurzfristig noch Druck auf Margen oder Marktstimmung liegen kann.