Überraschender Stimmungswandel bei ThyssenKrupp. Der Konzern hat die Gespräche über den Verkauf seiner Stahlsparte gestoppt. Die Börse reagiert sofort.
Der Industriekonzern Thyssenkrupp will seine Stahlsparte nun doch nicht mehr an den indischen Konkurrenten Jindal verkaufen. Nach einer Mitteilung vom Wochenende haben die beiden Unternehmen entschieden, die schon seit September vergangenen Jahres laufenden Gespräche auf Eis zu legen. Man wolle jetzt die Neuaufstellung des Stahlbereichs aus eigener Kraft vorantreiben und profitabel aufstellen, hieß es in Essen. Mittelfristig will sich Thyssenkrupp den Angaben zufolge aber weiterhin vom Stahlgeschäft trennen.
Gründe für die Entscheidung, die Verhandlungen mit dem indischen Unternehmen einzustellen, sind zum einen die mittlerweile wieder verbesserten Rahmenbedingungen für Stahlhersteller in Europa und zum anderen die Fortschritte bei der Sanierung der Stahlsparte von ThyssenKrupp.
Die im MDax notierte Aktie profitierte am Montag von der Meldung und stieg bis 10:30 Uhr um 1,2 Prozent. Das Papier setzt damit seinen jüngsten Erholungskurs fort. Die Aktie hatte kurz vor dem Nahost-Krieg ein Hoch seit 2018 erreicht, verlor aber anschließend bis Ende März mehr als 40 Prozent an Wert. Im laufenden Jahr steht trotzdem immer noch ein Kursplus von rund elf Prozent zu Buche. In den vergangenen zwölf Monaten legte der Kurs von ThyssenKrupp, auch getrieben durch den erfolgreichen Börsengang der Marinesparte TKMS, um rund ein Drittel zu.
Fortschritte bei der Sanierung
Der Kasus knaxus in den Stahl-Verhandlungen sei wohl die Bewertung der Sparte angesichts einer verbesserten Ausgangslage in Europa und der Restrukturierungserfolge gewesen, kommentierte ein Börsianer gegenüber dpa-afx. Die EU will die Stahlhersteller in Europa stärker vor Billigkonkurrenz aus Fernost schützen. Die Analysten von JPMorgan hatten nach Bekanntwerden der EU-Pläne von einer „Renaissance der Branche“ gesprochen.
Ähnlich argumentiert jetzt auch Thyssenkrupp. „Die Europäische Union hat die große Bedeutung der Stahlproduktion für die Resilienz industrieller Wertschöpfungsketten erkannt und den Willen bekundet, die europäische Stahlindustrie besser vor globalen Überkapazitäten und Dumping zu schützen“, hieß es in der Mitteilung vom Samstag. Zudem wolle die EU die Umstellung auf eine klimafreundliche Stahlproduktion weiter stärken. „Wir haben immer gesagt: Stahl ist Zukunft. Und ein zukunftsfähiges Geschäft ist ein werthaltiges Geschäft“, sagte Thyssenkrupp-Chef Miguel López. Nachdem man sich mit den Tarifpartnern und der Politik im Grundsatz geeinigt habe, „sind die Voraussetzungen für eine profitable Fortführung von Thyssenkrupp Steel so gut wie lange nicht mehr“.
Wird ThyssenKrupp die Sparte jetzt überhaupt noch los?
Thyssenkrupp und Jindal Steel hatten Mitte September bekannt gemacht, dass der familiengeführte indische Konzern die Stahlsparte kaufen will und bereits ein unverbindliches Angebot abgegeben habe. Das für Firmenübernahmen und -verkäufe zuständige Vorstandsmitglied Volkmar Dinstuhl hatte noch bei der Vorlage der Jahreszahlen am 9. Dezember gesagt, dass das Angebot auf eine mehrheitliche Übernahme abziele.
Thyssenkrupp hat in der Vergangenheit schon mehrfach erfolglos versucht, seine Stahlsparte loszuwerden, da das Geschäft volatil und sehr kapitalintensiv ist.
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Enthält Material von dpa-AFX
Häufige Fragen zum Thema
Warum steigt heute die Aktie von Thyssenkrupp?
Die Aktie von Thyssenkrupp steigt am Montag, weil das Unternehem seine Stahlsparet nun vorerst doch nicht abgibt. Jüngste Erfolge bei der Sanierung haben ihren Wert aus Sicht der Börse erhöht.
Was sagt BÖRSE ONLINE zur Aktie von Thyssenkrupp?
BÖRSE ONLINE rät aktuell bei den Aktien von Thyssenkrupp nicht zum Kauf.
Was sagen die Analysten zur Aktie von Thyssenkrupp?
Die Analysten raten im Konsens zum Halten der Thyssenkrupp-Aktie und sehen rund 13 Prozent Kurspotenzial.