So startet der DAX in die neue Woche. Im Fokus steht erneut das Iran-Thema. Außerdem wichtig: Nachrichten zu Easyjet, Nvidia, Berkshire, Siemens Energy, Mercedes, Nio und TSMC.

Nach der durchwachsenen Vorwoche zeichnet sich für den Dax ein ruhiger Wochenstart ab. Der Broker IG taxiert den deutschen Leitindex rund zweieinhalb Stunden vor dem Xetra-Start mit zehn Punkten im Plus bei 25.114 Punkten.

In der vergangenen Woche war er in der Hoffnung auf eine nachhaltige Friedensvereinbarung zwischen den USA und dem Iran gleich zum Start bis auf 25.438 Punkte gestiegen. Diese Aussicht erhielt im Wochenverlauf allerdings keine neue Nahrung, und so entfernte sich der Dax wieder von seinem Rekordhoch vom Januar bei 25.507 Punkten.

In den USA eilen die wichtigsten Aktienindizes wie S&P 500 und Nasdaq 100 derweil von Rekord zu Rekord - jüngst schloss sich auch der Dow Jones Industrial an.

Am Montagmorgen setzten sich auch die Rekordrallys des japanischen Nikkei 225 und des südkoreanischen Kospi fort. Am Aktienmarkt werde schon die Zukunft gekauft, während in Nahost noch die Gegenwart verhandelt werde, kommentierte Marktexperte Stephen Innes.

Der Marktstratege Mislav Matejka von JPMorgan sieht für das zweite Halbjahr weiter ein günstiges Verhältnis zwischen Chancen und Risiken am Aktienmarkt. Trotz der Rekorde im MSCI World UCITS und MSCI Emerging Markets Index sei der Markt noch fernab von "priced for perfection" - also einer Bewertung für den Optimalfall.

Nachrichten aus Deutschland

Siemens Energy

Die Aktien von Siemens Energy haben am Montagmorgen zu den aktivsten Werten auf der Handelsplattform Tradegate gezählt. Die Papiere der Bayern erholten sich mit 165,26 Euro über ein Prozent gegenüber dem Xetra-Schluss. Zeitweise waren sie am Freitag erstmals seit Anfang April wieder unter 160 Euro abgetaucht, hatten aber kurz vor ihrer 100-Tage-Durchschnittslinie dann abgedreht.

Für Auftrieb sorgte zum Juni-Start der Platz auf der "European Conviction List - Directors' Cut", die die Investmentbank Goldman Sachs den Aktien gewährte. Analyst Ajay Patel geht davon aus, dass mit der Geschäftsjahresbilanz die mittelfristigen Ziele aufgestockt werden und es auch Neues zu den Ausschüttungen an die Aktionäre geben wird. Patel liegt mit seiner operativen Ergebnisschätzung für 2030 um zehn Prozent über dem Konsens. Siemens Energy sieht er als "strukturellen Gewinner" in Zeiten steigenden Strombedarfs von KI-Rechenzentren und höherer Investitionen in Netzwerktechnologie.

Siemens Energy hatten im April einen Höchststand von 191,66 Euro erreicht und damit 2026 zwischenzeitlich erneut 59 Prozent zugelegt. Seit dem Tiefpunkt im Herbst 2023 hatten sie sich damit fast verdreißigfacht

Deutsche Autobauer

Der Fahrdienstevermittler Uber und das israelische KI-Unternehmen Autobrains starten ein gemeinsames Robotaxi-Programm in München. In der bayerischen Landeshauptstadt eine Flotte autonomer Fahrzeuge der Stufe 4 aufgebaut werden, kündigten die Unternehmen am Montag auf der Technologiekonferenz GTC in Taipeh an. Bei einem Level 4 ist keine Fahreraufmerksamkeit mehr nötig. Das Taxi kommt ohne Fahrer aus und die Passagiere können während der Fahrt schlafen, arbeiten oder Filme ansehen.

Damit werden auch Fahrzeuge ohne ein klassisches Cockpit möglich, da kein Mensch eingreifen muss. Das Fahrzeug darf aber nur in einem vorher festgelegten Bereich fahren, zum Beispiel innerhalb des mittleren Rings in München oder auf bestimmten Autobahnabschnitten. Das Projekt basiert technologisch auf der Rechenplattform des Chipgiganten Nvidia.

Abschied von teuren Spezialumbauten

Im Zentrum der strategischen Partnerschaft steht ein grundlegender Paradigmenwechsel für die kommerzielle autonome Mobilität: der Verzicht auf maßgeschneiderte Spezialfahrzeuge. Bisherige Robotaxi-Dienste, wie etwa die Google-Tochter Waymo, setzen auf hochgradig individualisierte Fahrzeugflotten mit komplexen Sensorenaufbauten auf dem Dach.

Das neue Programm in München etabliert stattdessen ein sogenanntes "OEM-agnostisches" Modell. Damit ist gemeint, dass sich das System unkompliziert in bestehende Serienfahrzeuge verschiedenster Automobilhersteller (OEMs) wie Audi, BMW, Mercedes oder Volkswagen <DE0007664039> integrieren lässt. Für die Autobranche soll sich damit die Möglichkeit eröffnen, eigene Fahrzeugplattformen ohne immensen Entwicklungsaufwand in ein autonomes Fahrdienste-Netzwerk einzubringen.

"Agentic AI" steuert durch München

Technologisches Herzstück des Projekts ist die sogenannte "Agentic A" von Autobrains. Im Gegensatz zu herkömmlichen Ende-zu-Ende-KI-Modellen, die die gesamte Fahraufgabe als ein einziges großes System verarbeiten, zerlegt der Ansatz von Autobrains den Fahrvorgang in spezialisierte, eigenständige Software-Agenten. Ein KI-Agent bewertet Vorfahrtsregeln, ein anderer achtet auf die Fußgänger, andere Agenten sind für Aufgaben wie den Spurwechsel zuständig. Ein übergeordnetes System bewertet diese Dimensionen des Verkehrsgeschehens parallel und trefft in Echtzeit verbindliche Entscheidungen.

München als europäisches Testlabor

München dient für das Konsortium als weltweite Launch-City. Ausschlaggebend für die Standortwahl waren neben der dichten urbanen Infrastruktur und der Nähe zu führenden Automobilkonzernen vor allem die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland. Das deutsche Gesetz zum autonomen Fahren erlaubt den fahrerlosen Betrieb unter bestimmten Voraussetzungen in festgelegten Geschäftsbereichen.

Der Start des kommerziellen Dienstes steht unter dem Vorbehalt der noch ausstehenden behördlichen Genehmigungen. Für Uber bedeutet das Projekt in München eine strategische Doppelspitze: Der Mobilitätsriese testet in der Region bereits autonomes Fahren mit dem chinesischen Technologiepartner Momenta und baut mit dem zweiten Projekt seine Präsenz auf dem europäischen Markt für fahrerlose Mobilität damit aus.

Bei der Ankündigung in Taipeh blieben allerdings wichtige Details noch offen. So ist unklar, welche Fahrzeugmarke zuerst eingesetzt wird und wer die Flotte betreibt. Außerdem ist weiterhin nicht klar, ob es zu Beginn des Tests noch Sicherheitsfahrer im Fahrzeug geben wird und in welchem Gebiet genau und ab wann die Testfahrten absolviert werden.

Internationale Nachrichten

Nvidia stellt RTX Spark vor – neuer KI-Superchip für Windows-PCs

Nvidia hat auf der Computex-Messe in Taipei den RTX Spark vorgestellt, einen ARM-basierten Superchip, der Grafik- und KI-Verarbeitung vereint und bis zu einem Petaflop KI-Leistung bei 128 GB Arbeitsspeicher bieten soll. Das Gerät richtet sich an KI-Entwickler, Kreative und Gamer und erlaubt es, KI-Sprachmodelle mit bis zu 120 Milliarden Parametern vollständig lokal auszuführen – Dell und Lenovo wollen erste Geräte ab Herbst anbieten. Mit dem Schritt greift Nvidia gemeinsam mit Microsoft direkt die PC-Marktführerschaft von Apple, Qualcomm, Intel und AMD an.

Berkshire Hathaway übernimmt Hausbauer Taylor Morrison für 8,5 Milliarden Dollar

Warren Buffetts Nachfolger Greg Abel hat die Übernahme des US-Hausbauers Taylor Morrison zu einem Preis von 72,50 Dollar je Aktie angekündigt – ein Aufschlag von 24 Prozent auf den letzten Schlusskurs. Der Deal signalisiert ein klares Bekenntnis zum US-Immobilienmarkt trotz hoher Hypothekenzinsen und ergänzt Berkshires bestehende Wohnbauaktivitäten wie Clayton Homes um einen der größten börsennotierten Hausbauer des Landes. Der Abschluss wird in der zweiten Jahreshälfte 2026 erwartet, danach wird Taylor Morrison von der New Yorker Börse genommen.

TSMC setzt Nvidia-KI ein, um Chipfertigung zu optimieren

TSMC nutzt Nvidias KI-Bibliotheken und Beschleunigungsplattformen, um kritische Fertigungsschritte wie Lithografie, Prozesskontrolle und Defektinspektion zu optimieren und die Erkennung von Nanometer-kleinen Fehlern zu verbessern. Gleichzeitig gab Nvidia bekannt, dass Foxconn seine CoDoctor-KI-Plattform mit Nvidia-Technologie in taiwanesischen Krankenhäusern in den klinischen Regelbetrieb überführt hat – von Pilotprojekten hin zu koordinierten KI-Agenten und Pflegerobotern. Beide Ankündigungen unterstreichen Nvidias wachsende Rolle als KI-Infrastrukturpartner weit über Rechenzentren hinaus.

NIO steigert Auslieferungen im Mai um 62 Prozent

Der chinesische Elektroautohersteller NIO hat im Mai 2026 insgesamt 37.705 Fahrzeuge ausgeliefert – ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 28 Prozent mehr als im April. Treiber waren vor allem das neu eingeführte ONVO L80 SUV sowie das Premiummodell ES8, das seit fünf Monaten in Folge die Verkaufscharts seines Segments anführt. Ende Mai stellte NIO zudem das Luxus-SUV ES9 vor, das unmittelbar nach der Präsentation mit der Auslieferung begann und NIOs Präsenz im Premiumsegment weiter stärkt.

Castlelake bestätigt Überlegungen zur Übernahme von Easyjet

Der britische Billigflieger Easyjet könnte eine Übernahme durch eine US-Investmentgesellschaft bevorstehen. Castlelake bestätigte am Freitag, dass man sich in einem frühen Stadium von Überlegungen zur Abgabe eines Kaufgebots befindet. Zuvor hatte die britische Webseite Betaville entsprechend berichtet. Zuletzt hatte es im Oktober vergangenen Jahres Spekulationen über ein Übernahmeangebot der schweizerischen Großreederei MSC gegeben. Auch andere Akteure hätten ein Auge auf Easyjet geworfen, hatte die italienische Zeitung "Corriere della Sera" damals berichtet.

Easyjet wird an der Börse auf Basis des Schlusskurses vom Freitag mit drei Milliarden Britische Pfund (3,5 Milliarden Euro) bewertet. Auf Jahressicht hat die Aktie fast ein Drittel eingebüßt. Nach Bekanntwerden des Betaville-Berichts war das Easyjet-Papier am Freitag zunächst um bis zu sieben Prozent nach oben gesprungen. Aus dem Handel ging die Aktie ein Prozent höher.

Es gebe keine Gewissheit, dass es ein Gebot geben werde, hieß es in der Mitteilung von Castlelake weiter. Man habe noch nicht mit dem Verwaltungsrat gesprochen.

Vor gut einer Woche hatte Easyjet wegen hoher Kerosinpreise und später Buchungen weiterhin keine Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2025/26 abgegeben. Für das wichtige Sommerquartal von Juli bis September seien erst 40 Prozent der Tickets verkauft und damit drei Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr, hatte die Rivalin von Ryanair und Eurowings mitgeteilt. Die Last-Minute-Buchungen im Monat des Reisebeginns seien jedoch weiterhin stark. Das Management hat den Preis für die billigsten Tickets erhöht und setzt bei den hauseigenen Kosten den Rotstift an.

Wegen der stark gestiegenen Treibstoffpreise infolge des Iran-Kriegs und der schwer einschätzbaren Buchungslage hält Easyjet-Chef Kenton Jarvis es immer noch für unsicher, wie das Geschäftsjahr für das Unternehmen finanziell ausgeht. In der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres bis Ende September dürften die Stückkosten schon ohne Treibstoff um einen niedrigen einstelligen Prozentsatz steigen, schätzt er. Die Treibstoffkosten seien erst recht schwer vorherzusagen, weil die Preise stark schwankten.

Easyjet hatte bereits Mitte April eine Gewinnwarnung veröffentlicht und den Aktienkurs damit auf den niedrigsten Stand seit 2022 geschickt. Im gewöhnlich reiseschwachen ersten Geschäftshalbjahr bis Ende März hatte die Gesellschaft ihren Umsatz zwar um zwölf Prozent auf 3,95 Milliarden britische Pfund gesteigert. Wegen deutlich höherer Betriebskosten wuchs der saisontypische Winterverlust vor Steuern aber um 40 Prozent auf 552 Millionen Pfund. Unter dem Strich legte der Fehlbetrag von 297 Millionen auf 377 Millionen Pfund zu.

DAX (WKN: 846900)

Enthält Material von dpa-AFX

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Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet das Robotaxi-Projekt von Uber und Autobrains in München für die deutsche Automobilindustrie?

Das Projekt verfolgt einen grundlegend anderen Ansatz als bisherige Robotaxi-Konzepte: Statt teurer Spezialfahrzeuge soll sich das System flexibel in Serienfahrzeuge von Herstellern wie Audi, BMW, Mercedes oder Volkswagen integrieren lassen. Für die deutsche Automobilindustrie eröffnet das die Möglichkeit, bestehende Fahrzeugplattformen ohne immensen Entwicklungsaufwand in autonome Fahrdienste einzubringen. Wann der kommerzielle Betrieb startet, hängt noch von ausstehenden behördlichen Genehmigungen ab.

Warum stuft Goldman Sachs Siemens Energy als strukturellen Gewinner ein?

Goldman-Sachs-Analyst Ajay Patel sieht Siemens Energy als direkten Profiteur des massiv wachsenden Strombedarfs durch KI-Rechenzentren und höherer Investitionen in Netzwerktechnologie. Seine operative Ergebnisschätzung für 2030 liegt zehn Prozent über dem Marktkonsens. Zusätzlich erwartet er mit der nächsten Geschäftsjahresbilanz eine Aufstockung der mittelfristigen Ziele sowie neue Aussagen zu Ausschüttungen an die Aktionäre.

Warum könnte Easyjet trotz schwacher Zahlen ein Übernahmekandidat sein?

Die US-Investmentgesellschaft Castlelake bestätigte frühe Überlegungen zu einem Kaufgebot für den britischen Billigflieger, der an der Börse aktuell mit rund 3,5 Milliarden Euro bewertet wird und auf Jahressicht fast ein Drittel seines Wertes verloren hat. Die schwache Bewertung infolge von Gewinnwarnungen, hohen Kerosinkosten und unsicherer Buchungslage macht Easyjet für Finanzinvestoren zu einem potenziell günstigen Einstiegszeitpunkt – ein Gebot ist jedoch noch nicht sicher, und Gespräche mit dem Verwaltungsrat haben noch nicht stattgefunden.